post-title Anri Sala | Take Over | Esther Schipper | 28.04.-17.06.2017

Anri Sala | Take Over | Esther Schipper | 28.04.-17.06.2017

Anri Sala | Take Over | Esther Schipper | 28.04.-17.06.2017

Anri Sala | Take Over | Esther Schipper | 28.04.-17.06.2017

bis 17.06. | #1259ARTatBerlin | Esther Schipper präsentiert ab dem 28. April 2017, anlässlich des Gallery Weekend Berlin 2017, die Ausstellung „Take Over“ des Künstlers Anri Sala.

Die Ausstellung zeigt eine großangelegte neue Sound- und Videoinstallation sowie ein umfassendes Zeichenprojekt und befasst sich mit den Beziehungen zwischen Musik und Narrativ, Architektur und Film, Themen, die in Anri Salas Werk eine zentrale Rolle spielen. Indem Eigenschaften unterschiedlicher Medien auf komplexe, intuitive Art miteinander verschränkt werden, entstehen Arbeiten, in denen ein Medium die Eigenschaften eines anderen annimmt.

Ein konzeptioneller Ausgangspunkt des zentralen Werks Take Over sind zwei bekannte Musikstücke, die durch ihre verflochtene politische und kulturelle Geschichte eng miteinander verbunden sind: die Marseillaise und die Internationale. Die Marseillaise stammt aus dem Jahr 1792 und ist stark mit der Französischen Revolution assoziiert, fand jedoch schnell den Weg in andere Länder, wo sie zum Symbol für den Umsturz repressiver Regime wurde. So sang man den Text der Internationale von 1871 ursprünglich ebenfalls zur Melodie der Marseillaise, bis 1888 eine eigene Melodie komponiert wurde und das Lied zur Hymne der sozialistischen Bewegung avancierte. Die politischen Konnotationen beider Lieder haben sich im Laufe der Zeit tiefgreifend verändert: von Revolution, Restauration, Sozialismus, Widerstand und Patriotismus bis hin zu weiteren Assoziationen mit Kolonisierung und Unterdrückung in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts (als Nationalhymne von Frankreich bzw. der Sowjetunion). Bis heute sind ihre Bedeutungen im Wandel, denn beide Lieder werden immer wieder aufs Neue vereinnahmt. Take Over macht die enge Beziehung der zwei politischen Hymnen hörbar und lotet die musikalische Verwandtschaft nach Spuren dieser sich wandelnden symbolischen Bedeutungen aus.

Take Over wird in dem Raum präsentiert, für den es konzipiert wurde, und stellt sich zunächst als abgegrenztes architektonisches Gebilde aus einer zentralen Wand und im Winkel angeordneten Glasflächen dar. Die beiden Lieder tauchen doppelt in zwei einander ergänzenden Filmen auf. Je auf einer Seite der Projektionswand projiziert, zeigen die Filme die Tastatur eines Disklavier auf denen ein Pianist spielt, dessen Tasten sich aber auch allein durch ihre Programmierung bewegen. Durch unterschiedliche Aktionen – rhythmische Bewegungen, das Drücken einzelner Tasten, Cluster, Wellen, oder abrupte Mehrklänge – verwandelt sich die Tastatur in eine lebhafte schwarz-weiße Landschaft voller Täler und Gipfel.

Eine Hymne ist auch zentrales Motiv von Them Apples–44 Zeichnungen zumeist einzelner Äpfel, aus denen ein Stück herausgebissen wurde, die so an der Wand angeordnet sind, dass die Äpfel zu Noten einer imaginären Partitur der deutschen Nationalhymne werden. Die einzelnen Bilder entstehen durch das wiederholte Zeichnen in nacheinander aufgetragene Schichten noch flüssiger Tinte auf Steinpapier. Auf Grund der geringen Saugfähigkeit des Papiers, trocknet die Tinte langsam auf der Oberfläche des Papiers.

Gleich Fingerabdrücken sind auch diese Bissspuren einzigartig. Sie stammen von Flüchtlingen, die auf Einladung des Künstlers an dessen Projekt teilgenommen haben. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Projekts, die konzeptionelle und materielle Basis von Salas Zeichnungen, war ein dreitägiger Workshop, der in Zusammenarbeit mit Kurt-Kurt – Projekte für den öffentlichen Raum in Moabit veranstaltet wurde. Durch die Interaktion mit den Flüchtlingen während dieses Workshops, bei dem Künstleratelier und Flüchtlinge zusammen Objekte, Zeichnungen und Fotografien produzierten, wurden die Bedingungen geschaffen, die der künstlerischen Arbeit als Ausgangspunkt dienen: performative, zeitbezogene Ereignisse, aus denen Zeichnungen wurden, die dieses Entstehen einbeziehen.

Der Pianist in Take Over ist Clemens Hund-Göschel.

Anri Sala wurde 1974 im albanischen Tirana geboren.  Einzelausstellungen (Auszug): Clocked Perspective, Fundacíon JUMEX, Public Plaza (2017); Anri Sala: O momento presente, IMS–Instituto Moreira Salles, Rio de Janeiro (2016); Anri Sala: Answer Me, New Museum, New York (2016); The Present Moment, Haus der Kunst, München (2015); No Names No Title, The Helena Rubinstein Pavilion for Contemporary Art, Tel Aviv Museum of Art, Tel Aviv (2014); Anri Sala: Two Films, Museum of Contemporary Art Detroit, Detroit (2012); Louisiana Museum, Humlebæk (2012); Anri Sala, Centre Pompidou, Paris (2012); National Museum of Art, Osaka (2011); Musée d’Art Contemporain, Montreal (2011), Serpentine Gallery, London (2011) und Purchase Not By Moonlight, MOCA, North Miami (2008).  Gruppenausstellungen (Auszug): 12. Kunstbiennale Havanna (2015), Sharjah Biennial 11 (2013), 9. Gwangju Biennale (2012), dOCUMENTA (13) (2012), 29. Biennale von São Paulo (2010), 2. Moskauer Biennale für zeitgenössische Kunst (2007), und 4. Berlin Biennale (2006).  2013 vertrat Anri Sala Frankreich bei der 55. Biennale di Venezia mit seiner Ausstellung Ravel Ravel Unravel.  Der Künstler lebt und arbeitet in Berlin.

Parallel zu Take Over zeigt Esther Schipper Heavy Metal Body, eine Präsentation neuer Skulpturen von Angela Bulloch.

Ausstellungsdaten: Freitag, 28. April bis Samstag, 17. Juni 2017

Zu Esther Schipper

 

Bildunterschrift: Anri Sala, Take Over, (film still) 2017 Courtesy of the artist and Esther Schipper, Berlin

Ausstellungen Berliner Galerien: Anri Sala – Take Over – Esther Schipper | ART at Berlin

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