post-title DODO DIALOGUES | janinebeangallery | 05.09.-31.10.2020

DODO DIALOGUES | janinebeangallery | 05.09.-31.10.2020

DODO DIALOGUES | janinebeangallery | 05.09.-31.10.2020

DODO DIALOGUES | janinebeangallery | 05.09.-31.10.2020

bis 31.10. | #2814ARTatBerlin | janinebeangallery zeigt ab 5. September 2020 die Ausstellung DODO DIALOGUES mit den Künstler*innen Anna Borowy, Dominik Butzmann, Kathrin Günter, Arny Schmit und Martin Stommel. Die Ausstellung ist auch 3D Tour GALLERY VISIT online zu besuchen.

In der kommenden Gruppenausstellung „Dodo Dialogues“ wird janinebeangallery die Werke der fünf Künstler*innen Anna Borowy, Dominik Butzmann, Kathrin Günter, Arny Schmit und Martin Stommel als eine thematische Gegenüberstellung von Mensch und Natur zeigen. Die Gemälde der drei Maler Borowy, Schmit und Stommel haben sowohl Landschaften als auch Tierdarstellungen als Motive, kommen jedoch gänzlich ohne menschliche Gestalten aus. Im Unterschied dazu weisen die Fotografien von Dominik Butzmann als auch die Collagen von Kathrin Günter zwar Menschen als Hauptakteure auf, dennoch sind diese sowohl durch ihre Rollen als Umweltaktivisten oder bei Günter auch durch ihre Umgebung unübersehbar mit Flora und Fauna verbunden.

ART at Berlin - Courtesy of janinebeangallery - Martin Stommel Dodo Dialogues 2020
Martin Stommel, Dodo Dialogues, coal on paper, 80 x 69 cm, 2020

In Arny Schmits Landschaften zeugt schon die Technik sehr stofflich von Störungen. Schmit verwendet als Träger für seine Ölfarben mehrlagige Pappe, die er an bestimmten Stellen aufschneidet und zum Teil mit einer aufliegenden Leuchtstoffröhre versieht. Seine Motive sind durchaus unidyllische Gefilde, chaotische Vegetation und ungezügeltes, bedrohliches Wetter herrschen vor. Erzeugt und unterstützt wird diese Stimmung durch eine dekonstruktive weil abtragende Wischtechnik, die Farbschichten und Formen wiederholt verzerrt und mit vorangegangenen durchkreuzt. Stark kontrastieren außerdem die einigen Werken quer aufmontierten Leuchtstoffröhren, die sich als Inbegriff von Industrie und Zivilisation hier der gemalten Landschaft auflasten.

ART at Berlin - Courtesy of janinebeangallery - Arny Schmit 2020
Arny Schmit, „L‘espace en face“, 110 x 160 x 15 cm,
oil and LED on paper / Öl auf Karton und LED-Röhre, 2020

Martin Stommel räumt ausschließlich Tieren den Vordergrund in seinen Gemälden der Ausstellung ein. Die fließenden Formen der Körper sind dynamisch verwoben mit weiteren Tieren und einem Naturhintergrund. Die Tiere sind dicht in den Bildraum gestaffelt, ihre Konturen gehen teilweise ineinander über, wobei der Maler durch einen reduzierten, konzentrierten Farbauftrag die einzelnen Körper und ihre Bewegungen trotzdem gekonnt hervorhebt und betont. Die Werke „Day 6“ und „Der kleine Garten“ sind an biblische Themen, nämlich Schöpfungsakt und Paradies angelehnt. Anders als bei klassischen Vorbildern ist bei Stommel aber kein Schöpfer selbst in humanoider Gestalt abgebildet. Die Tiere – im Fall von „Der kleine Garten“ nur ausgestorbene – sind allein und selbstgenügsame Pracht der Werke.

ART at Berlin – Courtesy by Galerie Janine Bean - Martin Stommel– Foto Copyright Martin StommelMartin Stommel, „Day 6“, 200 x 270 cm, Öl auf Leinwand, 2019

Auch in den Gemälden Anna Borowys zur Ausstellung stellen Tiere die Protagonisten und kommen ohne Menschen aus. Jedoch weisen Ausdruck und Positur ihrer Wesen erstaunliche und vertraute Ähnlichkeiten zu menschlichen Zügen auf, was die Beseeltheit von Borowys Fauna verdeutlicht. Ihre anmutigen Geschöpfe zeigen sich als von Gefühlen geprägt, ihre Verfassung ist sowohl körperlich als auch empfindend prekär. Dabei hat die Malerin die Tiere nicht als bloße Platzhalter menschlicher Charaktere eingesetzt, sondern als eigenwertige Gegenüber, bzw. als animistische Ergänzungen abgebildet.

ART at Berlin - Courtesy of janinebeangallery - Anna Borowy 2020
Anna Borowy, Little Darling XIII, 40 x 30 cm, Öl auf Leinwand / oil on canvas, 2020

Die Collagen von Kathrin Günter haben sich inhaltlich diverser prominenter Akteure des Umweltschutzes angenommen. Für die „Porträts“ von Personen wie Leonardo Di Caprio, Greta Thunberg oder Jason Momoa hat sich Günter an digitalen Versatzstücken aus deren Instagram Accounts bedient und diese zusammen mit den Bildelementen von Tieren zu einem neuen Gefüge verknüpft. Das Ergebnis sind hybride Avatare aus Mensch und Tier, mit Symbolen und Gestik ihres ökologischen Engagements ausgestattet und vor dem bedrohlichen Hintergrund von Naturgewalten positioniert. Die dargestellten Persönlichkeiten offenbaren hier ambivalent bis ironisch ihre Stärken und Schwächen.
Kathrin Günter reflektiert auch die Wirksamkeit der Selbstdarstellung und des Personenkults als gesellschaftliche Projektion in den sozialen Medien. Speziell dazu hat Günter begleitend ein Buch mit mehreren Tausend abgedruckten Kommentaren aus dem Instagram Account von Greta Thunberg erstellt. Insbesondere diese Reaktionen auf ihre Person zeigen das Janusköpfige und die Abgründe der sozialen Medien: einerseits in ihrer Funktion als sehr potente Verstärker und Vermittler einer Bewegung, andererseits als Sammelbecken für menschliche Niedertracht.

ART at Berlin - Courtesy of janinebeangallery - Kathrin Guenter 2020
Kathrin Günter, „Tomorrow We Strike Back“, 90 x 75 cm, fine art print on aluminium, 2020

Dominik Butzmann stellt in der Ausstellung mit seinen beiden Fotografien die Porträts von zwei herausstehenden Gestalten des Umweltaktivismus gegenüber. Das Bild im Querformat mit dem Titel „How Dare You?“ zeigt die schwedische Aktivistin Greta Thunberg, die den Betrachter hier streng und gemäß des Titels fixiert.
Das zweite Werk bildet den letzten Umweltminister der DDR Michael Succow mit ernstem aber gleichfalls mildem Ausdruck ab und trägt den Titel „How Dare I?“. Neben vielen anderen Engagements für den Naturschutz hat Michael Succow unter anderem in der letzten Sitzung des Ministerrats der DDR für den Beschluss des Nationalpark-Programms gesorgt, dank dem sieben Prozent der Fläche der damaligen DDR unter Naturschutz gestellt wurden. Obwohl die beiden von Dominik Butzmann porträtierten Protagonisten sich kategorisch derselben Sache, dem Umweltschutz verschrieben haben, scheinen sie sich in Haltung und Herangehensweise ihrem Ziel aus konträren Positionen zu nähern. Was die Unterschiede in den Biographien der beiden, in ihren Vorgehensweisen, ihrem Alter, bzw. Generationen, ihren kulturellen Herkünften erkennen lassen, lässt sich subtil in den schwarzweißen Porträts ablesen.

ART at Berlin - Courtesy of janinebeangallery - Dominik Butzmann 2020
Dominik Butzmann, How Dare I, 70 x 100 cm, Fine Art Print auf Aluminium, 2020

Obwohl die Motive der Gemälde der Ausstellung durchaus voll- und eigenständig fungieren, fällt dennoch das Fehlen von Abbildungen von Menschen auf, wenngleich sie die Spuren und Auswirkungen menschlichen Einflusses aufweisen. Die Werke realisieren in Sonderheit die Schönheit und Verletzlichkeit der Natur sowie Empathie mit der Kreatur. Darin ist eine Lösung
vom Anthropozentrismus begriffen, der auch als Ursache für fahrlässigen Umgang mit der Natur verstanden werden kann. Die Fotos und Collagen der Ausstellung schließen sich der Kritik an menschlicher Hybris an, obschon aus anderer Perspektive. Hier sind es zum einen die Porträts von Dominik Butzmann der sehr unterschiedlichen Exponenten des Umweltaktivismus, zum anderen die von tierischen Avataren begleiteten Umweltaktivismus, zum anderen die von tierischen Avataren begleiteten Prominenten in den Collagen von Kathrin Günter, die sich diskret oder per Personenkult dem Schutz der Umwelt widmen. Gerade die Collagen spiegeln aber auch die menschlichen Eitelkeiten und Affekte wider, die dem reinen Altruismus womöglich noch im Weg stehen.
Als Ensemble betonen die Werke der Ausstellung „Dodo Dialogues“ durch die inhärente oder offensichtliche Gegenüberstellung von Mensch und Natur die notwendige Erkenntnis der Symbiose, in der sie sich befinden. Diese Verbindung offenbart sich auch in der Covid-19-Pandemie und der Verletzlichkeit des Menschen in der Natur, weil er ein Teil ihrer ist. Das Verhalten von Natur und Mensch bedingt sie selbstverständlich gegenseitig, zu ihrem Schaden oder Vorteil.

Text: Matthias Bergemann

Vernissage: Freitag, 4. September 2020, 17–21 Uhr, Dr. Eckart von Hirschhausen wird die Ausstellung feierlich eröffnen.

Ausstellungsdaten: Samstag, 5. September – Samstag, 31. Oktober 2020

Öffnungszeiten während des Gallery Weekends: Freitag, 11.09.: 11-20 Uhr | Samstag, 12.09.: 12-20 Uhr | Sonntag, 13.09.: 12-18 Uhr

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Ausstellung DODO DIALOGUES – janinebeangallery | Contemporary Art – Zeitgenössische Kunst in Berlin – Ausstellungen Berlin Galerien – ART at Berlin

 

 

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