post-title Mia Florentine Weiss | MEMENTO MORI | Galerie Friedmann-Hahn | 30.03.-06.05.2017

Mia Florentine Weiss | MEMENTO MORI | Galerie Friedmann-Hahn | 30.03.-06.05.2017

Mia Florentine Weiss | MEMENTO MORI | Galerie Friedmann-Hahn | 30.03.-06.05.2017

Mia Florentine Weiss | MEMENTO MORI | Galerie Friedmann-Hahn | 30.03.-06.05.2017

bis 07.05. | #1285ARTatBerlin | Galerie Friedmann-Hahn präsentiert seit dem 30. März 2017 die Ausstellung „MEMENTO MORI“ der Künstlerin Mia Florentine Weiss.

DAS FAUSTISCHE IN UNS
Mia Florentine Weiss – MEMENTO MORI
Berlin, 13. März 2017 – Liebe und Hass, Schönheit und Schrecken, Leben und Tod, Schutz und Schutzlosigkeit: Der Zusammenfall der Gegensätze, die Coincidentia Oppositorum, ist ein Leitmotiv im Schaffen von Mia Florentine Weiss. Nach viel beachteten Ausstellungen und Performances unter anderem im Frankfurter Senckenberg Museum, im Palazzo Albrizzi in Venedig oder auf der CONTEXT Art Miami präsentiert die Berliner GALERIE FRIEDMANN-HAHN ab dem 30. März 2017 unter dem Titel MEMENTO MORI einen umfassenden Einblick in das vielgestaltige Œuvre der Performance- und Konzeptkünstlerin, darunter wandfüllende (Multimedia-)Werke, Lichtinstallationen, Assemblagen und mehr.

Was passiert, wenn der Mensch die Welt durch sein Handeln so sehr bestimmt, dass er sie fundamental und irreversibel verändert? Wenn nicht mehr der Mensch sich gegen die Naturgewalten behaupten muss, sondern wir vielmehr durch unser Tun determinieren, was Natur ist und künftig sein wird? Nach Auffassung des Atmosphärenforschers Paul Crutzen leben wir nicht mehr im Holozän, sondern im Anthropozän, einem – geologisch bereits nachweisbaren – Menschenzeitalter, in dem wir unsere Lebensgrundlagen und uns selbst zerstören.

Eine Welt, in der der Mensch nicht mehr existiert
Nicht nur ihre Performance „Anthropocene“ im Frankfurter Senckenberg Museum, bei der die Künstlerin über eine „digitaleNabelschnur“ mit dem Publikum kommunizierte, knüpft daran an: Mia Florentine Weiss zeigt in ihrer neuen Ausstellung MEMENTO MORI in Berlin Arbeiten, die sich mit einer Welt beschäftigen, in der der Mensch existenzielle Bedrohungen erfährt. So befasste sich Weiss 2014, gemeinsam mit der Organisation Pro Asyl, mit Emigration und Flucht.
Mit einer lebensgroßen Dermoplastik eines geflügelten Pferdes, dem mythologischen Pegasus entlehnt, bereiste sie die Grenzen Europas. Entstanden ist daraus die Serie „Edges of Europe“.

Die Flügel des Pegasus, mit „objets trouvés“ der verschiedenen Orte und Landschaften bestückt, versinnbildlichen dabei zwei Pole: Frieden, Schutz und Hoffnung auf der einen Seite, Krieg, Schutzlosigkeit und Untergang auf der anderen. Die Parallelität von Gegensätzen, die gemeinsam ein Ganzes ergeben, zeigt sich auch in dem von Weiss entwickelten Ambigramm „Love“, das in umgekehrter Leserichtung oder im Spiegelbild zu „Hate“ wird und so auf das „Faustische“ in
uns verweist: die Abgründe, die uns in konträre Handlungen und Emotionen treiben. Aggression und Ästhetik sind daher keine Widersprüche im Œuvre der in Berlin, Frankfurt am Main und Los Angeles arbeitenden Künstlerin. Galerist Alexander Friedmann-Hahn: „Die Arbeiten von Mia Florentine Weiss beeindrucken durch ihre Intensität und Abgründigkeit. Sie strahlen einen suggestiven ästhetischen Reiz aus und haben bisweilen etwas beinahe Malerisches.“

Der Körper als Medium und Bildträger
Sehr häufig steht Weiss selbst – ihr eigener Körper – im Mittelpunkt ihres Schaffens: als Bildträger, als Teil einer Performance, dann wieder als Medium für eine künstlerische Idee oder ein Gefühl. „Eine Emotion, die ich darstellen will, muss ich selber durchleben“, sagt Weiss. Und scheut sich dabei nicht vor auto-aggressiven Aktionen wie etwa Branding und die Entnahme ihres Blutes. Die Künstlerin wurde während ihrer Guerilla-Performances in Moskau oder Basel abgeführt, bestieg für ihre „Art Angel“-Performance den Hollywood-Schriftzug in Los Angeles und ließ sich für 24 Stunden in eine Isolationszelle in einem stillgelegten Gefängnis einschließen.

Was wir sind, werdet ihr sein
Immer wieder lotet Mia Florentine Weiss das Wissen um die Sterblichkeit aus. Exemplarisch für ein „Memento mori“, ein „Gedenke des Todes“, stehen in der Ausstellung auch Exponate mit Insektenpräparaten oder eigenen Röntgenaufnahmen. Und ihr Appell „What we are you will be / What you are we were“, mit dem sie ein Selbstbildnis aus einer Performance in der Sektion für klinisch funktionelle Anatomie Innsbruck überschreibt, scheint direkt aus dem Jenseits zu kommen – gleich der Inschrift in der Kirche Santa Maria della Concezione in Rom, deren Krypta mit menschlichen Knochen und Schädeln künstlerisch ausgestaltet wurde: Noi eravamo quello che voi siete, e quello che noi siamo voi sarete.

HINTERGRUND
Memento mori
„Memento mori“ bedeutet „gedenke des Todes“ und erlebt als Topos der Kunstgeschichte insbesondere im Barock eine wahre Bilderflut: Stillleben und Interieurs mit Vanitassymbolen – also Sinnbildern für die Nichtigkeit und Vergänglichkeit der Dinge und allen Strebens – bestimmen im ausgehenden 16. und im 17. Jahrhundert einen großen Teil der künstlerischen Produktion. Zugleich hat das Barock eine eindrückliche Vorstellung von der Schönheit des irdischen Seins vermittelt: Üppige, wunderschön aussehende und handwerklich perfekt ausgestaltete Früchte-, Jagd- oder Blumenstillleben huldigen beinahe lustvoll dem Niedergang, indem sie mit klassischen Vanitassymbolen wie der Fliege, der verwelkten Blume, mitTotenschädel und Stundenuhr oder dem erlegten Tier und der erloschenen Kerze zum „Memento mori“ werden.

Über Mia Florentine Weiss
Mia Florentine Weiss wird 1980 in Würzburg geboren, geht nach dem Abitur erstmals auf Weltreise und legt damit den autobiografischen Grundstein für ihre künstlerische Laufbahn: die Auseinandersetzung mit individuellen Schutzräumen und deren Antithese. Die Frage „What Is Your Place Of Protection“ markiert die erste Dekade im Œuvre von Weiss. Weit mehr als zehn Jahre dauert die Suche nach Antworten in verschiedenen sozialen, religiösen und kulturellen Milieus. Das Ergebnis fasst sie in einer multimedialen Installation mit 55 Videoarbeiten unter dem Namen „Art Protector“ zusammen.

Während eines Aufenthalts in Hong Kong 2007 entsteht „The Metra Concept“, ein LED-Tunnel, der auf der Idee eines Uterus, des ersten menschlichen Schutzraums, basiert – einer Ur-Idee und gleichzeitig Utopie des Beschützt-Seins. Parallel beginnt sie ihre ersten Arbeiten mit Eigenblut konserven. Basierend auf einer Korrespondenz mit dem Künstler Jonathan Meese initiiert Weiss die Serie „When Did You Write Your Last Love Letter“. In den folgenden Jahren entstehen Kunst
projekte und Performances in Spanien, Österreich, Deutschland, Namibia, Indien, Russland und den USA. Zu den jüngsten Werkschauen von Mia Florentine Weiss zählen viel beachtete Ausstellungen und Performances unter anderem im Frankfurter Senckenberg Museum für Naturkunde, im Palazzo Albrizzi in Venedig und auf der CONTEXT Art Miami. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin, Frankfurt am Main und Los Angeles.

Vernissage: Mittwoch, 29. März 2017, 19:30 Uhr (auf Einladung)

Pressevoresichtigung: Mittwoch, 29. März 2017, 17:00 bis 18:00 Uhr (um Anmeldung wird gebeten)

Ausstellungsdaten: Donnerstag, 30. März bis Samstag, 06. Mai 2017

Zur Galerie Friedmann-Hahn

 

Bildunterschrift:  © Mia Florentine Weiss | Courtesy: Galerie Friedmann-Hahn.

Ausstellungen Berliner Galerien: Mia Florentine Weiss – MEMENTO MORI – Galerie Friedmann-Hahn | ART at Berlin

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