post-title Thomas Bayrle | Faule Stellen | neugerriemschneider | 30.04.-04.06.2022

Thomas Bayrle | Faule Stellen | neugerriemschneider | 30.04.-04.06.2022

Thomas Bayrle | Faule Stellen | neugerriemschneider | 30.04.-04.06.2022

Thomas Bayrle | Faule Stellen | neugerriemschneider | 30.04.-04.06.2022

bis 04.06. | #3417ARTatBerlin | neugerriemschneider (Linienstraße) präsentiert ab 30. April 2022 (Vernissage 29.04) die Ausstellung Faule Stellen des Künstlers Thomas Bayrle. Die Galerie eröffnet zudem einen neuen Galerieraum in der Christinenstraße 18-19 mit der Ausstellung „Durchscheinen ist alles“ des Künstlers Thomas Bayrle (bis 20.08).

In seiner zweiten Präsentation bei neugerriemschneider setzt sich der Künstler mit dem Genre des Porträts als Mittel der kunstgeschichtlichen und gesellschaftlichen Verortung auseinander. Unter dem Titel Faule Stellen zeigt Bayrle Gemälde und überarbeitete Drucke, die seine langjährige Beschäftigung mit industriellen Produktionsabläufen weiterführen, wobei er modulare Einzelformen zu vielschichtigen Sinnbildern unserer Zeit verdichtet. In seiner parallelen Ausstellung Durchscheinen ist alles nutzt Bayrle das Porträt, um sein Schaffen in Beziehung zu anderen Künstlerinnen und Künstlern zu setzen, darunter Martin Kippenberger, Yayoi Kusama, Pablo Picasso und Elaine Sturtevant.

Faule Stellen führt Bayrles Auseinandersetzung mit dem Motiv des Smartphones als Kompositionselement fort. In der für ihn charakteristischen Technik multipliziert, verzerrt und skaliert er dessen Form, um Bildnisse von Industrierobotern zu kreieren, die in verschiedenen Stadien ihrer choreografierten Bewegungsabläufe festgehalten sind. Zentral ins Bild gerückt, wirken die Maschinen wie klassische Porträts. Die Werke richten ihren Fokus auf die mechanischen Arme, die bei sich wiederholenden Fertigungsprozessen zum Einsatz kommen, und vergegenwärtigen Bayrles Faszination für die industrielle Massenproduktion. Obwohl die dargestellten Roboter hoch automatisiert sind, ergänzen sie die konventionellen Abläufe oftmals nur, anstatt sie vollständig zu ersetzen. In ihrer Eigenschaft als Erweiterung der menschlichen Hand rekurrieren sie auf Bayrles Arbeitsweise, die zwischen dem Digitalen und Analogen verortet ist.

ART at Berlin - courtesy of the artist and neugerrimschneider - Thomas Bayrle - Sturtevant blue flowers - Foto Wolfgang Günzel
Thomas Bayrle, Sturtevant blue flowers, 2021,
Mischtechnik auf Pigmentdruck auf Papier auf Galeriekarton, 111 x 88 cm,

© Thomas Bayrle, VG Bild-Kunst, Bonn,
courtesy the artist and neugerriemschneider, Berlin, Foto: Wolfgang Günzel

In Durchscheinen ist alles reflektiert Bayrle das Medium der Malerei und setzt sich mit seinen künstlerischen Einflüssen auseinander. Grundlage für acht monumentale Arbeiten auf Leinwand bilden von Hand gefertigte, farbige Malereien. Sie werden mit einer Matrix überdruckt, die aus der Wiederholung des vergrößerten Details eines Pinselstrichs besteht. Überführt in ein vervielfachtes Einzelmotiv, fügt sich diese sonst üblicherweise als Ausdruck einer individuellen künstlerischen Handschrift verstandene Geste zu verschiedenen Porträtdarstellungen von Künstlerinnen und Künstlern, unter denen die darunterliegenden Malereien wie Vorzeichnungen zu erkennen sind. Eine weitere Werkgruppe greift die Porträts noch einmal auf, wobei der Künstler für diese Drucke auf Papier in Umkehrung zu den Leinwänden das Raster schwarzer Pinselstriche mit Acrylfarbe übermalt.

Seine Technik der Vervielfältigung einzelner Motive zu einer Gesamtkomposition erkundete Bayrle erstmals in den späten 1960er Jahren. In Abkehr von gestischer Malerei experimentierte er zunehmend mit unterschiedlichen Drucktechniken. Indem er verkleinerte alltägliche Bildmotive in scheinbar unendlicher Wiederholung zu übergeordneten Darstellungen zusammenfügte, schuf Bayrle ein neues Kompositionsprinzip – die „Superform“. Auch wenn dies rückblickend an digitale Produktionsmethoden erinnert, setzte er erst Ende der 1980er Jahre ein Bildbearbeitungsprogramm ein. Als Professor an der Frankfurter Städelschule von 1975 bis 2002 war Bayrle nicht nur Mentor und einflussreicher Impulsgeber für Generationen von Künstlerinnen und Künstlern, sondern hinterfragte und entwickelte seine eigene künstlerische Methodik konstant weiter. Bis heute ist sein wegweisendes Werk von einem einzigartigen innovativen Ansatz geprägt, der technologische sowie gesellschaftliche Entwicklungen antizipiert und vergegenwärtigt.

ART at Berlin - courtesy of the artist and neugerrimschneider - Thomas Bayrle - Claude Monet - Foto Jens Ziehe
Thomas Bayrle, Claude Monet, 2021-2022,
UV-Direktdruck auf Acryl auf Leinen, 315 x 250,5 x 4 cm,

© Thomas Bayrle, VG Bild-Kunst, Bonn,
courtesy the artist and neugerriemschneider, Berlin, Foto: Jens Ziehe, Berlin

Thomas Bayrles (geb. 1937) Schaffen war Gegenstand zahlreicher Einzelausstellungen in internationalen Museen und Institutionen, darunter New Museum, New York (2018); MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien (2017); Institute of Contemporary Art, Miami (2016); Lenbachhaus, München (2016); Institut d’art contemporain, Villeurbanne/Rhône-Alpes (2014); WIELS Centre d’Art Contemporain, Brüssel (2013); Madre – museo d’arte contemporanea Donnaregina, Neapel (2013); Baltic Centre for Contemporary Art, Gateshead (2013); Museu d’Art Contemporani de Barcelona (2009); Musée d’art moderne et contemporain, Genf (2009); Museum Ludwig, Köln (2008) sowie Museum für Moderne Kunst, Frankfurt/Main (2006). Zudem war Bayrle in bedeutenden internationalen Gruppenausstellungen vertreten, hierunter die documenta (1964, 1977, 2012); Busan Biennale (2012); Biennale of Sydney (2008); Biennale d’art contemporain de Lyon (2007); Berlin Biennale (2006); Gwangju Biennale (2006, 2010); Guangzhou Triennial (2005, 2018) sowie Biennale di Venezia (2003, 2009). Thomas Bayrle erhielt vielzählige Auszeichnungen und Preise, darunter der Arnold-Bode-Preis (2012), der Cologne Fine Art-Preis (2000) und der Prix Ars Electronica (1995).

Vernissage: Freitag, 29. April 2022 – 18:00 bis 21:00 Uhr

Ausstellungsdaten ‚Faule Stellen‘ in Linienstraße 155: Samstag, 30. April bis Samstag, 4. Juni 2022

Ausstellungsdaten ‚Durchscheinen ist alles‘ in Christinenstraße 18-19: Samstag, 30. April bis Samstag, 20. August 2022

Sonderöffnung zum Gallery Weekend Berlin: Samstag, 30. April und Sonntag, 1. Mai 2022

Zur Galerie

 

 

Bildunterschrift Titel: Thomas Bayrle, Frida Kahlo (Gold), 2021, Mischtechnik auf Pigmentdruck auf Papier auf Galeriekarton, 111 x 88 cm, © Thomas Bayrle, VG Bild-Kunst, Bonn, courtesy the artist and neugerriemschneider, Berlin, Foto: Wolfgang Günzel

Ausstellung Thomas Bayrle – Galerie neugerriemschneider | Zeitgenössische Kunst in Berlin | Contemporary Art | Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin

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