post-title Eduardo Basualdo | FREE WILL | PSM Gallery | 09.06.-01.08.2020

Eduardo Basualdo | FREE WILL | PSM Gallery | 09.06.-01.08.2020

Eduardo Basualdo | FREE WILL | PSM Gallery | 09.06.-01.08.2020

Eduardo Basualdo | FREE WILL | PSM Gallery | 09.06.-01.08.2020

bis 01.08. | #2750ARTatBerlin | PSM Gallery präsentiert ab 9. Juni 2020 die Ausstellung FREE WILL des Künstlers Eduardo Basualdo.

Mit Der freie Wille präsentiert PSM die dritte Ausstellung des argentinischen Künstlers Eduardo Basualdo in den Räumen der Galerie. Der Titel der Ausstellung ist zunächst von der kinetischen Installation Voluntad (spanisch für Wille) inspiriert, die 2019 in Les Abattoirs, Musée – Frac Occitanie Toulouse (F) zu sehen war und nun erstmals in Deutschland zu sehen ist. PSM ließ außerdem eine Installation von 2013 für die Fenster der Galerie neu produzieren. Zu den beiden Installationen wird eine kleine Auswahl bestehender Arbeiten Basualdos in Beziehung gesetzt.

Der freie Wille huldigt auch der Tatsache, dass Galerie und Künstler eine Ausstellung veranstalten, obwohl sie – bedingt durch die Einschränkungen der Coronakrise – die üblichen Anforderungen an eine Einzelausstellung, die Präsentation neuer, ausstellungsspezifischer Arbeiten und die Anwesenheit des Künstlers nicht erfüllen können. Es drängt sich somit auf, den Willen bzw. freien Willen in diesem besonderen Zusammenhang zum Thema zu machen. Gleichzeitig stellt nicht erst eine Pandemie den oft als selbstverständlich angenommenen freien Willen in Frage.

Bereits beim Betreten der Galerie stößt der Besucher auf die zentrale Installation von Eduardo Basualdos Ausstellung: Die Arbeit Voluntad ist ein massives Gittertor, das sich vom Eingang quer durch den ersten Ausstellungsraum langsam hin und her bewegt. In seiner Größe und Beschaffenheit aus dunkel lackiertem Metall erinnert es an Toreinfahrten wie sie zu Sicherheitszwecken eher an Eingängen von gewerblichen und staatlich institutionellen Grundstücken anzutreffen sind. Aus dem Außenraum solcher Kontexte in den Innenraum einer Kunstgalerie verfrachtet wirkt das Tor deplatziert, jedoch nichtsdestoweniger abschreckend.

Gleichzeitig scheinen Innen- und Außenraum vertauscht. Die zwischen den zwei Ausstellungsräumen angelegte Absperrung ist jedoch keine Barriere, denn das Tor gibt immer die Hälfte der Grenze, die es zieht, frei. Es ist eine mobile, poröse Grenze, der wir uns konfrontiert sehen und die somit einer gewissen Absurdität nicht entbehrt. Basualdo geht es – dem Absurden nicht fremd – jedoch um eine Bewusstwerdung eben jener Porosität von Grenzen. Dafür gibt es im vergangenen wie aktuellen Weltgeschehen genug Beispiele. Basualdo spielt jedoch auch auf Grenzöffnungen, -schließungen und -verschiebungen auf der Ebene subjektiven Erlebens, zwischenmenschlicher Beziehungen und somit sozialer, letztlich politischer Prozesse an. Seine Arbeiten machen darauf aufmerksam, dass über binären Erklärungsschemata von Exklusion und Inklusion hinaus nichts bleibt wie es ist.

Allein dem Begriff Voluntad wohnt jener der Freiheit inne und Basualdos Installation verweist sowohl auf die äußere, körperliche als auch die mit ersterer stets verbundenen inneren Freiheit des Individuums. Indem sie sich mit der Porosität von Grenzen auseinandersetzen, stellen Basualdos Werke auch die Frage nach der Freiheit des Willens und dessen Grenzen als sich ebenfalls dynamisch verändernden, stets durchlässigen Markierungen. Dies führt wiederum in einem weiteren Gedankenschritt zum Themenkomplex Macht und Kontrolle. Bereits im Titel der ersten Ausstellung, in der Voluntad zu sehen war – Capital [dt.: Kapital(e)] (2016) – wurde dies ausdrücklich angesprochen. Zu dieser Ausstellung schrieb damals Marisol Rodriguez:

Das Wort ‚Kapitale‘ wird etymologisch vom lateinischen caput abgeleitet, was ‚Kopf‘ bedeutet im Sinne von dem obersten Teil eines belebten Körpers. Als Köpfe ihrer jeweiligen Länder tun sich die Kapitalen, die Haupt-städte, heutzutage schwer, mit ihren Körpern in Kontakt zu bleiben, weil veraltete, verkrustete Strukturen die einzelnen Gliedmaßen voneinander trennen und die gegenseitige Erfahrung eher bedrohen als schützen. Da Eduardo Basualdo erkennt, dass eine solche Kontrolle in einer Zeit extremer Porosität sinnlos ist, lädt er den Betrachter ein, die Aufregung und Desorientierung zu erleben, die entstehen, wenn solche Grenzen aufgehoben werden.
(“Eduardo Basualdo, Capital”, Ausstellung in der VNH Gallery, Paris, 2016)

Wie Voluntad agiert auch die Installation Eyelids in mehrfacher Hinsicht performativ: an den drei Fenstern der zwei Ausstellungsräume wird der Blick des Betrachters durch semitransparente Vorhänge im Innenraum getrübt und durch die dichteren Vorhänge an den Außenseiten der Fenster erst dann frei gegeben, wenn sich diese im Wind bewegen. Von außen betrachtet sind die Eyelids zunächst eine Intervention in die Architektur und wie bei Voluntad findet auch hier eine absurd komische Vertauschung von Innen- und Außenraum statt. Tatsächlich lassen sich diese doppelten Augenlider aus mehreren Perspektiven betrachten: Versteht man den Ausstellungsraum körperlich als Kopf bzw. Inneres, in dem sich die Grenzen etwa unseres Willens in steter Bewegung befinden, kann man die inneren Vorhänge als Membran unserer Selbstwahrnehmung denken – in einem Zustand der Versenkung oder der Erblindung, des Bei-sich-Seins oder des Ausgesetzt-Seins den Launen der Außenwelt (nicht nur des Wetters). Umgekehrt thematisieren die Eyelids auch den Blick von außen nach innen – den Blick anderer Menschen und was sie in uns erblicken, was wir sichtbar werden lassen, inwiefern wir uns der Welt öffnen und schließen.

Dank der Eyelids richtet die Ausstellung Der freie Wille den Blick eher nach Innen. Im Fokus steht der Zustand unserer inneren Grenzen sowie deren Auswirkungen auf die geistige und moralische Verfassung des Individuums und dessen Potenzial, die Freiheit durch Wollen und Willensakt zu erlangen. Die Voluntad wortwörtlich einschließenden Eyelids innerhalb und außerhalb des Galerieraums schaffen eine Atmosphäre der Kontemplation, wenn nicht der Introspektion – kann dies ein Zufall sein zu Zeiten eines kollektiven, unfreiwilligen Lockdowns?

Soft opening: Samstag, 6. Juni 2020, 12:00 – 18:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Dienstag, 9. Juni – Samstag, 1. August 2020

Zur PSM Gallery

 

Bildunterschrift: Eduardo Basualdo, Voluntad (Detail), 2016, Metal gate, motor, rail; 220 x 985 x 160 cm, Photo: Philippe Servent

Ausstellung FREE WILL – PSM Gallery | Zeitgenössische Kunst in Berlin | Contemporary Art | Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin

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