post-title Enrico Freitag (Galerie) | Tommy Neuwirth (Salon) | EIGENHEIM Berlin | 11.02.–18.03.2022

Enrico Freitag (Galerie) | Tommy Neuwirth (Salon) | EIGENHEIM Berlin | 11.02.–18.03.2022

Enrico Freitag (Galerie) | Tommy Neuwirth (Salon) | EIGENHEIM Berlin | 11.02.–18.03.2022

Enrico Freitag (Galerie) | Tommy Neuwirth (Salon) | EIGENHEIM Berlin | 11.02.–18.03.2022

bis 18.03. | #3319ARTatBerlin | EIGENHEIM Berlin zeigt ab 11. Februar 2022 die Ausstellung IMG_ mit Malerei des Künstlers Enrico Freitag in der Galerie. Parallel dazu werden unter dem Titel „ORTE WO real SIND“ Arbeiten des Künstlers Tommy Neuwirth im Salon der Galerie gezeigt.

IMG_ Malerei von Enrico Freitag

Enrico Freitags Bildwelten entführen uns in die zeitgleichen Wirklichkeiten innerer Zustände und globaler Ereignisse – in sich gekehrte, schweigsame, Porträts wechseln sich ab mit Bildern der Nachrichten und Medienwelt wie Vulkanausbrüchen, Explosionen oder Waldbränden. Gerade in Zeiten der Pandemie wurden die inneren und äußeren Konditionen, das Verständnis von der Koexistenz von Individuum und Welt, von neuen digitalen Vorstellungsräumen und Wahrheiten geprägt und irritiert. Wir sitzen zu Hause, betrachten die globalen Geschehnisse durch die endlosen Newsfeeds digitaler Medienlandschaften und entwickeln so ein von der Realität abgekoppeltes, abstraktes Bild der Wirklichkeit. Davon wird auch das Wesen des einzelnen Menschen verunsichert.

Enrico Freitag entwickelt universelle Bilder für diese verunsicherten inneren Zustände und die Verabstrahierung der Wirklichkeit. Die farbgewaltigen expressiven Bilder sind dicht an Farbmasse, changieren zwischen Abstraktion und Figuration und werden zu autosuggestiven sich im mentalen Raum weiterentwickelnden Motiven und Repräsentationen. Die Explosion und der Vulkanausbruch werden zu Metaphern für die Wucht und Unveränderbarkeit globaler Geschehnisse und bilden so einen Makrokosmos ab, das Stillleben des Blumenstraußes ist in diesem Fall nicht nur Zeichen der Vergänglichkeit, sondern auch Abbild des Mikrokosmos der eigenen vier Wände. Die malerische Nähe beider Motive, in Bezug auf Komposition, Abstraktion und Gestus zeigt wiederum die untrennbare Zusammengehörigkeit dieser beiden Sichtweisen auf die Welt – MikroMakro IchWelt. Der Maler schafft es auf diese Weise den aktuellen Zustand der Zerrissenheit des Einzelnen und der Gesellschaft zu thematisieren – und das universell ohne platt oder attitüdenhaft Stellung zu einzelnen Geschehnissen zu nehmen.

ART at Berlin - Courtesy of Galerie Eigenheim - Enrico Freitag - 2022
Enrico Freitag, FIG 221, 2022, Öl auf Leinwand, 27 x 24 cm

Betrachtet man das Werk Freitags so sind dies, ausgehend von seiner Freude an motivischer und inhaltlicher Weiterentwicklung und seiner darin liegenden dauer währenden künstlerischen Forschung, unabhängig von der Vielseitigkeit seiner Motive und malerischen Ausdrucksweisen, eine völlig nachvollziehbare Entwicklung. Jahrelang hat sich Freitag weltlichen Themen wie Arbeit, Produktion oder Umweltzerstörung angenommen, und parallel dazu den Blick auf innere Befindlichkeiten menschlicher Existenz gelenkt. Nun bringt er in einem Moment, in dem die Menschen seit zwei Jahren intensiv mit sich selbst beschäftigt sind und die Welt sich beginnt einem Trugbild ähnlich zu verzerren, beide dieser inhaltlichen Auseinandersetzungen zusammen.

Der Titel der Ausstellung IMG_ nimmt dabei Bezug auf unsere digitale Lebensweise. Als Dateikürzel ist IMG_ Bestandteil fast jeden digitalen Bildes als Abkürzung von „Image also Bild“. Image wiederum ist ein verwandter Begriff von Imagination. Als Substantive besteht der Unterschied zwischen Imagination und Image darin, dass Imagination die bildgebende Kraft des Geistes ist; der Akt der idealen Erschaffung oder Reproduktion eines zuvor nicht wahrgenommenen Objekts; die Fähigkeit, solche Bilder zu schaffen, während Image eine optische oder andere Darstellung eines realen Objekts ist; eine Grafik; ein Bild. Als Verb wiederum bedeutet Image etwas symbolisch darzustellen. Wir sind also genau da angekommen, wo uns der Künstler Enrico Freitag haben möchte: Symbolische Bilder, in denen zwischen Vorstellung und Wirklichkeit kaum mehr unterschieden werden kann und mit malerischen Mitteln kaum darstellbare psychische Zustände vermittelt werden können.

Enrico Freitag wurde 1981 in Arnstadt geboren. Von 2002 bis 2007 studierte er Freie Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar. Er gewann Preise und Stipendien, wie das Arbeitsstipendium für Bildende Kunst des Freistaats Thüringen. Seine Arbeiten sind in öffentlichen und privaten Sammlungen im In- und Ausland vertreten. Enrico Freitag lebt und arbeitet in Weimar und hat seit 2020 sein Atelier im Städtischen Atelierhaus in Weimar.

ORTE WO real SIND von Tommy Neuwirth

ORTE WO real SIND – Politisches und gesellschaftliches Handeln und Streiten, das faire Austragen von Meinungsverschiedenheiten ist nur möglich auf der Basis einer gemeinsamen Realität. Zunehmend ist das Aufspalten einer geteilten Realität zu beobachten. Sogenannte alternative Realitäten treten hervor. In Zeiten von Corona haben es zum Beispiel im Internet kursierende Realitäten durch die „Querdenkerbewegung“ auch auf die Straße geschafft. Mit Hilfe von Fake News wird bewusst an einer gemeinsamen Realität gerüttelt. Bereits vorhandene Unsicherheiten – der Klimawandel und seine unabsehbaren Folgen, das Erodieren von sozialen und monetären Gewissheiten usw. – werden dadurch verstärkt. Alternative Realitäten, Verschwörungstheorien und einfache Welterklärungen gewinnen an Zulauf und geben vermeintlich Halt in einer haltlosen Welt.

Die Supermarktkette real bringt sich mit vier Buchstaben auf den Punkt. Das Wort real schmückt, oft in großen Leuchtbuchstaben, die Supermarktgebäude. Sie sind bereits von Weitem zu erkennen. Klar und deutlich zeigt sich, was und wo real ist. Für Tommy Neuwirth sind die großen Leuchtbuchstaben eine Setzung. Er blendet den Supermarkt aus und sieht nur noch das Wort in der Umgebung – real. Er besucht die ORTE WO real SIND. Er macht es nur für sich. Es gibt ihm Halt.

ART at Berlin - Courtesy of Galerie Eigenheim - Tommy Neuwirth - ORTE WO real sind - 2022
Tommy Neuwirth, ORTE WO real sind, EIGENHEIM Berlin Salon, 2022

Die real-Supermärkte werden auf Grund von Zerschlagung immer weniger. Von ursprünglich 279 Märkten werden 60 unter dem Namen real bestehen bleiben (Stand 21.01.2022). Die optische Setzung von was und wo real ist und damit sichere Anker in einer unischeren Gegenwart werden weniger.

Tommy Neuwirth bespielt als Das Weltweite Netzwerk für ein bedingungsloses Grundeinkommen unzählige Theater und Bühnen von Fusion Festival bis Szene Zeigen, von Volksbühne bis Computer Chaos Club und beschäftigt sich in seinen Videos, Musikstücken und Performances einfühlsam und hintergründig mit politischen Fragen rund um Patriotismus und Populismus, Sozialdemokratie und Revolution. Dabei bewegt er sich auf bizarren Wegen zwischen Avantgarde und Popkultur, entlarvt den Istzustand der Gesellschaft und bringt sensibel und subtil feinste Irritationen dieser an die Oberfläche der Republik.

Seit vielen Jahren arbeiten Tommy Neuwirth und EIGENHEIM Weimar/Berlin in einer Vielzahl von kuratorischen Projekten zusammen. Nun freuen wir uns, den Absolvent der Bauhaus-Universität Weimar, das erste al in einer Einzelausstellung zeigen zu können. Die Eröffnung am 11.02.2022 um 19 Uhr im EIGENHEIM Berlin Salon wird begleitet von einer musikalischen Performance.

Vernissage für beide Ausstellungen: Freitag, 11. Februar 2022, ab 19:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Freitag, 11. Februar bis Freitag, 18. März 2021

Zur Galerie

 

 

Ausstellung Enrico Freitag + Tommy Neuwirth – EIGENHEIM Berlin | Zeitgenössische Kunst in Berlin | Contemporary Art | Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin

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