„Der Feminismus ist wie die Spur des Schiffs in den Wellen. Immer wieder schließen die Wellen sich hinter ihm, als sei nichts gewesen.“ Mit diesem Satz gab die Künstlerin, Autorin, Kunsthistorikerin und Feministin Gisela Breitling 1980 einem ihrer wichtigsten Bücher den Titel. In Die Spuren des Schiffs in den Wellen ging sie der Frage nach, weshalb Künstlerinnen über Jahrhunderte aus der Kunstgeschichte verschwanden. Nicht, weil ihre Werke fehlten. Ihre Geschichten wurden schlicht nicht weitererzählt. Mehr als vier Jahrzehnte später hat dieser Gedanke nichts von seiner Aktualität verloren. Künstlerinnen wie Lotte Laserstein, Jeanne Mammen oder Louise Stomps gehören heute wieder selbstverständlich zur Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts. Dass ihre Werke erneut ausgestellt, erforscht und gesammelt werden, verdankt sich auch der beharrlichen Arbeit von Frauen wie Gisela Breitling. In Deutschland zählte Gisela Breitling zu den frühen Wegbereiterinnen und Akteurinnen der beginnenden feministischen Kunstdebatte in Deutschland. Umso bemerkenswerter ist es, dass ihr eigenes malerisches Werk heute weit weniger bekannt ist als das vieler Künstlerinnen, für deren Sichtbarkeit sie selbst mitgekämpft hat.
Geboren wurde Gisela Breitling am 27. Mai 1939 in Berlin. Kriegsbedingt verbrachte sie ihre Kindheit und Jugend am Bodensee, bevor sie nach ersten gestalterischen Ausbildungsstationen und einem Studium des Textildesigns Anfang der 1960er Jahre an die Hochschule der bildenden Künste in West-Berlin wechselte. Studienreisen nach Rom und Florenz eröffneten ihr früh die Welt der italienischen Renaissance. Diese Erfahrung sollte sie nie loslassen.
Während ihres Studiums als Meisterschülerin des Grafikers Friedrich Stabenau entstanden zunächst Zeichnungen, Radierungen und kleinformatige Gemälde, die dem Phantastischen Realismus nahestanden. Den entscheidenden künstlerischen Wendepunkt markierte 1977/78 ein Stipendium an der …
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Abb. oben: Gisela Breitling beim Bemalen der St. Matthäus Kirche in Berlin, Foto: Dr. Satzinger, by courtesy of Galerie Creative Game
