post-title Ausstellung xT | Galerie Martin Mertens | 18.06.-23.07.2016

Ausstellung xT | Galerie Martin Mertens | 18.06.-23.07.2016

Ausstellung xT | Galerie Martin Mertens | 18.06.-23.07.2016

Ausstellung xT | Galerie Martin Mertens | 18.06.-23.07.2016

bis 23.07. | #0590ARTatBerlin  Galerie Martin Mertens präsentiert ab dem 18. Juni 2016 die Ausstellung xT mit den Künstlerinnen und Künstlern Armin Hartenstein, Katharina Jahnke, Jan Kämmerling, Julia Kröpelin, Katja Pfeiffer und Christian Pilz.

Wir fanden uns gefangen in der Symmetrie von Höhe und Breite, sodass wir uns für eine Flucht nach vorne entschieden. Sie führte uns nach Süden, bis an den Fuß des Mont Blanc. Im Hotel Montanvert kamen wir endlich zur Ruhe. Mit Hilfe des gleißenden Weiß der schneebedeckten Berge blendeten wir unsere Augen, bis kein Ding mehr unsere Vorstellung mit seinem plumpen Sosein beleidigen konnte. Wir ergingen uns im tiefen Schwarz des nächtlichen Himmels. Der wolkenlose Mittag trug bereits die Signatur eines Franzosen, mit dessen freundlicher Hilfe wir das endlose Blau durchquerten, um an der Oberfläche der Dinge wieder aufzutauchen.

Erfrischt entstiegen wir dem Mittag, packten unsere Sachen und fuhren nach Norden zurück. Nur unsere Namen ließen wir ordentlich gefaltet auf den Hotelbetten zurück („Mit den besten Grüßen“). Wieder angekommen vollendeten wir unser begonnenes Gedicht und schrieben die letzte Zeile, mit der alles seinen Sinn bekam: xT

Auf Initiative der durch die Galerie Martin Mertens vertretenen Künstlerin Katja Pfeiffer werden in der Gruppenausstellung xT sechs künstlerische Positionen vereint, in denen die spezifischen Übergänge zwischen Fläche und Raum wesentlich sind. Das gebaute oder dargestellte Relief ist eine sowohl formal als auch inhaltlich gemeinsame Dimension der verschiedenen Arbeitsansätze. Die Werke vereint gewissermaßen das Bestreben, von der Wand aus den Raum zu erobern. Zur Beschreibung dieses besonderen Interesses am Tiefenraum dient im Titel schlicht die Abkürzung x T aus der gängigen Formel H x B x T (Höhe mal Breite mal Tiefe) zur Kennzeichnung von Werkabmessungen. Die ebenfalls mögliche Interpretation des Buchstaben T als mathematischen Zeitfaktor kann dabei gerne mitgedacht werden. Wunderbar passend auch, dass just in diesem Moment der Begriff „curation in the cloud“ durch die Medienlandschaft wandert, beschreibt er doch ganz treffend, wie sich die teilnehmenden Künstler gefunden haben. Noch besser zeigt dies allerdings das alpine Motiv der Einladungskarte sowie die poetische Umschreibung, die Jan Kämmerling mit Blick auf das Hôtel Montanvert diesem Zusammentreffen verliehen hat.

Armin Hartenstein zeigt annähernd monochromatisch wirkende Bildobjekte. Es sind malerische Modelle fiktiver Landschaften, spezifische Orte der inneren Vorstellung, zwischen erzählerischem Illusionismus und Abstraktion. In den neuen Arbeiten aus der Serie der „Roten Wüsten“ (2016) entstehen feine landschaftliche Topografien wilder rot-ockerfarbener Ödnis aus dem Nachvollzug und der subtilen Umdeutung der ausgeprägten Maserung der rohen Holztafeln. „Mes Amis de Emmanuel Bove“ ist der Name einer Serie kleinformatiger collagierter Bildobjekte, die seit 2006 kontinuierlich vor allem unterwegs entstehen. Aus Zeichnungen, Fundstücken, Fotodrucken, Malereien und Anderem wachsen Einzelstücke und Gruppen landschaftsartiger Gebilde.

Katharina Jahnkes Arbeiten, die vorwiegend aus Skulpturen, Collagen und Rauminstallationen bestehen, bilden eine komplexe Struktur, die es aufzuschlüsseln gilt. Allen Werken ist das Arbeiten mit Schichten und das Zusammenfügen von Einzelteilen gemein, das Prinzip der Collage stellt Verbindungen oder Konfrontationen her. So entstehen Logiken und Widersprüche gleichermaßen. Die aktuellen Fotogramme, die klassisch im Fotolabor entstehen und die als Bildraum für Szenerien verwendet werden, zeigen surreale und traumartige Sequenzen. Das Vertraute zeigt sein irritierendes Potential. Architekturen geraten ins Wanken, rätselhafte Wesen erscheinen kurz auf der Bildfläche und verschwinden wieder, kurz ans Licht gebracht, durch die Alchemie der Dunkelkammer.

Jan Kämmerlings extrem reduzierte Arbeiten haben ihre Wurzeln im Konstruktivismus. Er konzentriert sich bei seinen Bildfindungsstrategien auf Materialien, die durch eine installative Setzung ein Bild produzieren. Erst im Galerieraum werden Werkstoffe wie Stahl und Plastikfolie zu Bildobjekten, die sich an der Grenze zur Plastik bewegen. Der Ort trägt dadurch zur Bedeutung des Werkes bei und wird zu dessen Bestandteil. Werk und Raum gehen in einen gewissen Dialog, sodass Sichtachsen entstehen, die den Blick des Betrachters lenken. Doch auch wenn die Arbeiten nicht unbedingt als Bilder durchgehen, bleiben sie dennoch bildhaft und changieren an der Schnittstelle zum Raum, um nie eindeutig dreidimensional zu werden.

Physische Ausdehnung und Bewegung – die Darstellung von Kraft und Masse jenseits ihrer zeitlichen Dimension – sind Merkmale der Skulpturen von Julia Kröpelin. Die aktuelle Werkserie der Wandobjekte (2013-2016) konzentriert sich auf flächig angelegte Topografien, die mit gegenständlichen Assoziationen spielen, diese aber ebenso verweigern und eigenständige Formen entwickeln. Hell, gelbliches Beige und getönte Brauntöne lassen an Papier,- Packpapier und entfernt an Tierhäute denken. Julia Kröpelin erforscht die Fragilität temporärer Erscheinungsformen auf den Ebenen physischen und intellektuellen Erlebens. Sie arbeitet künstlerisch mit den Bedeutungsebenen einer Sache und deren Potential. Dabei öffnet sie die begriffliche Festlegung für einen Sachverhalt und nutzt ihn als Ansatz, den Gegenstand einem bildnerisch fragmentierenden Prozess zu unterziehen. Die Vorstellung der Austauschbarkeit von physischen und geistigen Wahrnehmungsprozessen sind grundlegend für ihre künstlerische Arbeit. Bei den neueren Wandobjekten kehrt sich der Entstehungsprozess um. Auf der Grundlage ihrer Vorstellung von Fragmentierung und Vereinzelung von Erlebbarem entwickelt sie einheitliche Objekte.

Christian Pilz baut zeichnerische Welten auf Papiergrund, wobei ihm nichts als die nackte Linie als Mittel dient. Er erfindet endlose Labyrinthe, utopische Architekturen, wuchernde Straßennetze, die er immer mehr verdichtet, miteinander verwebt und zugleich über die Grenzen des Blattes hinaus wachsen lässt. Die meist kleinformatigen Arbeiten eröffnen einen schwindelnden Blick in eine räumliche Tiefe, die in ihrer Komplexität kaum durchdringbar scheint. Obwohl diese Welten vom Menschen und für ihn geschaffen zu sein scheinen, kann der Mensch sie offenbar nicht bewohnen. Vielmehr ermöglichen die bis ins kleinste Detail durchdachten Visionen dem Betrachter eine modellartige Aufsicht auf die Bedingungen seines eigenen Lebensraums.

Katja Pfeiffers Arbeiten gehen der Frage nach, wie der Mensch sich seine Welt baut. Basierend auf Eindrücken realer Architektur, kreiert sie skurril und fragil anmutende Konstrukte und hinterfragt so die Vorstellung einer planvoll-geordneten Weltgestaltung. Zuletzt setze sie sich mit Behelfsbauten zur Befestigung moderner Ruinen auseinander, wofür Erkundungsgänge in der italienischen Stadt L’Aquila, deren historischer Stadtkern in der Folge eines Erdbebens 2009 stark beschädigt wurde, den Anstoß gaben. Eine Fortsetzung findet die Erdbebenthematik in der Arbeit Terre Motor (2016). Statt eines Sockels trägt ein schlichter Werkbank-Tisch ein komplexes Gipskonstrukt, angelehnt an die sogenannten Spaghetti Junctions – komplexe Großkreuzungen – wie sie etwa in Los Angeles zu finden sind. Unter der Tischplatte befindet sich ein per Zufallsgenerator gesteuerter Selbstzerstörungsmechanismus der das Straßennetz zu einem unvorhersehbaren Zeitpunkt zum Einsturz bringt – ein Erdbeben en miniature. Zugleich klingt schon im Titel an, dass in der Zerstörung (terre moto – italienisch Erdbeben) auch der Antrieb (Motor) zu kreativer Neuschöpfung liegen kann.

Vernissage: Samstag, 18. Juni 2016, 18:00 – 21:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 18. Juni bis 23. Juli 2016

Zur Galerie MARTIN MERTENS

 

Bildunterschrift: Katja Pfeiffer, Peterhäuser, 2016

Ausstellung xT – Galerie Martin Mertens – Kunst in Berlin ART at Berlin

 

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