post-title Franziska Klotz | Einzelausstellung | Galerie Kornfeld | 15.01.-26.02.2022

Franziska Klotz | Einzelausstellung | Galerie Kornfeld | 15.01.-26.02.2022

Franziska Klotz | Einzelausstellung | Galerie Kornfeld | 15.01.-26.02.2022

Franziska Klotz | Einzelausstellung | Galerie Kornfeld | 15.01.-26.02.2022

bis 26.02. | #3280ARTatBerlin | Galerie Kornfeld zeigt ab 15. Januar 2022 eine Einzelausstellung mit neuen Arbeiten der Künstlerin Franziska Klotz.

Von eigenen Beobachtungen, Gedanken und Empfindungen angeregt, destilliert die Berliner Malerin Franziska Klotz aus der Bilderflut unserer Medienwelt zeitgenössische Historienbilder, die der Auseinandersetzung mit dem Motiv und den existenziellen Fragen des Seins ebenso verpflichtet sind wie den Mitteln der Malerei selbst. In ihren neuen Werken, die am 15. Januar 2022 in der Galerie Kornfeld ihre Premiere erleben, beschäftigt sie sich mit der Begegnung zwischen dem Ich und dem Kollektiv einer Gesellschaft und legt dabei den Fokus auf die soziale, physische und psychische Verletzbarkeit des Menschen.

Aktuelle politische und gesellschaftliche Ereignisse, gefiltert durch die Lektüre von Thomas Hobbes‘ Schrift „Leviathan or the Matter, Forme and Power of a Commonwealth Ecclesiasticall and Civil“, sind der thematische Rahmen einer Gruppe von Bildern, Menschenmengen bei Demonstrationen ihr Motiv. Demonstrierende und staatliche Ordnungskräfte lassen sich ebenso wie Schilde, Körper und einzelne Bewegungen meist nur schemenhaft ausmachen. Ein heller Spalt teilt die Menschenmassen in zwei Gruppen. Themen wie Macht und Ohnmacht, Individuum und Masse, Angst, Gewalt und Gegengewalt oder Staat und Gesellschaft stehen im Fokus.

ART at Berlin - Courtesy of Galerie Kornfeld - Franziska Klotz Leviathan II 2021
Leviathan II 2021, Öl und Sprühfarbe auf Leinwand, 200 x 190 cm

Auch formal arbeiten diese Werke mit Gegensätzen: Dunkel gegen Hell, Kalt gegen Warm, Form gegen Farbe, Definiertes gegen Amorph-Chaotisches. Im Bild „Leviathan II“ werden wir unmittelbar mit dem Geschehen auf der Leinwand konfrontiert. Bei den anderen Werken sind die Personen und Personengruppen durch eine Struktur von uns getrennt, die an eine berstende Glasscheibe denken lässt. Löcher in der Glasscheibe, die sich wie eine durchsichtige Membran zwischen uns und das Bildgeschehen schiebt, wirken wie Einschusslöcher. Was bedeutet das für unseren Standpunkt? Sind wir draußen? Und wenn ja: sehen wir das Geschehen dann klarer? Oder fehlt uns nun erst recht die Übersicht?

Diese Bilder mit ihren gesichtslosen Figurengruppen werden kontrastiert durch Darstellungen von Mädchen – alleine und meist in Innenräumen. Scheinbar zufällige Momente, die aber ebenso sorgfältig inszeniert werden, wie das offensichtlich Zurschaugestellte. Vordergründig geht es bei diesen Werken nicht um Masse, Gesellschaft oder Staat, sondern um Mädchen in der Adoleszenz. Um junge Individuen und wie sich diese in den Hallräumen der diversen Social Media-Plattfomen bewegen. Jede für sich, aber alle verbunden durch dieselben Ängste, Zweifel und Unsicherheiten.

„What’s wild to you“ ist eines dieser Bilder überschrieben. Es zeigt ein Mädchen in einem gelben Hoodie, den Körper zurückgezogen in die Kleidung, kontrastiert und ergänzt durch das Flächig-Florale eines Sessels. Vor allem aber: aktiv-gestaltend, wie der aufmerksame, fordernd-bohrende Blick zeigt: Ich weiß genau, dass Du schaust – aber Du schaust zu meinen Bedingungen.

ART at Berlin - Courtesy of Galerie Kornfeld - Franziska Klotz - What s wild you 2021
What’s wild you, 2021, Öl auf Leinwand, 120 x 100 cm

„Wanda / Pumpkin Girl“, so der Titel eines zweiten Werks, zeigt ein Mädchen in einer Raumecke. Sie sitzt auf dem Boden, verstreut um sie liegen die Trümmer des titelgebenden Kürbisses, den sie mit ausholender  Geste zum Mund führt. Das Bild scheint eine lustvolle Inszenierung von Maßlosigkeit und überschreitet ganz bewusst Grenzen. Auch in diesem Werk findet sich der (heraus)fordernde Blick: das „Pumpkin Girl“ ist eben nicht ein selbstvergessenes Kind, das einfach genießt. Es weiß genau, was es tut, und es tut dies im vollen Bewusstsein dieses Wissens. Sein Blick ist Aufforderung und Vergewisserung zugleich. Nicht nur „Schau genau hin!“, sondern auch „Schaust Du auch wirklich?“

Ausgangsmaterial für diese Bilder sind Selbstinszenierungen junger Mädchen, die diese in virtuellen Räumen subkultureller Gruppen teilen: „Trotz der äußerlichen Verschiedenheiten jener Heterotopien“, so die Künstlerin“, deutet die Gemeinsamkeit des Zurschaustellens der verletzten Hüllen auf die Funktion dieser Räume: sie dienen als Fluchtorte, in denen das Verhältnis des Ich zum Körper und analog zum sozialen Gefüge (…) ‘gespielt’ wird, und somit auch als Wartezimmer zum Eintritt in die Erwachsenenwelt.“ Schüchtern und extrovertiert zugleich suchen die Mädchen im scheinbar geschützten virtuellen Raum ihrer Gruppe nach ihrem Platz in der Gesellschaft und testen dabei Grenzen und Normen aus – ihre eigenen ebenso wie die, die ihnen von Staat und Gesellschaft auferlegt werden.

ART at Berlin - Courtesy of Galerie Kornfeld - Franziska Klotz - Linda 2021
Linda, 2021, Öl auf Leinwand, 100 x 80 cm

Franziska Klotz (*1979 in Dresden) wurde mit dem Max-Ernst-Stipendium der Stadt Brühl ausgezeichnet und arbeitete auf Einladung des Goethe-Institutes 2015 und 2018 für mehrere Monate als Stipendiatin der Deutschen Kulturakademie Tarabya in Istanbul.

Ihre Werke werden weltweit ausgestellt, beispielsweise auf der 4. Internationalen Biennale für junge Kunst in Moskau 2014, bei der Ausstellung „BALAGAN!! Contemporary Art from the Former Soviet Union and Other Mythical Places“ in der Stiftung Brandenburger Tor in Berlin 2015, beim 56. Oktober-Salon in Belgrad 2016 und im Fanø Art Museum in Dänemark 2017. 2018 wurden ihre Werke bei der Präsentation der Stipendiaten der Kulturakademie Tarabya im Hamburger Bahnhof ausgestellt, 2019 widmete ihr das Kulturforum Schorndorf die Ausstellung „Ölregen“ und 2021 waren ihre Werke im Rahmen der Ausstellung „Studio Bosporus – Festival 10 Jahre Kulturakademie Tarabya“ im Kunstraum Kreuzberg in Berlin zu sehen.

Vernissage: Samstag, 15. Januar 2022, 12:00 – 19:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 15. Januar – Samstag, 26. Februar 2022, Di – Sa 11:00 – 18:00 Uhr

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