bis 06.06. | #5049ARTatBerlin | Contemporary Fine Arts zeigt ab Freitag, 02. Mai 2026 (Vernissage: 01.05.) die Ausstellung Had a Farm des Künstlers Travis MacDonald.
Contemporary Fine Arts präsentiert „Had a Farm“, eine Einzelausstellung von Travis MacDonald, die anlässlich des Gallery Weekend Berlin 2026 eröffnet wird. Die Ausstellung erstreckt sich über das Obergeschoss der Galerie und vereint neue Gemälde, die seine fortlaufende Auseinandersetzung mit der Ästhetik der Gegenkultur fortsetzen. Für den Künstler bedeutet dieser Prozess, dass er seine Recherchen durch gelebte Erfahrungen filtert. Was als Studie beginnt, wird zur Erzählung.
In all diesen Werken bevölkern langhaarige, androgyne Figuren eine Kulisse, die zwischen ländlichem Leben und subkultureller Inszenierung schwebt. Diese Protagonisten, die ihre Wurzeln in der Hippie-Bewegung haben, fungieren zugleich als Alter Egos des Künstlers selbst. MacDonald greift diese Art von Figuren immer wieder auf, um zu untersuchen, wie das Selbstporträt unterschiedliche Rollen einnehmen kann. Das Haar wirkt hier auf mehreren Ebenen. Es weckt Assoziationen von Stil und Verweigerung, ist aber gleichermaßen an die materiellen Anforderungen seiner Methode gebunden. Nasses Öl fließt der Schwerkraft folgend herab und verleiht jedem Körper sowie der ihn umgebenden Atmosphäre Kontur. Das Ergebnis ist eine Verlängerung, die den romantischen Geist des Jugendstils widerspiegelt, mit seiner Affinität zu Eleganz und geisterhafter Sinnlichkeit.
Der Titel „Had a Farm“ leitet die Ausstellung auf witzige Weise ein und verleiht dem Namen der Künstlerin einen fast schon folkloristischen Klang. MacDonald stellt jedoch klar, dass „die Farm nicht wörtlich zu nehmen ist“. Stattdessen wird sie zum Rahmen für die Kultivierung, sei es einer Praxis, einer Ideologie oder sogar der Haare selbst. Die Gemälde entfalten sich in einer imaginären Siedlung, die auf Fotoarchiven experimenteller Kommunen aus den 1970er Jahren basiert, von denen viele auf stillgelegten Bauernhöfen oder in Kleinstädten gegründet wurden. Ausgehend davon entwirft er Szenen, die von Nähe und Reibung geprägt sind, sowie vom Wunsch, auf andere Weise (zusammen)zuleben. Bevor der Pinsel die Leinwand berührt, schreibt MacDonald ein Drehbuch und erstellt ein Storyboard. Die Prämisse ist einfach: Inmitten einer Wohnungskrise ziehen junge, gebildete Menschen in eine ländliche Gegend, wo sie auf konservative Bewohner treffen, deren Familien seit Generationen dort leben. Der Konflikt ist sowohl kultureller als auch politischer Natur. MacDonald nähert sich ihm auf indirekte Weise. Er reduziert ihn nicht auf einen Slogan. Vielmehr wählt er intime Episoden und kleine, aber aufschlussreiche Gesten aus und setzt sie als Kompositionen um, deren natürliche, erdige Farbpalette das Drama auf dem Boden der Tatsachen hält.
Diese Gemälde greifen auf Pier Paolo Pasolinis Essay „Il discorso dei capelli“ aus dem Jahr 1973 zurück, der auf Englisch unter dem Titel „The Hippies’ Speech“ erschienen ist. MacDonald setzt sich mit Pasolinis Verständnis von Erscheinungsbild als politischem Zeichen und mit der Verantwortung auseinander, der eigenen Umgebung Aufmerksamkeit zu schenken. Der Bezug erscheint aktuell. Ohne dass die Werke direkte Aussagen treffen, deutet er eine stille Parallele zwischen früheren Ausdrucksformen der Nonkonformität und dem gegenwärtigen Aufkommen autoritären Denkens an. Achtsamkeit ist in diesem Zusammenhang keine Sanftheit. Sie ist eine Ethik der Wachsamkeit.
Was sich in „Had a Farm“ abzeichnet, ist eine Welt mit eigener Logik. MacDonald hat diese Sprache im Laufe der Zeit entwickelt und nutzt sie als Mittel zum Erzählen und zur Beobachtung. Hier wird sie prägnanter und entschlossener. Die Ausstellung lädt die Betrachter in einen spannungsgeladenen sozialen Raum ein, in dem Identifikation offen bleibt und Zugehörigkeit vorläufig ist. Es ist ein Ort der Anziehungskraft und des Unbehagens. Der Sog einer Gruppe ist spürbar, ebenso wie die Anspannung, die jede Abweichung von der Norm überschattet. Diese Gemälde bieten keine Flucht. Sie fragen, wie Nähe unter Druck bestehen kann und ob sich dennoch etwas Größeres als das Selbst schmieden lässt.
Vernissage: Freitag, 01. Mai 2026, 18 – 21 Uhr
Ausstellungsdaten: Samstag, 02. Mai bis Samstag, 06. Juni 2026
Bildunterschrift Titel: Travis MacDonald, “Suspicious Minds”, 2026, Oil on canvas, 190 x 110 cm, TMC/M 54/00 | Courtesy: the artist and Contemporary Fine Arts, Berlin/Basel
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