post-title Chunqing Huang | Painter’s Portrait | 68 projects | 15.01.-26.02.2022

Chunqing Huang | Painter’s Portrait | 68 projects | 15.01.-26.02.2022

Chunqing Huang | Painter’s Portrait | 68 projects | 15.01.-26.02.2022

Chunqing Huang | Painter’s Portrait | 68 projects | 15.01.-26.02.2022

bis 26.02. | #3281ARTatBerlin | 68 projects zeigt ab 15. Januar 2022 die Ausstellung Painter’s Portrait der Künstlerin Chunqing Huang.

„Painter’s Portrait“ überschreibt die in Frankfurt am Main lebende Künstlerin Chunqing Huang eine Werkgruppe, die im Januar 2022 ihre Berlinpremiere in 68projects erlebt. Porträts von Malern sollen die Bilder sein, die die Künstlerin seit 2016 auf 40 x 30 cm große Leinwände malt. 100 Werke sollen es werden, etwa 80 sind bislang entstanden. Ein erster Teil der Serie wurde im vergangenen Sommer in der Kunsthalle und im Museum Wiesbaden ausgestellt, 30 neue Werke sind ab dem 15. Januar 2022 in 68projects unter dem Titel „Painter’s Portrait II“ zu sehen.

Chunqing Huangs „Painter’s Portraits“ sind abstrakt. Leuchtende Farben wechseln mit zarten oder gedeckteren Tönen, helle, farbenfrohe Bilder stehen neben düsteren Gemälden, Bilder mit nervös über die Leinwand verteilten Tupfen, Pinselhieben oder Linienknäueln werden kontrastiert durch solche mit klaren, definiert gesetzten Linien. Einige Werke wirken chaotisch, auf anderen dagegen herrscht beinahe meditative Ruhe und Ausgewogenheit. Es gibt Ähnlichkeiten und Verwandtschaften der Werke untereinander, aber kein Bild gleicht dem anderen. Jedes „Maler*innenporträt“ von Chunqing Huang zeigt eine andere Stimmung, einen eigenen Gestus, einen individuellen Farbklang. Kurz: es scheint, als wollte Chunqing Huang auf ihren „Painter’s Portraits“ das gesamte Vokabular vornehmlich gestisch-expressiver Abstraktion durchexerzieren – von Jawlensky bis Rothko, von Kandinsky zu Jackson Pollock, von Deutschland in die USA und wieder zurück nach Europa.

ART at Berlin - courtesy of 68 projects - Chunqing Huang - Irma Stern Painters Portrait 2021
Irma Stern (Painter’s Portrait), 2021, Öl auf Leinwand, 40 x 30 cm

Die Titel der Bilder benennen, welche*r Maler*in von Chunqing Huang im jeweiligen Bild porträtiert wird: Claude Monet, Paul Cézanne, Marcel Duchamp, Johannes Itten, Francis Bacon, Imi Knoebel oder Louise Bourgeois, um nur ein paar Namen zu nennen. Gleichwohl sind ihre Maler*innenporträts keine Abbilder. Sie zeigen uns nicht, wie die Porträtierten aussehen, sondern verdichten vielmehr die Essenz und damit das, was den Bildern der jeweiligen Maler*in eigen ist. Die „Painter’s Portraits“ von Chunqing Huang dringen so zum Wesenskern der Malerei vor, sie entschlüsseln die DNA, die den Werken der porträtierten Maler*innen eigen ist und verdichten diese in einem einzigen Bild.

Indem sie aus der Erinnerung ihr Verhältnis, oder vielmehr ihre Vorstellung und ihre inneren Bilder von der Kunst der von ihr Porträtierten in einem einzigen, eher kleinformatigen Bild konzentriert, spielt sie ein Spiel mit uns, den Betrachter*innen dieser Bilder. Chunqing Huangs Maler*innenporträts zeigen uns nämlich nicht nur, wie die Künstlerin die jeweils porträtierte*n Maler*innen sieht, sie fragen uns gleichzeitig auch nach unserem Bild derselben. Stimmt dieses überein mit den Wahrnehmungen und Empfindungen von Chunqing Huang? Können wir erraten oder vielleicht sogar mit sicherem Urteil benennen, wer auf einem Bild porträtiert wurde?

ART at Berlin - courtesy of 68 projects - Chunqing Huang - Louise Bourgeois Painters Portrait 2020
Louise Bourgeois (Painter’s Portrait), 2020, Öl auf Leinwand, 40 x 30 cm

Ulf Erdmann Ziegler, Autor und Kurator der Ausstellung in Wiesbaden, benennt diese Eigenheit der Maler*innenporträts von Chunqing Huang, wenn er schreibt:

„Es handelt sich um einen Akt der Aneignung, den man sowohl dreist als auch anschmiegsam nennen könnte … ‘Painter’s Portrait’ ist eine Arbeit aus dem Gedächtnis; oder für das Gedächtnis; oder am Prozess der Erinnerung. So wie sie [Chunqing Huang] sich einige Tage an Manet erinnert – also an alles, was sie je von ihm gesehen hat –, wendet sie sich an einem anderen Arbeitstag Adolph Menzel zu. Oder Max Liebermann. … Dabei schaut sie nicht darauf, was die Malerin sieht, was den Maler umtreibt; sie führt den Pinsel so, wie ihr Modell ihn geführt haben würde. Das Modell ist ein inneres. … Man beginnt zu ahnen, dass der Bezug des einen Gemäldes der Serie zum anderen viel wichtiger sein könnte als der Name, auf den das jeweilige Portrait gemünzt ist.“*

Chunqing Huangs Maler*innenporträts sind demnach Kunst über Kunst, sie sind Bilder über andere Bilder, angeregt durch das Studium der Werke vieler unterschiedlicher Künstler*innen durch Chunqing Huang. Gemalt von einer mit dem Pinsel dichtenden Künstlerin, die während des Malens in die Haut eine*r anderen schlüpft und fragt, was wäre wenn…? Was wäre, wenn ich als Claude Monet, als Francis Bacon, als Anselm Kiefer, als Irma Stern ein abstraktes Bild malte und dabei doch immer auch ich selbst bliebe?

Die Serie ist somit einerseits Chunqing Huangs persönliche Geschichte der Malerei seit dem Impressionismus und gleichzeitig ein Überblick über die unterschiedlichen Modi vornehmlich expressiver Strömungen abstrakter Malerei.

Zur Ausstellung „Painter’s Portrait II“ erscheint ein Katalog, ca. 50 Seiten, mit farbigen Abbildungen aller Werke.

ART at Berlin - courtesy of 68 projects - Chunqing Huang - Marc Chagall Painters Portrait 2020
Marc Chagall (Painter’s Portrait), 2020, Öl auf Leinwand, 30 x 40 cm

Chunqing Huang wurde 1974 in Heze in China geboren. Nach einem Studium der freien Grafik und Malerei an der Central Academy of Fine Arts in Beijing, das sie mit einem Bachelor abschloss, studierte sie an der Städelschule u.a. bei Wolfgang Tillmans, Peter Angermann und Hermann Nitsch, dessen Meisterschülerin sie war. Ihre Werke wurden in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Museen und Galerien in Asien, Europa und in den USA gezeigt. Die Serie „Painter’s Portrait“ wurde im Sommer 2021 in einer gemeinsamen Ausstellung in der Kunsthalle und im Museum Wiesbaden gezeigt, kuratiert von Ulf Erdmann Ziegler.

*zitiert nach: Ulf Erdmann Ziegler: „Was man lässt, und was man tut“, in: Kunst über Kunst. Chunqing Huang: Painter’s Portrait, Ausst.-Kat. Kunsthalle im Kunsthaus, Wiesbaden 2021, S. 7/8.

Vernissage: Samstag, 15. Januar 2022, 12:00 – 19:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 15. Januar – Samstag, 26. Februar 2022

Zur Galerie

 

 

Bildunterschrift Titel: Johannes Itten (Painter’s Portrait), 2021, Öl auf Leinwand, 30 x 40 cm

Ausstellung Chunqing Huang – 68 projects | Zeitgenössische Kunst Berlin Galerien | ART at Berlin

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Meisterwerke in Berlin

Viele beeindruckende Meisterwerke der Kunst aller Epochen können Sie in den Berliner Museen besuchen. Aber wo genau findet man Werke von Albrecht Dürer, Claude Monet, Vincent van Gogh, Sandro Botticelli, Peter Paul Rubens oder die weltberühmte Nofretete? Wir stellen Ihnen die beeindruckendsten Meisterwerke der Kunst in Berlin vor. Und leiten Sie mit nur einem Klick zu dem entsprechenden Museum. Damit Sie Ihr Lieblingsmeisterwerk dort ganz persönlich live erleben und in Augenschein nehmen können.

Lädt…
X
X
 
Send this to a friend