post-title Reverie | Gruppenausstellung | EFREMIDIS GALLERY | 22.05.-03.07.2020

Reverie | Gruppenausstellung | EFREMIDIS GALLERY | 22.05.-03.07.2020

Reverie | Gruppenausstellung | EFREMIDIS GALLERY | 22.05.-03.07.2020

Reverie | Gruppenausstellung | EFREMIDIS GALLERY | 22.05.-03.07.2020

bis 03.07. | #2740ARTatBerlin | EFREMIDIS GALLERY präsentiert ab 22. Mai 2020 die Ausstellung Reverie. Gleichzeitig gibt Efremidis bekannt, dass Tenzing Barshee als Programmdirektor zum Team gestoßen ist. Mit Reverie, seiner ersten Ausstellung für Efremidis, kehrt er zur Ausstellung Revelry zurück, die er 2014 in der Kunsthalle Bern kuratiert hat.

Teilnehmende Künstler*innen: Mathis Altmann, Ketuta Alexi-Meskhishvili, Juliette Blightman, Vittorio Brodmann, Ann Cotten, Monster Chetwynd, Robert Escalera, David Hominal, Luzie Meyer, Josip Novosel
Puppies Puppies (Jade Kuriko Olivo), Pippin Wigglesworth & Jannis Paetzold

Im Jahr 1974 setzt sich die amerikanische Künstlerin Anne Truitt (geb. 1921) die Aufgabe, für ein Jahr jeden Morgen, gleich nach dem Aufwachen, zu schreiben. Die Uhrzeit oder Dauer setzte sie dabei nicht fest, nur, dass sie so lange schreiben würde wie sie angesichts anderer Verpflichtungen wollte oder konnte. Sie begann mit dem Schreiben als ein einjähriges Projekt weil sie das Gefühl hatte, dass ihre eigene und ihre Identität als Künstlerin nur wenig miteinander verflochten waren. In ihrem Tagebuch bezieht sie sich auf das Selbst, das verantwortlich ist für Haushaltspflichten und für das Muttersein, und auf sich selbst als Künstlerin. Des Weiteren schreibt sie, dass, sobald ihre Skulpturen Aufmerksamkeit bekamen, es ihr zunehmend schwer fiel sich selbst zu sehen: „Langsam wurde mir klar, dass ich für mich selbst weniger sichtbar wurde, je sichtbarer meine Arbeit wurde.“ Mit der Zeit transformierte Truitt die Integration des Selbst und schuf Orte für ihre Gedanken und jenen Teil ihrer Identität, den sie nicht in ihre Arbeit einbeziehen wollte. Sie schuf weiterhin groß angelegte Werke, ließ sich von ihrem Ehemann scheiden und zog ihre Kinder auf.

2014 nahm ich an der Gruppenausstellung Revelry teil, die Tenzing Barshee an der Kunsthalle Bern kuratierte. „Das private und das öffentliche Leben waren noch nie so stark verflochten wie heute […], was unsere Vorstellung von Intimität in ständiger Fluktuation hält“, schrieb er im Pressetext. Es scheint treffend, dass sich Barshees Ausstellung Revelry sechs Jahre später in Reverie umwandelt. Während der Pandemie und der staatlich angeordneten Isolation verschmelzen privates und öffentliches Leben zu einer einzigen verzögerten, störanfälligen Erfahrung, die der Eröffnung von Revelry, so wie ich mich erinnere, nicht unähnlich ist.

ART at Berlin - Courtesy Efremidis Gallery - Robert Escalera - 2020
Robert Escalera, untitled blue, 2020

Pippin Wigglesworths Beitrag zu Revelry war die Publikation Räume, geschrieben wie ein Tagebuch, jeder Eintrag mit dem Datum des jeweiligen Tages betitelt, gefolgt von einer detaillierten Beschreibung der verschiedenen Räume, die er jeden Tag im Rahmen seines Jobs inspizierte. Diese Passagen der Innerlichkeit rufen heute ein ganz anderes Narrativ hervor. Sein Beitrag zu Reverie fragt, ob ein „Text und dessen nachfolgende Veröffentlichung es schafft, eine Verbindung zu denen herzustellen, die wir lieben, geliebt haben und denen, die nicht mehr existieren.“ Vor seinem AIDS-Tod 1984 sprach Michel Foucault von einer Buchidee mit dem Titel „Technologien des Selbst“. Er beschrieb es als „zusammengesetzt aus verschiedenen Aufsätzen über das Selbst …, über die Rolle des Lesens und Schreibens bei der Konstituierung des Selbst…“. Schreibt man, um zu schreiben, oder schreibt man, um gelesen zu werden? Anne Bower untersucht dieses Konzept eloquent durch das Schreiben von Briefen in ihrem 1996 erschienenen Buch „Epistolary Responses: Letter in Twentieth-century American Fiction and Criticism“.

Die Briefform, die traditioneller Weise mit Frauen und mit der „privaten“ im Gegensatz zur „öffentlichen“ Sphäre assoziiert wird, bringt viele feministische Themen auf. Gleichzeitig ermöglicht der Brief, indem er den Akt des Schreibens und das Schreiben als Akt betont, die Erforschung postmoderner Fragen. Das Hin und Her von Briefen, ihr Wunsch nach Antwort, ihr unvollständiger Besitz von Informationen, ihr damit einhergehendes Spiel mit Vorstellungen von Abwesenheit und Anwesenheit und ihre scheinbar persönliche und private Natur gestalten eine interaktive Offenheit (obwohl man paradoxerweise immer schon weiß, dass diese scheinbare Offenheit zur Manipulation und Täuschung genutzt werden kann).

Reverie wird keine Eröffnung im traditionellen Sinn haben; die Ausstellung entsteht zu einer Zeit, in der Bewegung immer noch in vielerlei Hinsicht eingeschränkt ist, zu einer Zeit, in der Gedanken und Alltagsleben noch weiter rationalisiert wurden und nun in einem einzigen Existenzzustand zusammenlaufen. Wie Jean-Jacques Rousseau in den letzten Jahren seines Lebens und im Exil schrieb: „Dort versetzte das Rauschen der Wellen und das Herumwirbeln des Wassers, das meine Sinne fesselte und jegliche Störung aus meiner Seele verjagte, diese in eine entzückende Träumerei, in der mich die Nacht oft überraschte, ohne dass ich es bemerkt hatte.“ Das Narrativ, das sich durch die Ausstellung Reverie zieht, spiegelt dieses sich verändernde Licht wider, jetzt, da immer mehr Galerien und Institutionen wieder öffnen, Werke und Worte wieder physisch sichtbar und erfahrbar sind und man sie erleben kann, wie sie sein sollen, nämlich gebunden an körperliche Empfindungen, Farbe und Popmusik. Die Arbeiten in Reverie sind weich und ungeschickt, manche sind unhöflich, intensiv, rau und taff, wenn nicht gar hart. Ähnlich wie das Auf und Ab des Alltags.

Es gibt keinen Ersatz dafür, tatsächlich anwesend zu sein.

– Juliette Blightman, Mai 2020

Truitt, A., 1982. „Daybook: A Journal of an Artist“. Penguin Books 1984, Home.
Martin, L. (Ed.), 1998. „Technologies of the Self: A Seminar with Michel Foucault“. University Massachusetts Press, Amherst.
Bower, A.L., 1996. „Epistolary Responses: Letter in Twentieth-century American Fiction and Criticism“. The University of Alabama Press, Tuscaloosa.
Rousseau, J.-J., 2011. „Reveries of the Solitary Walker“. OUP Oxford, Oxford ; New York.

Übersetzt von Marie Sophie Beckmann

Eröffnungswochenende: Freitag, 22. Mai – Sonntag, 24. Mai 2020, jeweils 11:00 – 18:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Freitag, 22. Mai – Freitag, 3. Juli 2020

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