post-title Via Lewandowsky | BEI UNS. | ALEXANDER OCHS PRIVATE | 01.04.-08.05.2021

Via Lewandowsky | BEI UNS. | ALEXANDER OCHS PRIVATE | 01.04.-08.05.2021

Via Lewandowsky | BEI UNS. | ALEXANDER OCHS PRIVATE | 01.04.-08.05.2021

Via Lewandowsky | BEI UNS. | ALEXANDER OCHS PRIVATE | 01.04.-08.05.2021

bis 08.05. | #3041ARTatBerlin | ALEXANDER OCHS PRIVATE präsentiert derzeit im ersten Teil der Ausstellungsreihe ‘Bei uns. Bei Euch! Ein künstlerisches Kontinuum Chemnitz/Berlin‘ Werke des Künstlers Via Lewandowsky.

Manche Möbel begleiten uns das ganze Leben und manchmal auch über Generationen. Auch wenn die Ausstattung fürs Leben an Bedeutung verloren hat, werden auch in Zukunft mit einzelnen Stühlen, Tischen oder Schränken immer noch ganz unterschiedliche Erwartungen verbunden sein, die mit Erinnerungen, nostalgischen Träumereien oder einfach Wertschätzung einer Zeit zu tun haben.

Via Lewandowsky holt anlässlich der Ausstellung „Bei uns.“ aus dem Osten Deutschlands eine Schrankwand der Marke „Brocken“ aus den 70er Jahren in den Westen Berlins in die Charlottenburger Wohnung der Galerie von Alexander Ochs Private. Ort und Umstände sind sorgfältig ausgewählt und passen perfekt zusammen.

Einerseits beschäftigt sich Via Lewandowsky seit vielen Jahren mit den Abgründen und tragikomischen Momenten häuslichen und familiären Lebens. Dabei umkreisen seine Arbeiten die Felder von Identität und Intimität in Gestalt von transformierten Alltagsgegenständen. Andererseits war es der plötzliche Tod von Via Lewandowskys Mutter, der zu dem Entschluss führte, ein zentrales Möbelstück aus der elterlichen Wohnung gefüllt mit Erinnerungen und gelebten Leben in die Ausstellung zu integrieren.

ART at Berlin - Alexander Ochs Private - Via Lewandowsky_Die Fuersorgliche_2021_A+B_Foto Thomas Bruns
Via Lewandowsky, Die Fürsorgliche, 2021, Mixed Media, 265 x 251 x 46 cm,
Foto: Thomas Bruns, Courtesy ALEXANDER OCHS PRIVATE

Die nahezu originale Rekonstruktion mit dem Titel „Die Fürsorgliche“ wird so zum Teil der Trauerarbeit als Kunstwerk. Dabei gibt sie viele private Einblicke preis und strahlt eine fast beklemmende Authentizität aus.
Analog zu der Arbeit „Der Herzenmacher“ von 2015, in der Via Lewandowsky die Hobelbank seines verstorbenen Vaters rekonstruierte und ausstellte, wird die Schrankwand zu einem emblematischem Abbild einer besonderen Lebensgeschichte, wird zum Schrein eines wechselhaften Familienlebens durch erstarrte und sich überschlagende politische Zeiten.

Ein Pendant zur Schrankwand als Lebensarchiv findet sich in Form von ausgeschnittenen und perspektivisch gestapelten Stücken Parkettbodens aus einer Hamburger Gründerzeit-Villa an der Wand gegenüber. „Madonna kniend mit Kind“ von 2019 ist ein typisches Beispiel für die bewusst verwirrend gelegten Interpretationsstränge in Via Lewandowskys Arbeiten. Kniend auf Parkettboden, gestapelt zu Figuren, Madonna und Kind als verzerrte Perspektive?

ART at Berlin - Courtesy of Alexander Ochs Private - Via Lewandowsky_Kniende Madonna ... 2021_1_Foto Thomas Bruns
Via Lewandowsky, Kniende Madonna mit Kind, 2019
Parkettboden aus einer Gründerzeit-Villa in Hamburg 17 x 80 x 80 cm / 10 x 40 x 40 cm
Foto: Thomas Bruns, Courtesy ALEXANDER OCHS PRIVATE

Einfacher ist da die Arbeit „Reinheit“, 2021. Ein mit einer Lichterkette umwickelter Stubenbesen steht leuchtend in einer Ecke des Raumes. Der festlich geschmückte Besen könnte ein Verweis auf die allgegenwärtige Präsenz des Weihnachtsfestes, wie sie in der Schrankwand deutlich wird, sein: Hausarbeit als nicht endende wollendes Weihnachtsfest.

Im zweiten Raum der Ausstellung reichen sich gleich mehrere Arbeiten die Hände. Zentral auf einem runden Tisch stehen zwei schwarze Glasskulpturen, die die Form von aufgeblasenen Haushaltsgummihandschuhen haben. „In guten Händen“, 2020 vereint die Gegensätze von zum Spaß aufgeblasenen Desinfektionshandschuhen und ihre distanzierend schützende Funktion.

ART at Berlin - Courtesy of Alexander Ochs Private - Via Lewandowsky - In guten Haenden 2021 - Foto Thomas Bruns
Via Lewandowsky, In guten Händen, 2021, Glas, lackiert, 45 x 30 x 50 cm
Foto: Thomas Bruns, Courtesy ALEXANDER OCHS PRIVATE

Daneben auf einem Hocker schaukelt eine verbogene Gitarre „Das Ende vom Lied“, 2018.

ART at Berlin . Courtesy of Alexander Ochs Private - Via Lewandowsky_Ende vom Lied_2016_Foto Via Lewandowsky
Via Lewandowsky, Ende vom Lied, 2016
Akustikgitarre gebogen, Elektromagnet, Steuerung, 80 x 35 x 15 cm
Foto: Via Lewandowsky, Courtesy ALEXANDER OCHS PRIVATE

Vergoldete und entfaserte Raufasertapete „Goldene Schnitte“, sowie ein kleines Ölbild, das ein Brandloch eines Bügeleisens hat „How to Iron an Abstract Painting“ und zwei kleine Objektrahmen mit fingierten Fundstücken „Schmetterball des Origamimeisters“ und „Die Reinigung seiner C-Flöte ging ihm über alles“ komplettieren die Szene.


Via Lewandowsky, Goldene Schnitte (Bis zur letzten Faser) #4, 2020
Raufasertapete vergoldet und entfasert, 52,5 x 52,5 cm
Foto: Gunter Lepkowski, Courtesy ALEXANDER OCHS PRIVATE


Via Lewandowsky, How to Iron an Abstract Painting, 2021, Öl auf Leinwand, 32 x 32 cm
Foto: Thomas Bruns, Courtesy ALEXANDER OCHS PRIVATE

Alles wird von einer Leuchtschrift überstrahlt, die handschriftlich nicht mehr und nichts weniger sagt als „belanglos“. Das sollte man ernst nehmen.

Gefördert von STIFTUNG KUNSTFONDS und NEUSTART KULTUR

Ausstellungsdaten: Donnerstag, 1. April – Samstag, 8. Mai 2021

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