post-title Streuli + Coste + Oderbolz | Your taste on the lips | FeldbuschWiesnerRudolph | 17.09.-15.10.2022

Streuli + Coste + Oderbolz | Your taste on the lips | FeldbuschWiesnerRudolph | 17.09.-15.10.2022

Streuli + Coste + Oderbolz | Your taste on the lips | FeldbuschWiesnerRudolph | 17.09.-15.10.2022

Streuli + Coste + Oderbolz | Your taste on the lips | FeldbuschWiesnerRudolph | 17.09.-15.10.2022

bis 15.10. | #3556ARTatBerlin | FeldbuschWiesnerRudolph (FWR) präsentiert ab 17. September 2022 (Vernissage: 16.09.) die Ausstellung „Your taste on the lips“ der Künstlerinnen Christine Streuli (CH), Anne-Lise Coste (F) und Edit Oderbolz (CH) im Rahmen der ArtWeek Berlin 2022.

“Words on a page are incomplete. (…) Connection is collaborative. For words to have meaning, they have to be read.” Kae Tempest, On Connection, 2021

Connection – also Verbundensein – ist für Kae Tempest der Schlüsselbegriff in einer Zeit großer Spaltungen. Dabei ist ihr die künstlerische Kreativität eine Brücke, „um tiefere Beziehungen zur Welt aufzubauen“ – gegen die Abstumpfung und für die Wiederbelebung einer neuen sozialen und interkulturellen Partizipation.

So vermittelt auch der Titel der Ausstellung „Your taste on the lips“ ein Gefühl der Annäherung. Wenn das farbfleckige Komposit der Frottees am Gestell von Edit Oderbolz an zum Trocknen aufgehängte Handtücher prekärer Flüchtlinge am Meer denken lässt, Anne-Lise Costes Girlanden fallender Ketten die Furcht vor ihrer erneuten Anwendung durch eine willkürliche Macht wachrufen und Christine Streuli mit der multiplizierten Reihung einer Armee von Hintern auch den Kampf um Gleichberechtigung demonstriert.

Zur ArtWeek Berlin im September 2022 wird die Zur ArtWeek Berlin im September 2022 wird die neu von die Galerie vertretene Künstlerin Christine Streuli (CH) die Ausstellungsräume gemeinsam mit den von ihr hochgeschätzten befreundeten Künstlerinnen, der Konzeptkünstlerin Anne-Lise Coste (F) und der Objektkünstlerin Edit Oderbolz (CH), in einem symbiotischen Allover-Gestus bespielen. Dabei stehen die Schlüsselbegriffe von Energy, Body, Activims und Materiality im Zentrum. Es wird gemalt, gedruckt, gesprayt, als Schrift oder in Textil – diese drei Künstlerinnen derselben Generation zelebrieren die Farbe als ihr zentrales Motiv für Expression, Revolution und Schönheit.

ART at Berlin - courtesy of FeldbuschWiesnerRudolph - Edit Oderbolz - Horizontal Parallels
Edit Oderbolz, Horizontal Parallels (Green), 2022,
reinforcing steel, fabric, gouache, shells, 62 x 50 x 10 cm

Christine Streuli kreiert ihre Bilder mit einem stark bewegten Form- und Farbkanon. Sie arbeitet selten mit dem klassischen Malerwerkzeug des Pinsels – vielmehr druckt, sprayt, schüttet oder spritzt sie Farbe auf ihre Leinwände. Mit Begeisterung erinnern wir uns an die intensive Energie durch Bildzeichen wie Explosion, Geste, Geschwindigkeit, (Farb-)Temperatur, mit der sie den Schweizer Pavillon auf der Venedig Biennale im Jahr 2007 zum Vibrieren brachte und eine immersive Kombination von Wandmalereien, Bildern und Monotypien schuf. Das wandfüllende Großformat „Nightshade #04“ (2017) ist inspiriert von den hallizogenen Eigenschaften der namengebenden medizinischen Heilpflanze, deren Essenz gerne ihren Nutzen in Zeiten von Stress und Erschöpfung findet bis hin zur Verschiebung der Grenzen der Realität. Dazu befördert eine neue Werkserie der Künstlerin von insgesamt fünf kleinformatigen Bilderpaaren den nonbinären, menschlichen Hintern zum ikonischen Motiv. Es ist inspiriert durch ein von Streuli ausgewähltes kleines Detail von der Postkarte einer queeren New Yorker Bar und vereint im Bild den im WiggelWiggelRhythmus schwingenden akademischen Kontrapost mit der Leuchtfarbe und Rasterstruktur der Ästhetik von Pop Art und Werbung. Auf diese Weise kreiert die Künstlerin eine konzeptionelle Spannung zwischen Figuration und Abstraktion, die gepaart ist mit Streulis Empathie in Bezug auf ihre multikulturelle, soziale und geschlechterübergreifende Identität und Integrität. So ist ihr innerer Kampf mit der Malerei immer auch ein Wunsch nach mehr Freiheit im eigenen Werk.

Christine Streuli (geb. 1975 in Bern, CH) lebt und arbeitet in Berlin. Seit 2015 lehrt sie als Professorin an der Universität der Künste Berlin. Im Frühjahr 2017 wurde die Künstlerin mit dem Fred-Thieler-Preis der Berlinischen Galerie ausgezeichnet und hatte ebda. Ihre Einzelausstellung sowie in weiteren internationalen Institutionen wie dem Kunstmuseum Thun (2020), dem Museum Folkwang Essen (2018), der Berlinischen Galerie (2017), dem Haus am Waldsee und dem Kunstmuseum Luzern (2013), dem Aargauer Kunsthaus, Aarau (2008), dem Swiss Pavillon, Venedig Biennale (2007), der Kunsthalle Zürich (2005) u.a.. Streuli stellt regelmässig in Gruppenausstellungen aus, wie im Kunstmuseum Winterthur (2019), an der 19. Biennale von Sidney und Kunsthalle Nürnberg (2014), im Marta Herford (2010), im Helmhaus, Zürich (2009) u.a.. Die Werke der Künstlerin sind in zahlreichen Sammlungen vertreten wie jener des Kunsthaus Aarau, Kunsthaus Zürich, Sammlung Museum Folkwang, Sammlung Berlinische Galerie, Sammlung Kunstpalast Düsseldorf, Sammlungen der Stadt Zürich, Kunstsammlung Kanton Zürich, UBS Art Collection, Sammlung Bank Bär, Zürich u.a..

Während Politik und Medien gerne den Begriff des „Narrativ“s einsetzen, um sich in der Suche nach dem Sinn, Zielen und Lösungen für relevante Probleme in Statistiken und Analysen zu verlieren, öffnet sich Anne-Lise Coste der Realität und schaut hin – auf die Welt, ihre Brutalität, ihre Schönheit und ihre Relikte.

Zwei zentrale neue Werke der Künstlerin, die Neonarbeit „Police“ (2022) und das großformatige Spraypaint „Chain“ (2022) waren erst im Sommer 2022 prominent in ihrer Soloshow „Poem Police“ im kunsthaus baselland zu sehen. „POLICE“, „POEM“, „NON“, „IMAGINE“, das sind Wörter, die Coste dem öffentlichen Raum entnimmt und die in ihrer „Ungefiltertheit (…) viel über den aktuellen Stand einer Nation (aussagen)“ (Ines Goldbach, 2022). Genauso direkt präsentieren sich die Negativschatten lose drapiert hängender Ketten, der „Chains“, die ihr als Sprühschablone auf großformatigen rohen Leinwänden dienen. Die Wahl der vielfältigen Materialien drückt die Spontanität der Künstlerin aus, erlaubt keine Korrektur, vermittelt sich als Geste, die nichts zu verbergen mag. Coste agiert gerne mit Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, um emotionale Befindlichkeiten aufzuspüren und den (Bild)Raum zu öffnen für die Spuren gesellschaftlicher Zwänge, historischer Bürden, seelischer Wunden, und Hoffnung geben. Die Künstlerin lebt die unbedingte Bereitschaft, „Nein“ zu sagen, die Ketten zu sprengen von Macht, Kapital, Postkolonialismus, Polizeigewalt. Und „(d)er Kunstbetrieb ist der einzige Ort, wo das möglich ist“ (A.-L.C).

Anne-Lise Coste (*1973 in Marseille, Frankreich) studierte an der École des Beaux-Arts, Marseille (1995-97) und an der HGK in Zürich (1997-99). Weil Coste nicht zur Prüfung erschien und stattdessen das Bild eines Affen schickte mit Aufschrift „no home – no diplome“, verpasste sie ihren Abschluss. Darauf folgten in New York 7 Jahre im Modus live-hard-work-hard. Heute arbeitet und wirkt die Künstlerin in Sète, Südfrankreich. Coste präsentiert regelmäßig in institutionellen Soloshows wie im Kunsthaus Baselland (2022), Dortmunder Kunstverein (2020), Museo de Bellas Artes de Santander (2012), Kunsthalle St. Gallen (2006), Kunsthaus Glarus (2005) und regelmäßig in ihren Galerien Ellen de Bruijne Projects, Amsterdam (seit 2004), Galerie Hauff, Stuttgart (seit 2005), NoguerasBlanchard, Barcelona (seit 2006), Galerie Halsey-Mckay, New York (seit 2013), Lullin Ferrari, Zürich (seit 2015); außerdem in zahlreichen Groupshows wie im Helmhaus, Zürich (2017), MACBA, Madrid (2013), Boijmans van Beuningen Museum, Rotterdam (2013), Athens Biennial (2007), CCA, Andratx (2007), Migros Museum, Zürich (2007), Tate Modern, London (2007), Schirn Kunsthalle, Frankfurt/M (2006), u.a..
Costes Arbeiten befinden sich in zahlreichen Sammlungen wie dem Migros Museum für Gegenwartskunst, Zürich, Museum Arnhem, MACBA Barcelona, Kunsthalle Lingen, Kunsthalle Glarus, Glarus, Staatsgalerie Stuttgart u.a..

Während Anne-Lise Costes Neonarbeit „POLICE“ (2022) den Ausstellungsraum als einzige Lichtquelle in gleißend weissem „Tatort“Weiss überstrahlt, gibt sie zugleich mit ihrem Schriftzug den Hintergrund ab für Edit Oderbolz’ Installation „Now rain, now sun“ (2016). Zufälligerweise stellten beide Künstlerinnen eben diese Werke getrennt voneinander in ihren jeweiligen Soloshows im Kunsthaus Baselland aus. Was da den Boden des Ausstellungsraums zur Gänze bedeckt, ist ein mehrteiliges Arrangement aus echten und unechten Melonen, Tageszeitungen, und einem mittig platzierten Stahlgestell mit dem losen Überwurf einer silbriggrauen Plane. Die Tageszeitungen sitzen aufgefaltet wie ein Zelt auf den grünen Fruchtbällen und beziehen sich in dieser zufälligen Formulierung von Be-hausung auf ein Zitat des Architekten Bernard Rudofsky: «Suburban man falling asleep near his lawn mower, pulling a section of his Sunday paper over his head, thus reenacts the birth of architecture.» Trotz oder gerade mit der Sprache eines objektbezogenen Minimalismus weckt Edit Oderbolz die Assoziation an Alltagsmomente von Dach, Schutz, homeless people sowie Gegensätze von Gewalt-Frieden, Politik-Privatheit, Sonne-Regen. So wird das Material zum soziokulturellen Bedeutungsträger auf der einen und einer Art anthropologischen Abstraktion auf der anderen Seite. Im Eingangsraum der Galerie macht sich mitEdit Oderbolz’ Installation „Große Flotte“ nocheinmal sommerliche Urlaubsstimmung breit, aber auch die Erinnerung an die Medienbilder von Flüchtlingen. Ein paraventartiges Gittergestell dient für die Drapierung pastell- wie fleckig eingefärbter Frotteehandtücher, während am Fuß ein Netz von Miesmuscheln abgelegt ist. Ein Stilleben aus subjektiven Extrakten, denen in der Art des Arrangements eine poetische Konnotation anhaftet in der Fülle von Gestrandetsein, Abenteuer, Romantik und Freiheit.

Edit Oderbolz (geb. 1966 in Stein am Rhein) studierte an der HGK Basel (1996-99) und unterrichtete als Gastdozentin an verschiedenen Architektur- und Kunsthochschulen in Bern, Luzern, Basel und Karlsruhe. Für ihre künstlerische Tätigkeit wurde sie mehrfach mit Werkstipendien, Residences und Preisen ausgezeichnet wie dem Manor Kunstpreis (2004), dem Landis & Gyr Stipendium London (2014) oder mit dem Paul Boesch Preis (2019) u.a.. Ihre Werke wurden in zahlreichen Einzelausstellungen in verschiedenen Institutionen und Galerien im In- und Ausland gezeigt wie u.a. im Crac Alsace, Altkirch (2018), Kunstverein Nürnberg Albrecht Dürer Gesellschaft (2017), Kunsthaus Baselland (2016), Lullin+Ferrari (2016, 2011), Kunsthalle Basel (2009), Kunsthaus Langenthal (2008), Kunstverein Friedrichshafen (2013), Centrum Sztuki Wspolczesnej Torun (2009), Museum für Gegenwartskunst, Basel (2004); außerdem regelmäßig in Groupshows wie im Aargauer Kunsthaus, Aarau (2022), Kunstmuseum Olten (2018), Kunsthalle Bern (2018), Kunsthalle Palazzo, Liestal (2018), Kulturstiftung Agathenburg (2010) u.a..
Edit Oderbolz’ Arbeiten befinden sich in den Collectionen wie der Schweizerischen Bundeskunstsammlung, Credit Suisse AG Zürich-Enge, Kunsthaus Aarau u.a..

Vernissage: Freitag, 16. September 2022, 18:00 – 21:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 17. September bis Samstag, 15. Oktober 2022

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