post-title Afifa Aleiby | Rivers Converging | Kristin Hjellegjerde Gallery Berlin | 10.06.-23.07.2022

Afifa Aleiby | Rivers Converging | Kristin Hjellegjerde Gallery Berlin | 10.06.-23.07.2022

Afifa Aleiby | Rivers Converging | Kristin Hjellegjerde Gallery Berlin | 10.06.-23.07.2022

Afifa Aleiby | Rivers Converging | Kristin Hjellegjerde Gallery Berlin | 10.06.-23.07.2022

bis 23.07. | #3481ARTatBerlin | Kristin Hjellegjerde Gallery Berlin präsentiert ab 10. Juni 2022 (Vernissage: 09.06.) die Ausstellung Rivers Converging der Künstlerin Afifa Aleiby.

Eine Frau steht zwischen dem Schilf eines Flusses und drückt ihr Kind an die Brust. Wir sehen sie, wie sie über ihre Schulter blickt, kurz bevor sie das Kind in einen Korb legt und flussabwärts schiebt. Der Vollmond hängt hinter niedrigem Nebel und wirft ein seltsames Halblicht auf die Szene, die sowohl geheimnisvoll als auch traumhaft wirkt. Sehen wir die gemalte Erinnerung an eine reale Flucht? Oder eine imaginäre? „Rivers Converging“, die zweite Einzelausstellung von Afifa Aleiby in der Kristin Hjellegjerde Galerie, präsentiert eine besondere Sammlung von Gemälden, die sich mit den Begriffen Ort und Zeitlichkeit auseinandersetzen. Unter Einbeziehung persönlicher Erinnerungen, kollektiver Geschichten, sozialer und politischer Regime-Erfahrungen, künstlerischer Bewegungen und kultureller Identitäten schafft Aleiby fesselnde Kompositionen, die tiefere Fragen darüber aufwerfen, wie wir subjektive Erfahrungen dar- und emotionale Verbindungen herstellen.

Die 1952 im Irak geborene Künstlerin zog in jungen Jahren nach Russland (damals Sowjetunion), um Monumentalkunst zu studieren. Nach Abschluss ihres Studiums konnte sie aufgrund politischer Konflikte nicht in ihre Heimat zurückkehren und lebte zunächst in Italien und dann im Jemen, bevor sie sich schließlich in den Niederlanden niederließ, wo sie noch immer lebt. An jedem dieser Orte fühlte sie sich besonders zu den Flüssen hingezogen, als Symbol des Fließens und der Erneuerung, aber auch als Ort der Vertrautheit. Das Wasser bleibt ständig in Bewegung, verändert sich und bringt etwas Neues hervor. „Für mich wurde es zu einem Symbol des kulturellen Austauschs“, sagt sie.

ART at Berlin - courtesy of Kristin Hjellegjerde Gallery - Afifa Aleiby - Serenity
Afifa Aleiby, Serenity, 2022, oil on canvas, 95x85cm, 37 3/8 x 33 1/2 in

Zwar stellen nicht alle Werke der Ausstellung ein Gewässer dar, doch berühren sie ähnliche Themen und rufen das gleiche komplexe, nahezu unheimliche Gefühl von eingefrorener Zeit hervor. Auf dem Gemälde „Florence“ zum Beispiel steht eine skulpturale weibliche Figur vor dem Fluss Arno und der Ponte Vecchio. Mit der einen Hand umklammert sie die Stängel blühender Blumen, mit der anderen berührt sie den Rand ihres Anhängers. Ihr Haar ist mit einem Band zurückgebunden, ihr rosafarbenes Kleid ist von einer Schulter gerutscht, ihre Wangen sind leicht gerötet. Die warmen, goldenen Töne suggerieren ein sanftes Licht, vielleicht einen frühen Sonnenuntergang, während stilisierte grüne Hügel die Sinnlichkeit der Szene noch verstärken. Die Brücke selbst steht als Markierung des Ortes; in den Worten der Künstlerin ist sie „ein Symbol der Stadt und ein Zeugin ihrer Schönheit und Erhabenheit“, aber sie ist auch eine Anspielung auf ein ewigeres Zeitgefühl, auf ähnliche Szenen der Romantik, die sich in der Geschichte wiederholen. In diesem Moment jedoch deutet der Blick der Figur auf einen eher angespannten emotionalen Zustand hin. Auch wenn jeder von uns die Szene durch den Filter seiner eigenen Erfahrungen anders interpretieren mag, können wir uns auf einer universelleren Ebene mit dem Gefühl der Loslösung identifizieren, mit dem Gefühl, in einem Moment zu leben und gleichzeitig sein Vergehen als Verlust zu empfinden.

Die Gemälde strahlen durchweg ein starkes Gefühl der Stille aus, welches fast eine eigene physische Präsenz und ein eigenes Gewicht zu haben scheint. Sie zieht die Betrachter*innen an die Oberfläche und lädt sie ein, in einen tieferen Zustand der Kontemplation einzutreten, ohne Ablenkung durch Lärm oder Chaos. „Ich versuche, etwas Schönes zu schaffen, mit dem sich die Menschen auf ihre eigene Weise identifizieren können. Ich denke, es ist sehr wichtig, dass wir Zeit für uns selbst finden“, sagt Aleiby. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Betrachten immer einfach ist. Die dunkleren Töne und feindlichen Umgebungen von Gemälden wie „Fallen Angel“ und „The Silence of the Mountains“ wecken ein unbehagliches Gefühl der Vorahnung. Im ersten Bild liegt ein Engel auf dem Rücken auf einer felsigen Oberfläche, doch während die Schlaffheit seiner Gliedmaßen das Verblassen des Lebens andeutet, vermittelt das schimmernde Weiß seines Kleides, das scheinbar von einer Lichtquelle erhellt wird, wenn nicht ein Gefühl der Hoffnung, so doch einen Hauch von Würde, als ob die Figur bereits dabei wäre, ein Denkmal zu bekommen. In ähnlicher Weise dient die schmale Öffnung zwischen den zerklüfteten Felsen in „The Silence of the Mountains“ als Durchgang zu einem anderen Ort, an dem wir Andeutungen eines rosafarbenen und goldenen Himmels sehen können.

Obwohl Aleiby’s Werk zu einer intimen, emotionalen Auseinandersetzung einlädt, geht es nie um eine isolierte Erfahrung. Vielmehr lenken ihre komplexen Charaktere und stimmungsvollen Landschaften den Blick auf unsere gemeinsame Menschlichkeit, die nicht nur Zeit, Ort und kulturelle Grenzen überschreitet, sondern auch durch den gegenwärtigen Moment ständig kompliziert und erneuert wird.

Vernissage: Donnerstag, 9. Juni 2022, 18:30 Uhr

Ausstellungsdaten: Freitag, 10. Juni – Samstag, 23. Juli 2022

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Ausstellung Afifa Aleiby  – Kristin Hjellegjerde Berlin | Zeitgenössische Kunst in Berlin | Contemporary Art | Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin

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