post-title From Almora to Amrum | EFREMIDIS GALLERY | 06.03.-03.04.2021

From Almora to Amrum | EFREMIDIS GALLERY | 06.03.-03.04.2021

From Almora to Amrum | EFREMIDIS GALLERY | 06.03.-03.04.2021

From Almora to Amrum | EFREMIDIS GALLERY | 06.03.-03.04.2021

bis 03.04. | #2986ARTatBerlin | EFREMIDIS GALLERY präsentiert derzeit die Ausstellung From Almora to Amrum mit Arbeiten von 16 Künstler*innen und zeigt parallel dazu Mitchell Anderson im [erp].

From Almora to Amrum zeigt Arbeiten von Mitchell Anderson, Kamilla Bischof, Martin Disler, Hannah-Sophie Dunkelberg, Michaela Eichwald, Heike-Karin Föll, Nuria Fuster, Nikolas Gambaroff, Nico Ihlein, Shirley Jaffe, Tony Just, Arthur Laidlaw, Sophie Reinhold, Aura Rosenberg, Alexander Wolff und HP Zimmer.

From Almora to Amrum ist eine Reise, die nie stattgefunden hat: eine unsichtbare und unmögliche Linie zwischen zwei Malereien: Alice Rahons Almora (1943) ist eine Darstellung einer Stadt im Himalaja und Amrum (1970) ist HP Zimmers Luftbild der Nordseeinsel, von einem Leuchtturm aus gesehen.

Rahon reiste 1937 nach Indien, wo sie sich von Darstellungen der Devi inspirieren ließ. Obwohl sich ihre Arbeit oft um Weiblichkeit dreht, wich sie einer einfachen Kategorisierung aus. Als sie gefragt wurde, welcher Kunstschule sie angehört, antwortete sie: „Ich glaube, ich bin eine Höhlenmalerin.“ In den ersten Zeilen eines ihrer Gedichte drückt sie ihre Frustration mit Einengung und Beschränkung aus: „I file the bars of my invisible prison / I sigh like horses sigh.” („Ich feile an den Gittern meines unsichtbaren Gefängnisses / ich seufze wie Pferde seufzen“). Wie bei vielen Arbeiten von Rahon stellt dieses Gedicht die Legitimität von Kategorisierungen sowie die Spannung zwischen Gefangenschaft und Selbstbestimmung in Frage. Ähnlich wie die Gitterstäbe eines unsichtbaren Gefängnisses zeigt Zimmers Darstellung von Amrum auch Klaustrophobie und Gefangenschaft. Die Häuser liegen zu nahe beieinander und das „gefährliche, geölte“ Wattenmeer – das Wasser steht hier so hoch am Horizont, als drohe es überzulaufen – ist mit geisterhaften Radierungen überlagert; ein Experiment der Liminalität.

Verschiedene Perspektiven einnehmend träumt From Almora to Amrum von unmöglichen Reisen – Reisen, die uns mehr an Eingrenzung als an Freiheit erinnern; sei es die Reise zu einem bedrohlichen, gefährlichen Meer oder die Sehnsucht nach Heimat, wie in Martin Dislers Darstellung eines Odysseus, der, an Ithaka denkend, zu verschwinden scheint. Sophie Reinholds Untitled besteht aus Marmorpulver, das, wenn auch pulverisiert, an antike griechische Skulpturen erinnert. Eine weitere verzögerte Heimkehr.

ART at Berlin - Courtesy of EFREMIDIS GALLERY - Kamilla Bischof
Kamilla Bischoff, Memory Foam, 2020, Courtesy of the artist and SANDY BROWN, Berlin

Ich feile an den Gitterstäben meines unsichtbaren Gefängnisses
Ich seufze wie Pferde seufzen
– Alice Rahon

Wie fühlt es sich an, „wie Pferde zu seufzen“? Die zweite Zeile aus Rahons Gedicht geht vom Tier aus, es kehrt den Anthropomorphismus um: Der Seufzer eines Pferdes bewegt uns zwischen menschlicher und nichtmenschlicher Welt. Es ist ein Bild, das sowohl von organischen als auch anorganischen Medien gebildet wird. Diese Form von Anthropomorphismus tritt erneut in Aura Rosenbergs Collagen auf, in denen, auf verschiedenen Pergamentebenen, Mädchen und Stier aufeinander und sich in den Armen liegen. Die Stierkreatur erinnert an das Labyrinth des Minotaurus und wirft zusätzliche Fragen der Beschränkung und Selbstbestimmung auf. Darüber hinaus bringen Rosenbergs Bilder ein weiteres Thema ein, nämlich die Bedeutung von Schichten und Texturen, die in der gesamten Ausstellung unter anderem als Wachs, Graphit und Gold auftreten.

From Almora to Amrum sinniert darüber, wo die Grenzen von Lesbarkeit, Verstehbarkeit und Identität liegen und zwar mit einer formalen Verspieltheit, die an Rahon, die „Höhlenmalerin“, erinnert: Nikolas Gambaroffs schwere, enkaustische Linien; Nuria Fusters tiefe Prussian Blue Kompositionen; Hannah Sophie Dunkelbergs glänzende, sich hervorwölbende Esstisch-Fantasien; Nico Ihleins fast körperliche Skulptur; die spirituellen, in verschiedenen Goldtönen erscheinenden Allegorien von Tony Just; Heike-Karin Fölls dicht geschichtetes Ölgemälde; eine Disney-Rose, die von Mitchell Anderson leicht mit Enkaustikwachs umrandet wurde; Shirley Jaffes malerische, dezentrierte Arbeiten als Experimente mit Form und Energie; Arthur Laidlaws leicht verborgene Backgammonspielerin und schlendernde Badegäste; Alexander Wolffs überlagerte chinesische Schriftzeichen; Kamilla Bischofs tretendes Pferd; Michaela Eichwalds halbgeformtes, als Feeling betiteltes Gesicht; HP Zimmers Porträt einer Frau in einem scheinbaren Käfig.

Jede der Arbeiten in From Almora to Amrum untersucht die Auflösung von Paradigmen – Mensch / Tier, Heimat / Reise, figurativ / materiell, Beschränkung / Freiheit – um an ihrer Stelle Platz für Rhythmus zu schaffen.

ART at Berlin - Courtesy of EFREMIDIS GALLERY - Mitchell-Anderson
Mitchell Anderson, Join (the resistance (NYCAntifa, c.2019)), 2020, Neon, glass, 54 x 130 cm

Zeitgleich im [erp]:

Mitchell Anderson (*1985, Chicago, USA) zeigt zwei Arbeiten: Las Hilanderas (James D. Brady Briefing Room, White House, USA February 25, 2020) und Join (the resistance (NYCAntifa, c.2019)). Las Hilanderas ist ein Screengrab der Website der New York Times, der die Momente unmittelbar vor einer Pressekonferenz des Präsidenten der Vereinigten Staaten zeigt. Das Video fängt die Erwartungshaltung der Konferenzteilnehmer*innen ein; das Filmmaterial endet jedoch, bevor der US-Präsident spricht, die Szene bleibt somit unaufgelöst. Der Künstler lädt uns ein, „Zeugen der Zeugen“, also der Journalisten und der Presse, bei einem möglicherweise bedeutenden historischen Moment zu sein. Dieses sich wiederholen-de Video lässt an eine Vorhölle denken, in dem weder gute noch schlechte Nachrichten jemals eintreffen werden. Der Titel bezieht sich auf das gleichnamige Gemälde von Velazquez, das zwei Weber bei der Arbeit zeigt: ein ähnliches Bezeugen von Schöpfung.

Die zweite Arbeit, Join (the resistance (NYCAntifa, c.2019)), 2020, ist Teil einer Serie, in der Anderson verschiedenen Plakaten das Word „join“ entnimmt, um es in seiner jeweils ursprünglichen Schriftart als Neonlicht zu reproduzieren. Die vom Künstler als Quellenmaterial ausgewählten Plakate sind ideologisch motiviert (frühere Beispiele sind die Aufschriften und Typographien einer politischen Karikatur von Benjamin Franklin mit der Überschrift „Join, or Die.“ und eines Rekrutierungsplakat der Navy aus dem Zweiten Weltkrieg). Mit ihrem strahlenden Neonlicht erinnert die Arbeit an öffentliche Räume und Bekanntmachungen und wirft Fragen nach der Verbreitung politischer Überzeugungen und der Beziehung zwischen Ideologie und Symbolen auf. In Kombination beziehen sich die beiden Arbeiten auf die Zeichensprache von Massenmedien, Werbung und Politik. Was Anderson aus diesen Quellen generiert, sind Zeichen ohne ursprünglichen Kontext, Pressekonferenzen ohne Neuigkeiten, Übungen in verschobener Bedeutung.

Ehrgeiz ist eine interessante Kraft. Sie wird im Abstrakten belohnt und romantisiert und im bezeugten Vollzug bestraft

– Mitchell Anderson

Mitchell Anderson lebt und arbeitet in Zürich, wo er den Ausstellungsraum Plymouth Rock organisiert. Anderson hatte institutionelle Ausstellungen in der Kunsthalle Zürich (2020); Fondazione Converso, Milan (2019); MAMCO, Geneva (2018); und Fri-Art Kunsthalle Fribourg (2017); 2021 wird er in der Kunsthalle Bern ausstellen. Er ist für den Prix Mobilière 2021 nominiert.

Ausstellungsdaten: Samstag 6. März – Samstag, 3. April 2021

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