post-title BUFFERS | von und mit Hannes Schmidt | Schiefe Zähne @Contemporary Fine Arts (CFA Berlin) | 29.03.-24.04.2021

BUFFERS | von und mit Hannes Schmidt | Schiefe Zähne @Contemporary Fine Arts (CFA Berlin) | 29.03.-24.04.2021

BUFFERS | von und mit Hannes Schmidt | Schiefe Zähne @Contemporary Fine Arts (CFA Berlin) | 29.03.-24.04.2021

BUFFERS | von und mit Hannes Schmidt | Schiefe Zähne @Contemporary Fine Arts (CFA Berlin) | 29.03.-24.04.2021

bis 24.04. | #3007ARTatBerlin | Die Berliner Galerie Schiefe Zähne zeigt derzeit in den Räumen von Contemporary Fine Arts die Gruppenausstellung BUFFERS.

CFA freut sich, eine Ausstellung der ebenfalls in Berlin ansässigen Galerie Schiefe Zähne zu präsentieren. Gerne stellt CFA einer der jüngsten und ambitioniertesten Programm-Galerien der Stadt ihre Struktur zur Verfügung. Dabei geht es nicht nur darum, erweiterte räumliche Möglichkeiten für Schiefe Zähne zu schaffen. Vielmehr liegt das gemeinsame Interesse darin, in einer ungewöhnlichen Situation durch unerwartete Schritte neue Lesarten zu eröffnen und die Leute buchstäblich dazu zu ermuntern, neue Wege zu gehen, wo die alten sich oftmals als Einbahnstraßen herausstellten. Gerade die Unterschiedlichkeit der programmatischen Ansätze, wie auch des jeweiligen Publikums, ist dabei weniger Hinderungsgrund als vielmehr Motivation und Anlass dieser Zusammenkunft.

… He wear no shoe shine
He got toe jam football
He got monkey finger
He shoot Coca Cola
He say I know you, you know me
One thing I can tell you is you gotta be free

Come together, right now, over me … (John Lennon)

BUFFERS
 
Victoria Colmegna, Tom Humphreys, Lukas Quietzsch, Richard Sides, Philipp Simon, Lise Soskolne, Angharad Williams

Die Ausstellung Buffers vereint Arbeiten einer Reihe von Künstler*innen, die zuvor in Einzelausstellungen bei Schiefe Zähne gezeigt wurden, mit Werken von Lise Soskolne und Victoria Colmegna.

Viele der ausgewählten Arbeiten erinnern direkt oder indirekt an Elemente des öffentlichen Raums – Außenwerbung, Straßenbeleuchtung, Unterführungen, Autobahnschilder oder Drehtüren. Ihr vorübergehend gemeinsamer Anlass in dieser Ausstellung ist das modulare Konstrukt eines szenischen Gesamtbilds. Mit knappem illusorischem Charakter spiegelt sich hier eine Welt, die sich immer weiter in unterschiedlichste Fiktionalisierungen auflöst.

Groteske Überzeichnungen sozialer und politischer Begebenheiten, wie sie beispielsweise in der Zeichentrickserie South Park zu finden sind, werden durch das Reale mitunter weit in den Schatten gestellt. Aus einer hier deutlich werdenden Tendenz ergeben sich wiederum Fragen bezüglich des Verhältnisses von Realität, Fiktion und der sie verbindenden Bild- und Informationsebenen.

Entkoppelten Wahrheitsbegriffen setzt die Ausstellung eine ihrerseits entgleiste Reihe von Zeichen-, Bild- und Referenzsystemen entgegen. Die modellhafte Mimesis struktureller Gegebenheiten erzeugt hierbei Raum für Dekonstruktion, ironische Überformung und andere Formen verzerrter Spiegelungen des Realen.

Trotz gemeinsamer Bezüge der Arbeiten zum Öffentlichen, sind die Ansätze der einzelnen Positionen inhaltlich wie formal unterschiedlich. Dabei kann diese Vielfältigkeit künstlerischer Ansätze in ihrer Gegenüberstellung als eine unfreiwillige Reproduktion einer Vielzahl gesellschaftlicher Wahrnehmungsblasen gelesen werden. Die Ausstellung Buffers findet somit in einem Spannungsfeld zwischen den einzelnen Imaginationsräumen der Arbeiten einerseits und – in ihrer Gesamtheit – als Abbild der Zergliederung verschiedener Auffassungen von Realität statt.

Schiefe Zähne ist eine Künstler-betriebene Galerie die 2017 von Hannes Schmidt in Berlin gegründet wurde. Ausstellungen bei SZ wurden vielfach in der internationalen Presse besprochen (z.B. Frieze, Texte zur Kunst, Artforum). Ebenso hat die Galerie an verschiedensten Gallery-share Projekten teilgenommen und wurde im letzten Jahr zu einer institutionellen Ausstellung zum Thema Künstler*innen-betriebene Galerien nach Tokyo eingeladen. In diesem Jahr ist SZ erstmals mit einer Ausstellung von Richard Sides (Ars Viva Preis-träger 2020) beim Gallery Weekend Berlin vertreten.

ART at Berlin - Courtesy of Schiefe Zaehne and CFA Berlin - Tom Humphreys

Tom Humphreys, Untitled 2014, Fliesen, Keramik-Transferdruck,
181 x 91 x 3,5 cm | 71 1/4 x 35 3/4 x 1 1/3 in 

VICTORIA COLMEGNA *1986, lebt und arbeitet in Buenos Aires

“Ich hatte ein Haus außerhalb der Stadt als Atelier gemietet. Die Installation am Pool war eine private Installation ohne irgendeine Öffentlichkeit. Ich wollte eine Struktur, ähnlich einem Quadrille-Schach-Burberry Muster über einen Pool ausbreiten, so als würde man einen Esstisch dekorieren oder eine großflächige Zeichnung anfertigen. Man trifft die Entscheidungen während des Tuns.
Dieses Haus diente mir nicht nur als Atelier, sondern auch als Zufluchtsort und Kulisse. Eine Arbeit in einem Haus, statt in einem typischen Studio mit weißen Wänden herzustellen, bringt dich dem Hedonismus näher.
Indem man Details des gemieteten Hauses verändert, ist es wie als würde man im Inneren einer dreidimensionalen Skulptur spielen, diese umgestalten. Während des Prozess dachte ich auch über die verschiedenen dekorativen Arrangements nach, die Leute in ihren Häusern machen und wie externe Betrachter sie später dann analysieren und versuchen diese gestalterischen Entscheidungen einzuordnen.
Vielleicht wollte ich auch einfach Blödsinn machen, ein paar Over-the-Top Dinge und dann Gäste einladen, damit sie meine Installation sehen. In einem Sommer, als ich 6 oder 7 Jahre alt war, habe ich viel in Architektur Zeitschriften geblättert, die per Post kamen.
Dieser Pool könnte auch ein idyllischer Tatort sein. Verbrechen als ein Ereignis … schuldig sein etwas getan zu haben. Ich habe auch an Pools in der Geschichte der Musik gedacht. Die Arbeit wird eine ganze Serie von dekorierten Pools werden. Die Installation wird je 2 Tage dauern und ich fotografiere was in ihnen und um sie herum passiert.”

TOM HUMPHREYS *1972 in Essex, lebt und arbeitet in London

Die Fotografien von Passanten in den Arbeiten von Tom Humphreys sind als Transferfolie auf eine mit rechteckigen, hochformatigen Kacheln versehene Bildfläche aufgebracht. Die Personen sind aus dem Hintergrund ausgeschnitten, wobei aber Teile des Umraum erhalten bleiben, der auf Straßenszenen schließen lässt. Abgewandt vom Betrachter, scheinen sich die Figuren zu entfernen. Die industrielle Keramikoberfläche erinnert in ihrer Struktur an U-Bahnhöfe oder Unterführungen. Die Unbekannten verschmelzen mit ihrer Umgebung zu einer einzigen Fläche, die teilweise zusätzlich mit Farbspuren versehen ist, die sich als eine Verortung der Arbeiten in der Malerei lesen lassen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sich die Fotografierten der von ihnen gemachten Aufnahme bewusst sind. Ebensowenig weiss man, um wen es sich handelt. Der Blick auf sie scheint objektivierend. Anhand Körperhaltung, Frisuren und Kleidung scheinen sich aber Rückschlüsse auf den sozialen Hintergrund der Observierten ziehen zu lassen.

LUKAS QUIETZSCH *1985, lebt und arbeitet in Berlin

Die Arbeit gemeine Absichten aus alter Ferne (auf der A9) suggeriert eine schemenhafte Szene auf der Autobahn. Die einzelnen Bildelemente sind formal reduziert, die Farben wirken rauschhaft übersteuert und dumpf zugleich. Straßenlaternen säumen eine perspektivisch verschobene Fahrbahn, ein großformatiges Straßenschild zeigt mit seinen Pfeilen mögliche Abfahrten und Richtungen. Die fehlende Beschriftung lässt den Betrachter jedoch im Unklaren sowohl darüber, wo er sich gerade befindet, als auch darüber, welche Richtung eingeschlagen werden kann.

RICHARD SIDES *1985, UK, lebt und arbeitet in Berlin

Das Wort disinformation ist in einfacher Handschrift auf ein sich drehendes Objekts aufgebracht. Ohne grafische oder bildliche Elemente, welche die Aussage unterstreichen würden, dreht es sich langsam und kontinuierlich um die eigene Achse. Von den rotierenden Flächen, die an eine Drehtür erinnern, geht eine hypnotische Wirkung aus, die der Leere auf den weißen Flächen wide spricht. Richard Sides entgegnet damit einer sich immer weiter überlagernden Informationswelt mit einer einfachen Rückmeldung. Humorvoll insistiert Sides auf die kaum zu widerlegende These von Desinformation, die durch Überinformation erzeugt wird. Dabei weist die Arbeit fast nebensächlich auf den leisen aber wirkungsvollen Effekt einer Konditionierung durch
Wiederholung hin.
Eine weitere Arbeit des Künstlers in dieser Ausstellung erinnert an einen Schaukasten und ein architektonisches Modell zugleich. Mit der kurzen Seite gegen die Wand montiert, steht das Objekt merkwürdig weit in den Raum. Im Inneren verjüngt eine stufenförmige Anordnung von Ebenen das Innere, welches am hinteren Ende durch eine Öffnung mit Tageslicht erhellt wird.
Aus diesem Raum dringen leise Straßengeräusche sowie das Rattern von Wagons auf Gleisen. Die Geräusche werden durch Versatzstücke von sphärischen Drone Sounds, Jazz- und Popmusik überlagert. Dabei entsteht ein stark erzählerischer bühnenartiger Raum.. Aus diesem Raum dringen leise Straßengeräusche sowie das Rattern von Wagons auf Gleisen. Die Geräusche werden durch Versatzstücke von sphärischen Drone Sounds, Jazz- und Popmusik überlagert. Dabei entsteht ein stark erzählerischer bühnenartiger Raum.

PHILIPP SIMON *1987 in Berlin, lebt und arbeitet in Berlin

Die Glaskörper der Laternen, deren Form an die Außenbeleuchtung einer historischen Altstadtgasse erinnert, sind an industriell hergestellten Winkeln und Kabeln befestigt. Diese schroffe konstruktive Ebene wirkt wie eine unverhüllte Unterkonstruktion, die möglicherweise noch durch spätere bauliche Maßnahmen verdeckt werden soll. Anachronistisch laufen hier zwei Zeitebenen gegeneinander, die jeweils die Tendenz widerspiegeln, historische Elemente in einer zeitgenössischen Ästhetik wiederbeleben zu wollen. Oft handelt es sich dabei um eine ebenso diffuse wie verklärte Rückbesinnung. Philipp Simons Arbeit Nürnberg ist eine Legierung aus verschiedenen Kategorien und reflektiert darüber den Mashup-Charakter unserer Gegenwart: die Verschmelzung aller Sphären miteinander, sowohl der vergangenen als auch der imaginierten.

LISE SOSKOLNE *1971 in Toronto, lebt und arbeitet in New York

Verschiedenste Quellen bilden die Ausgangsmotive für Soskolnes Malereien, wie beispielsweise Internet Suchanfragen oder, wie im Falle des Bildes Eyeballs / Eggs, eine gefundene Printwerbung für Antidepressiva, die in die 70er Jahre zurückdatiert. Bei der Überführung dieser Bildräume auf die Leinwand, findet eine intensive Auseinandersetzung mit dem ursprünglichen Anwendungsbereich der Motive statt. Zugleich untersucht die Künstlerin die meist photographischen Vorlagen mittels des malerischen Prozesses, auf ihre Möglichkeit in dem von ihr generierten Werk, einen Platz zu finden. Dabei werden in manchen Fällen bereits übertragene Bilder fast vollständig von neuen Motiven überlagert (Eyeballs / Eggs) oder aber, wie im Falle von Humour Then, um eben diese Schlagzeile, in Form von großen, blau gerahmten Lettern ergänzt.
In der Offenheit der Künstlerin, bezüglich der von ihr verwendeten Quellen*, sowie im Bezug auf ihre Entscheidungen während der malerischen Auseinandersetzung**, wird deutlich, dass Soskolnes Arbeit als die persönliche Chronik einer unvermeidbaren Konfrontation mit medialen Bildern und deren Kontexten gelesen werden kann. In der Überführung in den Kontext ihrer Malerei werden diese Eindrücke, quasi archivarisch, im Œuvre Soskolnes vereint.

*Der Katalog The Mandelbrot Set, erschienen zu der gleichnamigen Ausstellung bei Svetlana (NYC), legt die Quellen für Soskolnes Bilder weitgehend offen.

**Im Rahmen ihrer Ausstellung im Kunstverein Nürnberg (2020) erschien eine Sammlung von Provenienz Protokollen, die Entscheidungen während des Malprozess, sowie Fundorte und Überlegungen zu den Fundstücken dokumentieren.

ANGHARAD WILLIAMS *1984 in Ynys Môn, Wales, lebt und arbeitet in Berlin

Die Arbeit Prisoners von Angharad Williams zeigt eine blau hinterleuchtete Fläche, auf der weiße Schrift und ein weiß gerahmtes Foto angeordnet sind. Gemeinsam vermitteln die Aussagen eine beklemmende Enge, die – für eine Kampagne, die vermeintlich für den urbanen Raum konzipiert ist – ungewöhnlich ist. Dass Fragen eine Bürde für andere, Antworten dagegen ein Gefängnis für einen selbst seien, lässt keinen Spielraum zu.
Gekonnt wird jede Form der dialektischen Kommunikation diskreditiert; in ihrer geschlossenen Form wirken die Aussagen patriarchalisch und entmündigend.
Das Foto der weinenden Person ist ein Pressebild des jungen amerikanischen Studenten Otto Warmbier, der 2016 in Nordkorea strafrechtlich verfolgt wurde, nachdem ihm vorgeworfen wurde, während eines Besuchs in dem Land ein Plakat gestohlen zu haben. Sein Urteil lautete 15 Jahre Zwangsarbeit wegen „feindlicher Aktivitäten“. Als Warmbier ein Jahr später schließlich an die USA ausgeliefert wurde, befand er sich in einem komatösen Zustand und starb später. Daraufhin behaupteten seine Familie und die amerikanische Regierung, er sei in Nordkorea gefoltert worden. Diese These konnte jedoch nie verifiziert werden und wurde später auch von westlichen Medien angezweifelt. Die gegenseitigen Anschuldigungen der beiden Länder, machten Warmbiers Körper regelrecht zu ihrem ideologischen Kriegsgebiet.

Ausstellungsdaten: Montag, 29. März – Samstag, 24. April 2021

Zur Galerie

 

 

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