post-title Tammam Azzam + Jonas Englert | Fragments | Galerie Kornfeld | 10.09.-29.10.2022

Tammam Azzam + Jonas Englert | Fragments | Galerie Kornfeld | 10.09.-29.10.2022

Tammam Azzam + Jonas Englert | Fragments | Galerie Kornfeld | 10.09.-29.10.2022

Tammam Azzam + Jonas Englert | Fragments | Galerie Kornfeld | 10.09.-29.10.2022

bis 29.10. | #3555ARTatBerlin | Galerie Kornfeld zeigt ab 10. September 2022 die Ausstellung Fragments der Künstler Tammam Azzam und Jonas Englert.

Die Ausstellung Fragments präsentiert erstmals gemeinsam Werke von Tammam Azzam und Jonas Englert, die sich mit dem Wiederaufbau und der Rekontextualisierung politisch bedeutsamer Momente der Geschichte beschäftigen.

Dabei hinterfragen die Werke nicht nur die Art und Weise, wie politische Entscheidungen getroffen werden, sondern auch welche Folgen diese Handlungen haben. Wie Regelungen und Vereinbarungen getroffen werden, welche Drohungen zu welchen Abmachungen, Verträgen und Einigungen führen und wie diese für den Wandel der Geschichte maßgeblich sind, nicht nur für die gegenwärtige Bevölkerung, sondern auch für kommende Generationen. Dabei wird auch die Authentizität diplomatischer Gesten infrage gestellt.

Die Werke beider Künstler lassen uns spüren, wie die Gesellschaft mit politischen Vereinbarungen, Meinungsverschiedenheiten und getroffenen Entscheidungen umgeht. Jonas Englerts Werke zeigen dies durch Videokompositionen und Tableaus, die mit einer Vielzahl fragmentarischer Bilder die Diplomatie politischer Gesten zeigen, während Tammam Azzams großformatige Papiercollagen aus den Trümmern eines Konflikts oder Streits zusammengesetzt scheinen.

Die Werke von Tammam Azzam vermitteln ein Bewusstsein für die Bedeutung von Themen wie Migration, Krieg und Gewalt. Zerstörung und Wiederaufbau werden anschaulich in Bildern, die unmittelbar auf unsere Emotionen zielen und lange nachhallen. An der Grenze zur Abstraktion angesiedelt sind seine Werke weniger nüchterne Beschreibung als vielmehr emotionale Darstellung. Im Zentrum seiner Kompositionen steht der Wiederaufbau nach der Zerstörung, eine Metapher für den syrischen Künstler, der 2011 sein Heimatland verließ. Ungeachtet seiner persönlichen Geschichte und Erfahrungen gehen die Werke von Tammam Azzam aber über die subjektive Perspektive hinaus. Seine Darstellungen lassen an Krieg und Zerstörung denken, der Krieg in Syrien ist aber immer auch ein überindividuelles Symbol für die anhaltenden politischen Konflikte weltweit und lassen die Betrachter*innen fragen, ob die Bilder Tammam Azzams Abstraktionen seiner eigenen Vergangenheit sind, ob sie figurativ sind und wenn ja, was sie wohl zeigen.

Bei genauerem Hinsehen scheinen die vielen kleinen Papierschnipsel eine eigene Geschichte zu erzählen, dabei von einem zum nächsten Papierstückchen springend. Wir nehmen die Risse und Lücken zwischen ihnen war und sehen, dass sie getrennt sind und gebrochen oder zerfetzt. Treten wir aber einen Schritt zurück, fügen sich sie sich zu faszinierenden malerischen Kompositionen aus kleinen und kleinsten Papierschnipseln, die der Künstler zuvor mit Acryl bemalt hat. Diese ihm eigene Technik entwickelte Tammam Azzam 2016, unmittelbar nach seiner Ankunft in Deutschland.

Seine Kompositionen stellen Fragen, sie geben aber keine Antworten. Sie regen uns an, für uns selbst zu denken und nehmen zugleich Bezug auf die politische Situation unserer Welt und die Vielzahl aktueller Kriege und kriegerischer Konflikte. Vor allem aber fragen sie nach der „Conditio Humana“, der allgemein menschlichen Verfassung, deren destruktive und zerstörerische Kräfte Leid und Verzweiflung in die Welt bringen, die mit ihren wunderbaren Schöpfungen aber immer auch Anlass zur Hoffnung gibt. Diese Tragik, aber auch diese Hoffnung machende Kraft stehen im Mittelpunkt von Tammam Azzams Werken, die aus Fragmenten ein neues Ganzes schaffen.

ART at Berlin - courtesy of Galerie Kornfeld - Tammy Azzam - Untitled
Tammy Azzam, Untitled, 2019

Tammam Azzam erhielt seine künstlerische Ausbildung an der Fakultät für bildende Künste der Universität Damaskus. Neben die Malerei treten Papiercollagen und digitale Arbeiten, die sich mit dem Konflikt in seinem Heimatland auseinandersetzen. Nach Beginn des syrischen Bürgerkriegs siedelte er nach Dubai um, 2016 kam er als Fellow des Hanse Wissenschaftskollegs, Institute for Advanced Study, nach Delmenhorst. Seit 2018 lebt er in Berlin.

Die Werke von Tammam Azzam finden sich in Sammlungen in Europa, dem Nahen Osten und den USA und wurden auf der ganzen Welt ausgestellt, unter anderem im Middle East Institute in Washington, D.C. (2021), im Aga Khan Museum in Toronto und im Rudolf Stolz Museum in Sexten in Südtirol, Italien (beide 2020), im Kunstverein Iserlohn „Villa Wessel“ (2019), in der Ayyam Gallery, Dubai (2019 und 2016), in der For-Site Foundation, San Francisco, (2017, 2016) und im Stadtmuseum Oldenburg (2017). Eine Auswahl seiner Arbeiten ist Teil der Wanderausstellung „Kunst trotz(t) Ausgrenzung“, die seit 2018 durch verschiedene Museen und Institutionen in Deutschland tourt und aktuell in Rüsselsheim zu sehen ist. Tammam Azzam hat zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten, unter anderem den Creative Activism Award des Cultures of Resistance Network und ist seit 2021 neben Künstler*innen wie Monica Bonvicini, Rebecca Horn oder Lawrence Weiner mit einer Säule in der Stoa 169, der von Bernd Zimmer initiierten „Künstlersäulenhalle“ in Polling vertreten.

Die Werke von Jonas Englert reflektieren sozialphilosophische Phänomene ebenso wie politische und historische Erzählungen und Materialien und kombinieren Videobilder, Diagramme, Texte und Audiomaterial zu komplexen Kompositionen. „Found footage“, vorgefundenes Filmmaterial, verbindet sich mit eigenen Aufnahmen. Es entsteht eine Zwischenwelt, weder Fiktion noch reine Dokumentation, die den Menschen sowohl als Individuum als auch als gesellschaftliches Wesen zeigt.

Dabei lenkt er die Aufmerksamkeit auf bestimmte Gesten in historisch, kulturell oder politisch bedeutsamen Momenten und entlarvt deren scheinbare Authentizität ebenso wie das sorgfältig Ausgewählte, Klinische und Künstliche dieser Handlungen. Die Bilder verweisen auf biblische, historische oder künstlerische Momente und fügen sich zu harmonischen Kompositionen, die den Sinn von Diplomatie infrage stellen. Waren die politischen Gesten, die im letzten Jahrhundert zu historischen Momenten wurden, notwendig oder nur Teil einer politischen Inszenierung für die Medien und somit nicht mehr als ein theatralischer Ausdruck ohne echten Wert?

„Declaration of Principles“ arbeitet ausschließlich mit Found Footage. Das Video im Zentrum des Polyptychons mit insgesamt 31 Bildfeldern zeigt den Moment, in dem sich Jitzchak Rabin, damaliger Premierminister Israels, und Yassir Arafat, seinerzeit Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde und Vorsitzender der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO im September 1993 im Garten des Weißen Hauses in Washington unter den Augen des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika Bill Clinton, die Hände reichen. Das Ziel: gegenseitige Anerkennung und ein Ende der Gewalt der beiden verfeindeten Parteien. Diesen historischen Moment verknüpft Jonas Englert mit Kunstwerken, Bildern von politischen Vorgängen und biblischen Referenzen und hinterfragt so deren „Echtheit“ und inwieweit sie symbolisch überhöht, strategisch inszeniert und vor allem medialisiert werden.

„Circles I“ beschäftigt sich mit dem Thema „Berührung“ und wie diese bei Begrüßungen, der Beilegung von Konflikten oder der Bekräftigung von Vereinbarungen und Stellungnahmen eingesetzt wird. Auf sieben Monitoren sehen wir eine Kette von Videos, in denen sich die verschiedensten Persönlichkeiten aus der Politik über mehrere Jahrzehnte hinweg in historisch bedeutsamen Momenten die Hand reichen, eine Kette von einer Person zur nächsten bildend, bis sich die Kette schließlich zu einem Kreis schließt und mit einer der Personen endet, die bereits im ersten Video zu sehen war. Jeder der sieben Kreise endet dort, wo er begonnen hat, und verschränkt sich gleichzeitig auch mit seinen Nachbarkreisen.

ART at Berlin - courtesy of Galerie Kornfeld - Jonas Englert - Declaration of Principles
Jonas Englert, Declaration of Principles, 2022

Jonas Englert studierte Bildende Kunst bei Heiner Blum, Rotraut Pape und Alexander Oppermann, Philosophie bei Juliane Rebentisch an der HfG Offenbach und im Wintersemester 2012/2013 Angewandte Theaterwissenschaft bei Heiner Goebbels an der Justus-Liebig-Universität Gießen. 2012 wurde er mit dem Dr. Marschner-Preis, 2013 mit dem Johannes Mosbach-Stipendium und 2017 mit einer lobenden Erwähnung im Rahmen der B3-BEN-Awards in der Kategorie „Time based and immersive arts“ ausgezeichnet. 2018 war Jonas Englert Preisträger der Frankfurter Künstlerhilfe, 2019 erhielt er den Theoriepreis der Marielies Schleicher-Stiftung.

Werke von Jonas Englert finden sich in den Sammlungen des Hirshhorn Museum in Washington D.C., im Museum of Fine Arts in Boston sowie in der Ivo Wessel Collection und anderer Privatsammlungen. Darüber hinaus schuf er mehrere Arbeiten für das Theater, u.a. am Nationaltheater Mannheim, am Staatsschauspiel Dresden, am Staatstheater Hannover, am Theater Bonn und am Berliner Ensemble.

Vernissage: Samstag, 10. September 2022, 18:00 – 21:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 10. September – Samstag, 29. Oktober 2022

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