post-title Jimmie Durham | texts and recordings | Galerie Barbara Wien | 12.02.-02.04.2022

Jimmie Durham | texts and recordings | Galerie Barbara Wien | 12.02.-02.04.2022

Jimmie Durham | texts and recordings | Galerie Barbara Wien | 12.02.-02.04.2022

Jimmie Durham | texts and recordings | Galerie Barbara Wien | 12.02.-02.04.2022

bis 02.04. | #3315ARTatBerlin | Galerie Barbara Wien zeigt ab 12. Februar 2022 das Ausstellungsprojekt Jimmie Durham. texts and recordings als Solo Show.

Der Künstler und Autor Jimmie Durham ist am 17. November 2021 in Berlin gestorben. Der Schock, den diese Nachricht in der Kunstwelt ausgelöst hat, ist enorm, denn Durham war einer der wichtigsten international agierenden zeitgenössischen Künstler und ist ein Vorbild für viele, die sich für politische, wissenschaftliche und ästhetische Fragen gleichermaßen interessieren. Durham hat viele andere Künstler inspiriert und früh komplexe Kommentare zu Themen geliefert, die heute in aller Munde sind, u.a. zum eurozentrischen Blick und dessen Folgen. Als politischer Aktivist hat er sich sein Leben lang für die Rechte indigener Bevölkerungen eingesetzt.
In den 1970er Jahren war Durham Mitbegründer und Vorsitzender des International Indian Treaty Council bei den Vereinten Nationen, wo seine Tätigkeit u.a. zur Erklärung der Rechte der indigenen Völker führte.

Durham war auf vielen Kunstbiennalen präsent, er beteiligte sich mehrfach an der Documenta in Kassel und auch 2022 wird ein Werk von Durham auf der documenta fifteen zu sehen sein. Er erhielt 2016 den Kunstpreis Goslarer Kaiserring, 2019 verlieh die Biennale in Venedig ihm den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk.
Der Direktor der Londoner Hayward Gallery Ralph Rugoff schrieb dazu:

„I have nominated Jimmie Durham for the Golden Lion for Lifetime Achievement of the 58th International Art Exhibition based on his remarkable accomplishments as an artist over the past six decades, and in particular for making art that is at once critical, humorous and profoundly humanistic. Artist, performer, essayist and poet, Durham had his first solo exhibition in 1965 (we should probably be giving him two lifetime awards by this point in time). His generously expansive artistic practice spans many media, including drawing, collage, photography and video, but he is best known for his sculptural constructions, often made from natural materials as well as inexpensive common objects that evoke particular histories.
These sculptures are often accompanied by texts that drolly but incisively comment on Eurocentric views and prejudices. Insistently invoking the limits of Western rationalism and the futility of violence, his work has also frequently made reference to the oppression and misunderstanding of different ethnic populations around the world by colonial powers. Durham typically treats this material without the slightest trace of ponderous gravitas; instead, he forges razor-sharp critiques that are infused with shrewd insight and wit, and that pleasurably demolish reductive ideas of authenticity.”

Rugoff betont zurecht, wie wichtig die Texte von Durham sind, um seine künstlerischen Konzepte zu verstehen. Sie enthalten, wie Rugoff sagt, scharfsinnige Kritiken am Zustand der Welt und sind gleichzeitig große Literatur.

Darauf hinzuweisen ist das Ziel des Ausstellungsprojektes Jimmie Durham. texts and recordings der Galerie Barbara Wien. Ein weiterer Grund, warum diese sich dem Schreiben in Durhams Werk widmet, ist auch in der Geschichte begründet, die die Galerie Barbara Wien mit Durham verbindet. Seit dem Jahr 2000 richtete sie nicht nur vier Einzelausstellung mit ihm aus, sie veröffentlichte auch Durhams Gedichtbände Poems That Do Not Go Together (2012), Particle/Word Theory (2020) und den Vortrag The Usual Song & Dance Routine with a Few Minor Interruptions, den er 2010 in Glasgow hielt, in dem Heft how to write 2 (2013).

In der Ausstellung werden zwei Filme zu sehen sein: eine Lesung aus dem Buch Particle/Word Theory (2020) und ein Mitschnitt des Vortrags, den Durham 2010 in der Glasgow School of Arts hielt. Der Vortrag zeigt wie Durham nicht nur seinen Text vorträgt, sondern wie er das Publikum aktiviert, die im Titel The Usual Song & Dance Routine with a Few Minor Interruptions erwähnten Unterbrechungen einbaut und seine Gedanken spielerisch – eben ohne schwergewichtige Bedeutsamkeit – vermittelt.

Als dritten Beitrag präsentiert die Galerie Barbara Wien Ausschnitte der bisher unveröffentlichten Lesung Poems: Written, Drawn, Selected and Read by Jimmie Durham. Die Aufnahme fand im April 2021 auf Einladung von Sergio Edelsztein (Ediciones Inauditas) in Berlin statt. Durham las aus seinen Büchern Columbus Day (1983), Poems That Do Not Go Together und Particle/Word Theory und unveröffentlichte Gedichte. Die Aufnahme wird im Sommer 2022 als Langspielplatte in einer von Marius Babias und Sergio Edelsztein im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) gegründeten LP-Reihe als Record #1 herauskommen. Einen Text, der Durhams Dichtung in der amerikanischen Literatur verortet, wird der Dichter Ammiel Alcalay im Begleitheft der Schallplatten-Edition veröffentlichen.

ART at Berlin - Courtesy Galerie Barbara Wien - Jimmie Durham Buying Time 1983
Jimmie Durham Buying Time, in Columbus Day, poems & drawings, Albuquerque 1983

Im Nordraum der Galerie wird Pissing in Germany (2012) gezeigt, eine Installation mit Texten zu Reisen, die Durham 2012 machte, um eine Retrospektive in Antwerpen, eine Installation bei der dOCUMENTA (13) in Kassel und eine Skulptur auf der Messe in Basel aufzubauen. Die Anstrengungen, die mit den langatmigen Zugreisen durch langweilige Landschaften verbunden sind, schildert Durham anschaulich und er integriert auch eine Absurdität der Deutschen Bahn, einen 50 Cent-Coupon, den man nach der Benutzung der Toiletten erhält.

Am Ende von Pissing in Germany erfährt man, dass die Reise für Durham nach einem Schlaganfall im Krankenhaus endete. Galerie Barbara Wien rekonstruiert diesen Textraum, den Durham für diese Galerie 2012 entwickelt hat.

Außerdem zeigt sie die Grafikmappe Mäßige Materialfehler, eine Edition, welche die Galerie mit Durham im Jahr 2000 herausgebracht hat. Sie enthält neun Radierungen, die er statt mit den üblichen Radierwerkzeugen mit spitzen Steinen und Glassplittern anfertigte. Das Textblatt der Edition trägt den Titel Meditiation on Work and Language.
Hier geht es, wie oft bei Durham, um die Zusammenhänge von Sprache, Schrift und Bewusstsein:

„Scratching words backwards into a hard surface is an odd experience. It makes clear that written language is
drawing – and that, like stone tools, it comes from work and play.
I think that language does not begin with the desire to name things, but with the need to describe action:
‚Search!, ‚Help!, ‚Run‘, ‚Come‘, ‚Dance‘, ‚Work‘.”

Die Ausstellung soll während der Laufzeit durch verschiedene Beiträge erweitert werden, wofür Galerie Barbara Wien Wegbegleiter von Durham angefragt hat, wie Anne Ellegood (Kuratorin von Durhams Retrospektive At the Center of the World im Hammer Museum, Los Angeles 2017; heute ist Ellegood am Institute of Contemporary Art, Los Angeles als Good Works Executive Director), Bart de Baere (Direktor am M HKA, Antwerpen) und Ammiel Alcalay (Dichter, Wissenschaftler, Kritiker, Übersetzer, lebt in New York).

Ab Sommer bietet die Galerie in der Kunstbuchhandlung die neue Schallplatten-Edition Poems: Written, Drawn, Selected and Read by Jimmie Durham an (n.b.k. Record #1, kuratiert von Sergio Edelsztein, herausgegeben von Marius Babias. Courtesy Neuer Berliner Kunstverein (n.b.k.) und Ediciones Inauditas, 2022). Barbara Wien und das Team der Galerie bedanken sich für die Unterstützung des Ausstellungsprojektes Jimmie Durham. texts and recordings bei Maria Thereza Alves, Ammiel Alcalay, Nick Ash, Marius Babias, Bart de Baere, Rosa Barba, Anne Ellegood, Sergio Edelsztein, Sophie Moiroux, Michael Rakowitz, Kai-Morten Vollmer und Jan Werner.

Vernissage: Samstag, 12. Februar 2022, 11:00 – 16:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 12. Februar – Samstag, 2. April 2022

Zur Galerie

 

 

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