post-title FRANEK | Ist hier ein Nashorn im Raum? | KLEINERVONWIESE | 01.05.-30.06.2021

FRANEK | Ist hier ein Nashorn im Raum? | KLEINERVONWIESE | 01.05.-30.06.2021

FRANEK | Ist hier ein Nashorn im Raum? | KLEINERVONWIESE | 01.05.-30.06.2021

FRANEK | Ist hier ein Nashorn im Raum? | KLEINERVONWIESE | 01.05.-30.06.2021

bis 30.06. | #3067ARTatBerlin | KLEINERVONWIESE präsentiert derzeit die Einzelausstellung IST HIER EIN NASHORN IM RAUM? mit Werken der Künstlerin FRANEK.

Es ist die vierte Ausstellung am neuen Zufluchtsort der Galerie im sogenannten „Triangel“ am Checkpoint Charlie in Berlin-Mitte. Seit Anbruch des über alle überraschend hereingebrochenen Corona-Zeitalters mit diversen privaten und gesellschaftlichen Zerreißproben aller Art ist die weitere Tätigkeit der Galerie in der Friedrichstrasse 204 nur durch das großzügige Angebot dieses Schutzraumes möglich.

FRANEK ist Malerin, Zeichnerin, Grafikerin. Plastiken, Fotos, Filme und Aufzeichnungen ergänzen ihr Werk.

„Sie ist eine der einfallreichsten und eigenwilligsten bildenden Künstlerinnen der Gegenwart.“

L. Zerull

Die Einzelausstellung anlässlich des Berliner Gallery Weekends 2021 zeigt u.a. Arbeiten aus dem Corona-Tagebuch der Künstlerin. Ganz nonchalant stellt FRANEK hier und überhaupt die alte Kontroverse nach Sichtbarkeit und Wahrnehmung auf die Probe: Wenn man Bilder anschaut, sieht man Dinge, die sichtbar sind und doch nirgendwo sonst existieren. Jedes Bild trägt das Paradox  einer anschaulichen Abwesenheit aus. Jedes Bild ist ein Störfall, eine Unterminierung der Normalität. …
Tiere, Elfenwesen, Kojoten spielen und erspielen ihre Geschichten, mit offenem Ausgang. Nie verfestigen sich die Bildchiffren zu einsinniger Sicht – wie bei Wittgenstein bleibt die Frage wichtiger als die Antwort.
Immer aber findet die Phantasie, die Imaginationskraft der Künstlerin ihr Echo in dem mit Phantasie begabten Betrachter – die Gabe der Phantasie ist die Brücke, die beide miteinander verbindet, die Zwischenräume des Wirkens auffächert und weitet. …

Im Bilde zu sein ist ein Prozess, der die Einbildungskraft und die geheimsten Momente des Selbstverständnisses dessen, der sich auf das Bild einlässt, mobilisiert und aktiviert.

Dorothée Bauerle-Willert

„Zu Beginn des 20. Jahrhundert entspann sich zwischen Bertrand Russel und Ludwig Wittgenstein eine berühmt gewordene Debatte: Die Diskussion um das Nashorn im Raum befragt die Möglichkeit objektiv gültiger Aussagen. Wittgenstein benutzte in dieser Kontroverse allerhand semantische Tricks, um den empirisch denkenden Russel davon zu überzeugen, dass er die An- oder Abwesenheit des Tieres eben nicht beweisen könne.

Bei FRANEK ist das Nashorn da. Auf einem vielfach geschichteten, unbestimmten Bildraum tanzt, stürmt es auf ein aus der Malerei auftauchendes Mädchen mit Zauberstab zu. Ganz
nonchalant stellt Franek hier und überhaupt die alte Kontroverse nach Sichtbarkeit und Wahrnehmung auf die Probe: Wenn man Bilder anschaut, sieht man Dinge, die sichtbar sind und doch nirgendwo sonst existieren. Jedes Bild trägt das Paradox einer anschaulichen Abwesenheit aus. Jedes Bild ist ein Störfall, eine Unterminierung der Normalität. Seit jeher stellt die Kunst unsere Wahrnehmung auf die Probe, spielt, erspielt die Ambivalenz zwischen Realität und Täuschung, zwischen Gegenstand und Einbildung. Es ist ja ein durchaus eigentümlicher Befund, dass das Kunstwerk eine anschauliche Abwesenheit herstellt, dass etwas gezeigt wird, was so gar nicht (da) ist. Schein und Sein bilden im Kunstwerk eine merkwürdige Liaison. Präsenz und Absenz sind in der Kunst zugleich im Dialog und im Widerstreit.

Ganz aus der Malerei entwickelt, halten FRANEK Bilder doch in jedem Augenblick, gleichsam subkutan, die Beziehung zur kritischen Reflexion präsent, führen hinein in die Kunst, in ihren Imaginationsraum, der etwas noch nie Dagewesenes zur Anschauung bringt und zugleich hin zu der Welt: Diese Bilder fordern auf, sich selbst ein Bild zu machen. Wenn in FRANEKs Corona-Tagebuch auf heiteren gelb-leuchtenden Bildräumen wundersame DistanzBegegnungen zwischen unterschiedlichen Tieren, zwischen Menschenwesen stattfinden, beäugt vom schwebenden Virus, stellt sich die Frage nach der Evidenz, nach den Bildern im Kopf, nach Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit noch einmal anders und neu. Die Realität dieser Bilder ist dann die Aktualisierung der Virtualität jeder bildlichen Darstellung, wenn wir daran denken, dass actualitas ja Wirksamkeit heißt: Wirklichkeit als Wirksamkeit.

In FRANEKS Bildern geht es immer um die Produktivkraft der Bilder, um die Zauberkraft der Magie, der Imagination, um die Kraft des Hervorbringens und Verschwindens. Diese Arbeiten sind narrative Assoziationsfelder, phantastische Gebilde, die sich aus unterschiedlichen Erinnerungspartikeln, aus dem Leben, aus Literatur oder Film, zusammensetzen. FRANEK lässt sich affizieren, zu produktiven Mesalliancen verführen. Ihre Dinge entwickeln sich zwischen Influence und Influenza – und geben dem schweifenden Auge vieles: Gesehenes, Ungesehenes, nie Gedachtes, Verruchtheit und Unschuld, Werden oder Verderben, exquisite Farben, wundersame Formen. Tiere, Elfenwesen, Kojoten spielen und erspielen ihre Geschichten, mit offenem Ausgang. Nie verfestigen sich die Bildchiffren zu einsinniger Sicht – wie bei Wittgenstein bleibt die Frage wichtiger als die Antwort. Immer aber findet die Phantasie, die Imaginationskraft der Künstlerin ihr Echo in dem mit Phantasie begabten Betrachter – die Gabe der Phantasie ist die Brücke, die beide miteinander verbindet, die Zwischenräume des Wirkens auffächert und weitet. Im Bilde zu sein ist ein Prozess, der die Einbildungskraft und die geheimsten Momente des Selbstverständnisses dessen, der sich auf das Bild einlässt, mobilisiert und aktiviert.“

Dorothée Bauerle-Willert

ART at Berlin - Courtesy KLEINERVONWIESE - FRANEK 2020
Ist hier ein Nashorn im Raum?, 2021, Mischtechnik auf Leinwand,163 x 306 cm, 24.000 EUR

Tagesspiegel-Artikel zur Ausstellung:

vom 30. Januar 2021

vom 5. Juni 2021

FRANEK ist Malerin, Zeichnerin, Grafikerin. Plastiken, Fotos, Filme und Aufzeichnungen ergänzen ihr Werk. Nach dem Studium an der Hochschule für Bildende Künste (heute Universität der Künste) bei Fred Thieler arbeitete sie in den 70er und 80er Jahren im indianischen Kulturbereich: Mexico, Guatemala, Honduras – Mayaprojekt. In der Wüste von Nazca (Peru) assistierte sie der Mathematikerin Maria Reiche bei der Vermessung von Spiralen – Nazcaprojekt. Bei den Lakota (Sioux), Rosebud Reservation USA, zeichnete sie für das Übersee-Museum Bremen die Rituale auf. FRANEK lehrte an der Hochschule der Künste Berlin, Akademie für Industriedesign und Kunst in Helsinki und Lahti, an der Hochschule für Künste Bremen.
Die erste Einzelausstellung fand 1968 in der legendären Galerie Pels-Leusden in Berlin statt. Weitere folgten u.a. im Übersee-Museum Bremen, im Neuen Berliner Kunstverein, Märkischen Museum Witten, Heidelberger Kunstverein, Goethe – Institut Los Angeles, Museum Junge Kunst Frankfurt (Oder), Kubus und Galerie vom Zufall und vom Glück Hannover, Schloss Salder Salzgitter, Kunstraum Potsdam, Kommunale Galerie Berlin, Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr, sowie in Galerien und Kunstvereinen in Deutschland, Österreich, Frankreich, Finnland, Ungarn und den USA. FRANEK war mit dem Künstler Eduard Franoszek (1935 – 1995 +) verheiratet, mit dem sie eine Tochter und einen Sohn bekam. Ihre Tochter Nina Franoszek lebt als Schauspielerin in Berlin und und Los Angeles, ihr Sohn Tobias Franoszek ist Softwareentwickler in den USA. FRANEK lebt in Berlin und Radegast (Sachsen-Anhalt).

Werke in öffentlichem Besitz und Sammlungen

FRANEKs Werke wurden in diversen Museumsausstellungen gezeigt und sind in vielen Sammlungen vertreten. Werke der Künstlerin hängen im Deutschen Bundestag Berlin, befinden sich u.a. in der Sammlung der Bundesrepublik Deutschland, der Sammlung Preußischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett Berlin, Auswärtiges Amt Berlin, Berlinische Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur Berlin, Märkisches Museum Berlin, Sprengel Museum Hannover, Märkisches Museum Witten, Haus der Kunst München, Kunsthalle Bremen, Museum für Junge Kunst Frankfurt/Oder, Städtische Kunstsammlungen Salzgitter, Städtisches Museum Mülheim an der Ruhr, Kunstsammlung des NDR, Hamburg, Bezirksregierung Lüneburg, Land Niedersachsen Hannover, DePfa-Bank AG, Wiesbaden, Kreditanstalt für Wiederaufbau, BHF Bank (Hannover, Frankfurt, Zürich), Berliner Volksbank, Sparkasse Lüneburg, VGH Hannover, Kulturstiftung Lüneburg, Sammlung Haniel Duisburg, Sammlung Iduna Nova, Hamburg, Lahden Taidemuseo Lahti Finnland, Djerrassi Foundation USA und in Privatsammlungen in Europa, Australien und USA.

Ausstellungsdaten: Samstag, 1. Mai bis Mittwoch, 30. Juni 2021, Sa + So / 15 – 18.00 Uhr und nach Vereinbarung

WO? Am Triangel, Friedrichstraße 204, 10115 Berlin-Mitte

Zur Galerie

 

 

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Ausstellung Franek – KLEINERVONWIESE | Zeitgenössische Kunst – Contemporary Art – Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin

 

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