post-title Peer Boehm | Grenzerfahrung | Galerie Poll | 19.01.-13.03.2021

Peer Boehm | Grenzerfahrung | Galerie Poll | 19.01.-13.03.2021

Peer Boehm | Grenzerfahrung | Galerie Poll | 19.01.-13.03.2021

Peer Boehm | Grenzerfahrung | Galerie Poll | 19.01.-13.03.2021

bis 13.03. | #2980ARTatBerlin | Galerie Poll zeigt noch bis 13. März 2021 die Ausstellung Grenzerfahrung mit Malerei und Zeichnung des Künstlers Peer Boehm.

Unter dem Titel Grenzerfahrung stellt die Galerie Poll den Maler und Zeichner Peer Boehm erstmals in einer Einzelausstellung vor. Mit Zeichnungen war der Kölner Künstler bereits im Sommer 2019 an der Themenausstellung erinnern – träumen – zeichnen der Galerie beteiligt.

Peer Boehm verknüpft in Leinwandarbeiten, Aquarellen und Zeichnungen mit Kugelschreiber Erinnerungen mit Bildern von Reisen und urbanen Räumen. Grundlage für seine Motive sind Fotos, die er in Fotoalben vom Flohmarkt oder im Internet findet.

Für die Ausstellung suchte Peer Boehm gezielt nach Fotovorlagen mit Bezug zur einstigen Mauerstadt Berlin. Das titelgebende Bild der Ausstellung ist komponiert aus zwei überlagerten Szenen. Die eine, dunkelblaue Schicht zeigt schemenhaft Autos, die an einem Kontrollpunkt warten, es ist der Checkpoint Charlie. Die andere, rote Bildebene mit menschlichen Silhouetten lässt einen Pulk von Journalisten erkennen, die ihre Kameras auf zwei Männer richten, die sich feierlich begrüßen. Links steht Leonid Breschnew, ihm gegenüber Walter Ulbricht – oder ist es Erich Honecker? Das zu klären, ist der Betrachter gefordert. Auch die Mauer lässt sich nur bei genauem Hinsehen verorten: eine rote Linie verläuft schräg vom linken zum rechten Bildrand, darüber gleitet ein Fluggerät mit Propeller.


Grenzerfahrung, 2020, Aquarell, Tusche, Rost und Acryl auf Leinwand, 70 x 90 cm

Das ebenfalls auf die Farben Blau und Rot konzentrierte Querformat Tauziehen grundiert in Blau der Pariser Platz mit dem angedeuteten Brandenburger Tor, in Rot darüber gelegt sind die Umrisse spielender Kinder, die beim Tauziehen gegeneinander antreten. Der Titel kann auch auf das jahrzehntelange Kräftemessen zwischen dem Ostblock und dem Westen bezogen werden.

Boehm folgt bei der Auswahl der Fotovorlagen seiner Intuition. Aber es gibt wiederkehrende Motive: Die Darstellung von Ereignissen, die im kollektiven Gedächtnis einer Gesellschaft gespeichert sind, interessiert ihn ebenso wie persönliche Erinnerungen an Herkunft, Kindheit und Familie.

Manchmal benennt Boehm die dargestellten Orte, etwa in Berlin-Müllerstraße. Auf dem schmalen Hochformat mit transparent aufgetragener Tusche und Aquarellfarbe spiegeln sich Passanten in den Pfützen des regennassen Trottoirs. Auf Daheim ist am schönsten ist der Berliner Tauentzien mit einem alten Doppeldeckerbus erkennbar und der mittlerweile abgerissenen Fußgängerbrücke, die viele Jahre über diese verkehrsreiche Straße führte.

ART at Berlin - Courtesy of Galerie Poll - Peer Boehm_Daheim-ist-am-schoensten_2020
Daheim  ist am schönsten, 2020, Aquarell, Tusche, Rost und Acryl auf Leinwand, 80 x 100 cm

Charakteristisch für Boehms Bildsprache ist das Prinzip der Aussparung, das die Motive aus Hell-Dunkel-Kontrasten hervortreten lässt. Hierfür reduziert der Künstler seine Bildvorlagen am Computer auf die in seinen Augen wesentlichen Formen. Die Leerstellen eröffnen Felder für individuelle Assoziationen. Für seine Zeichnungen, die er gerne auf Holz aufgezogen präsentiert, nutzt Peer Boehm auch Fundstücke wie Seekarten oder einzelne Seiten aus KontoBüchern als Bildträger. Herkunft und Heimat, Reisen und Ferne sind Themen, die sich durch sein Werk ziehen. Dies wird deutlich durch die immer wiederkehrenden Titel Daheim ist am schönsten und Woanders ist auch schön.

ART at Berlin - Courtesy of Galerie Poll - Peer Boehm_ohne-Titel_2020
ohne Titel, 2020, Aquarell, Tusche, Acryl und Schellack auf Leinwand, 115 x 95 cm

Peer Boehm, 1968 geboren in Köln, studierte von 1990 bis 1994 Kunstgeschichte, Archäologie und Germanistik an der Universität zu Köln. Im Jahr 1997 war er Mitbegründer der Produzentengalerie „Kunstgewinn“ und 1999 der Künstlergruppe „itinerarti” in Köln. 2006 rief er die Künstlergruppe „Die Kunstkreditkarte – Was Schönes für unterwegs“ ins Leben und ist seit 2011 Mitglied des Kunstvereins „68elf e.V.“. Peer Boehm lebt und arbeitet als freischaffender Künstler in Köln.

Katalog zur Ausstellung
Grenzerfahrung – Peer Boehm
Malerei und Zeichnung
mit einem Text von Jochen L. Stöckmann und zahlreichen farbigen Abbildungen
Herausgeber: Galerie Poll, Berlin
Format 21 x 29,7cm, 52 Seiten, Hardcover
POLLeditionen, ISBN 978-3-9822971-0-1
Preis: 20 Euro

Während des Lockdowns kann die Ausstellung nur auf der Website besucht werden. Das Büro der Galerie Poll ist besetzt (erreichbar telefonisch und per Email).

Ausstellungsdaten: Dienstag, 19. Januar bis Samstag, 27. Februar 2021, verlängert bis Samstag, 13. März 2021

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