Seit seiner Entstehung prägt der Karneval der Kulturen das kulturelle Selbstverständnis Berlins als Ort der Vielfalt, Begegnung und öffentlichen Aneignung des Stadtraums. Zwischen Feier, politischem Ausdruck und gesellschaftlicher Projektion eröffnet das Ereignis zugleich komplexe Fragen nach Sichtbarkeit, Repräsentation und Zuschreibung. Die Ausstellung, die vom 13.–26. Mai 2026 im Kunstquartier Bethanien (Studio 1) stattfindet, nimmt diese Spannungsfelder zum Ausgangspunkt und untersucht den Karneval als kulturelles Phänomen zwischen Befreiung und Inszenierung.
Ausgangspunkt der Ausstellung ist ein zentrales Paradox: Der Karneval der Kulturen war seit seinen Anfängen 1996 ein Ort der Befreiung, in dem die Straße sich in die größte Bühne der Stadt verwandelt. Körper nehmen Raum ein und dürfen laut sein, und die Community wird zum Mittelpunkt des öffentlichen Lebens. Gleichzeitig hat sich der Karneval als Spiegel eines exotisierenden Begehrens etabliert: ein Fest, in dem sich „Kulturen“ oder schlimmer noch: Nationen präsentieren, und das eine Idee von Authentizität inszeniert, die nicht mehr ist als das Spiegelbild dessen, was …
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Abb. oben: Aus der Serie “Mumienglanz”, © Nancy Torres
