post-title DIE NÄCHTE DES HÉLIOGABALUS | Hommage zum 90. Geburtstag von Otto Piene (1928–2014) | Galerie Schlachthaus.fresh&fine art | bis 30.06.2018

DIE NÄCHTE DES HÉLIOGABALUS | Hommage zum 90. Geburtstag von Otto Piene (1928–2014) | Galerie Schlachthaus.fresh&fine art | bis 30.06.2018

DIE NÄCHTE DES HÉLIOGABALUS | Hommage zum 90. Geburtstag von Otto Piene (1928–2014) | Galerie Schlachthaus.fresh&fine art | bis 30.06.2018

DIE NÄCHTE DES HÉLIOGABALUS | Hommage zum 90. Geburtstag von Otto Piene (1928–2014) | Galerie Schlachthaus.fresh&fine art | bis 30.06.2018

bis 30.06. | Galerie Schlachthaus.fresh&fine art zeigt noch bis Ende Juni Lithographien von Otto Piene mit Gedichten von Fernando Arrabal, Text von Ante Glibota und Skulpturen von Andreas Blank und Stefan Rinck. Die Ausstellung wurde kuratiert von Constanze Kleiner, Ante Glibota und Stephan von Wiese.

„Aus der Kunstwelt ausbrechen, das Vakuum füllen“ (Otto Piene)

Zu „Die Nächte des Héliogabalus“ (Gedichte von Fernando Arrabal, Lithographien von Otto Piene, Text von Ante Glibota, Skulpturen von Andreas Blank und Stefan Rinck) in der Galerie Schlachthaus.fresh&fine art, Berlin Mit einer fulminanten Kooperation, dem lithographischen Mappenwerk: „Die Nächte des Héliogabalus“, beschloß Otto Piene im Juni 2014 sein künstlerisches Werk. Kurz vor seinem Tod ließ sich der Maler, Licht- und Sky Art-Künstler von für ihn geschriebenen Versen des französischspanischen Dichters Fernando Arrabal inspirieren. Als Schlußstein des Werks entstand ein letztes Hauptwerk. Schlachthaus.fresh&fine art in Berlin Charlottenburg stellt diese überraschende letzte Volte in einem an Experimenten und Ideen reichen Werk erstmals vor. Otto Piene hat Arrabal 2013 in Paris persönlich näher kennengerlernt und mag in dessen bizarrem, worttrunkenen Werk, das den Nachtgesichten eines Goya entsprungen zu sein scheint, einen herausfordernden Gegenpol zu seinen eigenen lichten Visionen gesehen haben. Diese waren ja immer wieder explizite Friedenszeichen. So der weitgespannte Regenbogen für die Olympischen Spiele 1972 in München. „Héliogabalus“, der durch eine Revolte vor zweitausend Jahren Kaiser von Rom wurde, inspirierte schon Artauld zu seinem „Theater der Grausamkeit“. Arrabal und Piene fanden in den Irrsinnstaten dieses unbändigen und zügellosen Anarchisten auf dem Thron „die andere Seite im Spiegel“. Diejenige, auch immer allgegenwärtige, die plötzlich das Ambivalente aller menschlichen Handlungen und Wertungen enthüllt. So heißen auch die Eingangsverse des Zyklus und der lithographischen Folge: „Die Spiegel Säubern“ Die surrealen Wortschöpfungen von Arrabal und die visionären Bildwelten von Piene prallen mit Wucht aufeinander und lassen plötzlich absurde Konstellationen von Wortkonnotationen und Bildgebungen entstehen. Die Überraschung schlägt Funken – auch von Heiterkeit – die als Schwester des Lachens der Angst Einhalt gebietet und das Grauen bannt. Es ist ein heller Hoffnungsstrahl, den Piene – ganz Piene – auch in sein letztes Werk hineingewoben und uns – fast mit einem aufmunternden Zwinkern – als letzten Gruß hinterlassen hat: Lasst uns „aus der Kunst aufbrechen. Die Lücken füllen!“

Die Zusammenarbeit beider Künstler hat der Pariser Historiker und Autor Ante Glibota, Verfasser umfassender Publikationen zu Arrabal und Piene, vermittelt und als Zeuge der künstlerischen Arbeit in einem grundlegenden Text festgehalten.

Arrabal schrieb damals für Piene zehn Gedichte, u.a. mit den Titeln „Schlund der Hölle“, „Der Anker des Vertigo“, „Ozeanpassage“ oder „Die Insel, die in einen Stern fiel“. Piene hat auf diese Verse spontan und direkt, ohne jede Vorarbeit, reagiert. In der renommierten Lithographenpresse von Stephane Guilbaud an der Pariser Gare de Lyon wurde das Werk unter direkter Aufsicht des Künstlers gedruckt. Arrabal selbst steuerte dann die arabeskenhaften Schriftzüge für die Titelseite hinzu. Es entstand ein fulminantes bibliophiles Mappenwerk aus ungebundenen Seiten von großem Format.

Piene rief zuerst als ZERO-Künstler in Deutschland, dann als Schöpfer der Sky Art in der Weite der Landschaften Amerikas dazu auf, den Himmel als atmosphärische Hülle der Erde und als mythischen Sitz der Götter nicht dem Feuer und der Zerstörungsgewallt der Kriegswaffen zu überlassen, sondern ihn mit Imaginationskraft spirituell zu erobern: „Wir, die ernsthaften Künstler, müssen uns der Realität stellen, aufwachen, aus der Kunstwelt ausbrechen, das Vakuum füllen.“ (Sky Art Manifest)

Pienes Bildwelt begann mit Zeichnungen vom Himmel stürzender Menschen. Als Flakhelfer hatte er das Elend des Weltkriegs, die düstere Seite der Welt gesehen, setzte als ZEROKünstler dagegen leuchtende Lichtballetts, lichtvolle Rasterbilder, energiegeladene Rauchzeichnungen und Feuerbilder. Hier herrschte buchstäblich „Freude schöner Götterfunken“. Als Sky Art-Künstler setzte Piene Sterne, Blumen, mythische Figuren an emporsteigenden Heliumschleifen in den Himmel. In internationalen Sky Art Konferenzen bekamen diese Werke kollektive Kraft. Diese immer wieder neuen Konstellationen der künstlerischen Kooperation haben Piene auch für die befreienden Impulse, die bei Fernando Arrabal vom Absurden ausgehen, die die verhärteten ideologischen Strukturen mit der Kraft des Wortes aufbrechen, weit geöffnet. Arrabal hat diese Tonlage virtuos beherrscht – eine weitere neue Herausforderung also damals für Piene: das Paradiesische und das Groteske – ja Dämonische – stehen sich gegenüber, kämpfen miteinander – durchdringen sich in offener Ambivalenz. Das Haupt der Medusa, bei deren Blick man versteinert, zwinkert uns zu, Haie werden unsakral in vergiftetem grünen Wasser gekreuzigt, rote, blutbeschmierte Arme recken sich aus dem Wasser: Beten sie flehend oder rufen sie auf zu Revolution und Widerstand? Otto Piene ist wenige Wochen nach Vollendung dieser hochexplosiven Bilder in Berlin gestorben. Diese Kooperation mit Arrabal, wurde durch Otto Piene zu einem lebensspendenden Elixier aus abgründiger Groteske, aufblitzender Heiterkeit, Liebe zu allem Lebendigen und großer Friedenssehnsucht – zu einem epochalen Werk.

6. April 2018 Constanze Kleiner / Stephan von Wiese


Otto Piene arbeitet an der Umschlagseite,
Litho-Werkstatt, Paris, 1. Juni 2014, Foto Ante Glibota

Künstler – Statements Andreas Blank und Stefan Rinck – Hommage an Otto Piene

Andreas Blank: Monument 25, 2018 Marble, Alabaster, Basalt, Serpentinite 47x41x 89 cm 

Andreas Blank hat sich auf die Eingangsverse des Zyklus und der lithographischen Folge „Die Spiegel Säubern“ säubern bezogen, insbesondere auf die beiden nachstehenden, markierten Zeilen: „Die Spiegel säubern“

Ich schreite durch Tor und Dunkelheit: Ist es der Schlund der Hölle oder nur schwefliges Dekor? Die Fülle der Dunkelheit verfolgt mich Mit Augen der Gier und Abgründigkeit. Ich weiß nicht was sich verbirgt und lauert Im Rhythmus der Natur und in den Falten der Erinnerung. Verbergen sich dahinter das Labyrinth und jener Kuss in dem der Minotaur und die Süchtige sich begegnen? Ich habe keine Ahnung; keine Ariane Erhellt mir in meinen Sinn. Bin ich versteinert angesichts des Ungeheurs? Wer könnte es sagen? Sind die Rätsel zu lösen, Die Flüsse zu überqueren, die Spiegel zu säubern? Ich muss das Geheimnis lüften Das mich erwartet hinter dem schwarzen Tor.

7. April, Andreas Blank

Stefan Rinck Heliogabal, 2018 Sandstein 70 x 50 x 20 cm

Stefan Rinck schreibt selbst zu seiner Arbeit „Heliogabal“: „…gebiert Varius Avitus Bassianius, später Elagabalus oder Sohn der Gipfel, Pseudoantoninus, Sardanapal und schließlich Heliogabal zubenannt, ein Name, der offenbar die glückliche grammatikalische der ältesten Bezeichnungen für Sonne ist.“ Dieser Auszug aus Antonin Artauds Buch „Heliogabal oder der Anarchist auf dem Thron“ und die folgenden Passagen aus Otto Pienes und Arrabals Buch haben mich inspiriert, einen Griffin als Ouroboros darszustellen. „Der Hölle Feuer verbietet mir Die geringste Hoffnung zu hegen So entsage ich allen Taten, aller Obskurität.“ „Ikarus gleich fliegt sie, dem Federnkleid entsagend Mit Armen als Flügel.“
Das Feuer ist glücklicherweise schon durch die Flammung des gelb, orange roten Sandsteins impliziert und ist formal in den flammenförmigen Löwenlocken des Griffins präsent.

Der Kreis ergibt sich durch den Ouroboros und soll die Korona der Sonne, den kreisförmigen Kranz der Sonne, widerspiegeln. Die Sonne, dessen Gottheit Heliogabal in Rom war, ist der Planet, der sich Ikarus zu sehr genähert hatte, was seine Flügel aus Wachs schmelzen liess und ihm zum Absturz brachte. Es musste deshalb ein geflügeltes Wesen sein. Ich wählte den Griffin, weil er erstens wie Heliogabal aus dem altertümlichen Syrien Einzug in das römische Abendland fand und weil er als Griffin mit seinem Skorpions-Schwanz sich als Ouroborus selbst vergiften kann.

Die Selbstvergiftung spiegelt den Widerspruch, dem Heliogabal als Anarchist auf dem Thron ausgesetzt war: Er war Herrscher – die Instanz, die ein Anarchist nicht akzeptieren kann.

So berichtet Artaud, dass Heliogabal, um sich selbst – die Instanz Herrscher – zu erniedrigen, vor den Tempeln Roms prostituierte.

Die Sonne (mit ihr das Licht), das Feuer, der Kreis, die ikonographische Schnittmenge des Heliogabals sollen die Arbeit sich annähern lassen an den Kosmos der Arbeit Otto Pienes und sich auch als Hommage an Otto Piene verstanden wissen.

6. April, Stefan Rinck

Eröffnung: Mittwoch, 18. April, 18 Uhr

Ausstellungsdaten: Mittwoch, 18. April bis Samstag, 30. Juni 2018

WANN? Di–Fr 14–19 Uhr | Sa, So, Mo nach Vereinbarung (Constanze Kleiner +49 177 52761 88)

WO? Schlachthaus.fresh&fine art, Budapester Straße 10,10787 Berlin-Tiergarten

www.schlachthaus-ffa.com

 

Bildunterschrift Titelbild:  Vorderseite, Blatt 3 der Edition (Otto Piene: „Die gekreuzigten Haie“, 2014)

DIE NÄCHTE DES HÉLIOGABALUS – Hommage an Otto Piene – Galerie Schlachthaus.fresh&fine art | Zeitgenössische Kunst in Berlin – ART at Berlin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Meisterwerke in Berlin

Viele beeindruckende Meisterwerke der Kunst aller Epochen können Sie in den Berliner Museen besuchen. Aber wo genau findet man Werke von Albrecht Dürer, Claude Monet, Vincent van Gogh, Sandro Botticelli, Peter Paul Rubens oder die weltberühmte Nofretete? Wir stellen Ihnen die beeindruckendsten Meisterwerke der Kunst in Berlin vor. Und leiten Sie mit nur einem Klick zu dem entsprechenden Museum. Damit Sie Ihr Lieblingsmeisterwerk dort ganz persönlich live erleben und in Augenschein nehmen können.

Lädt…
X
X

Send this to a friend