post-title David Lamelas | Sprüth Magers Berlin | 29.01.-02.04.2016

David Lamelas | Sprüth Magers Berlin | 29.01.-02.04.2016

David Lamelas | Sprüth Magers Berlin | 29.01.-02.04.2016

David Lamelas | Sprüth Magers Berlin | 29.01.-02.04.2016

bis 02.04. | #0362ARTatBerlin | Sprüth Magers zeigt ab dem 29. Januar 2016 eine Ausstellung mit dem Künstler David Lamelas.

 

David Lamelas ist seit über fünfzig Jahren eine Ikone der Konzeptkunst. Seine frühen Experimente mit strukturalistischem Film und Medieninstallationen in den 1960er und 1970er Jahren führten zu einer nachhaltigen Untersuchung einer Reihe von Kernthemen der Konzeptkunst. In seiner vierten Einzelausstellung bei Sprüth Magers bringt der Künstler eine Auswahl wichtiger Filmarbeiten und skulpturaler Werke von 1966 bis 1993 zusammen, die sich mit den Divergenzen zwischen Raum und Sprache auseinandersetzen, die Grenzen zeitbasierter Kunst erschließen und neue Wissensmodelle und Möglichkeiten der Selbstwahrnehmung aufzeigen. Ergänzend wird mit Mon Amour (2014) eine Neubetrachtung seiner ‚Reading Films’ aus den 1970er Jahren in einer neuen Multimedia-Installation
präsentiert.

Diese jüngste Auslegung der Arbeit ist im ersten Raum ausgestellt. Auf den Wänden zur Rechten und zur Linken werden eine Reihe von Kohlezeichnungen präsentiert, und im hinteren Teil des Raumes befindet sich die Filmprojektion. Zu sehen ist eine gefilmte Ansicht aus einem Drehbuch. Ein im Film durchlaufender Text ist nur verschwommen erkennbar; lediglich die Worte Elle (ihr) und Lui (ihm) sind innerhalb der unscharfen Konturen des Dialogs lesbar. David Lamelas hat den Entstehungsprozess eines narrativen Films – vom literarischen Werk über das Drehbuch bis hin zum Film – hier
offensichtlich umgekehrt. Er dekonstruiert das Drehbuch in seiner ursprünglichen geschriebenen Form und lässt seine narrative Funktion verschwimmen, sodass es seine Bedeutung nunmehr allein aus der Präsentation als ein rein sprachliches und räumliches System bezieht. Mithilfe dieses Konzepts, Text kinematisch zu ‚lesen’, transformiert David Lamelas die Art und Weise, wie Informationen in einem Ausstellungskontext für gewöhnlich wahrgenommen werden. Die einzelnen
Glühbirnen, mit denen jede Kohlezeichnung beleuchtet wird, strahlen weiches Licht wie das einer Kerze aus, wodurch eine andächtige Atmosphäre entsteht. Die Zeichnungen sind auf Projektionsleinwand aufgebracht und werden vom Künstler jeweils vor Ort geschaffen. Die Worte reproduzieren Zitate von Straßen-Graffiti zum Thema Krieg und Wahrnehmung von Sprache. Dem Betrachter bleibt es überlassen, eigene Überlegungen anzustellen, ob sie sich darüber hinaus auch
auf die unkenntlich gemachte Handlung des Drehbuchs beziehen.

Untitled (Falling Wall) (1993) und Corner Piece (1966) sind inszenierte skulpturale Interventionen im Ausstellungsraum. Untitled (Falling Wall) ist eine zwanzig mal sieben Meter große Wand, die von drei Lagen unterschiedlich großer Holzbalken vom Boden aus schräg abgestützt wird. Die Balken unterteilen den Innenraum in anatomische Teilbereiche und greifen so in die Idee des ‚White Cube’ als homogene Einheit ein. Die Konstruktion jedoch erinnert an ein Baugerüst, dessen Funktion darin besteht, die Außenwände der Galerie vor dem Einsturz zu bewahren. Beide Skulpturen veranschaulichen die Erkenntnis des Künstlers, dass Kunstwerke oft erst durch den Kontext, in dem sie gezeigt werden, ihre Bedeutung erlangen.

Anfang der 1970er Jahre konzentrierte sich David Lamelas in einer Reihe konzeptueller Überlegungen auf das Medium Film. Zwei Werke im Hauptraum, Time As Activity Düsseldorf (1969) sowie Film 18 Paris IV. 70 (1970), verdeutlichen seinen Gebrauch dieses Mediums zur experimentellen Darstellung von Zeit. Time As Activity Düsseldorf ist das erste Werk aus einer fortlaufenden Serie von Filmen, die in unterschiedlichen Städten gedreht wurden. Jeweils dreiminütige Einstellungen, an drei öffentlichen Orten in Echtzeit und zu unterschiedlichen Tageszeiten aufgenommen, fügen sich zu einem neunminütigen Film ohne Ton. Das langsame Tempo, das der Film dem Betrachter vorgibt, erweckt in diesem ein erhöhtes Bewusstsein für die eigene Wahrnehmung von Raum und Zeit.

In den Jahren nach den Ereignissen vom Mai 1968 interessierte sich David Lamelas für die Art und Weise, in der sich bestimmte Themen mit ideologisch geprägtem Diskurs und Populärkultur verbanden. Die französische Schriftstellerin und Personifikation des nouveau roman Marguerite Duras repräsentierte für den Künstler einen literarischen Ansatz, der mit dem Gebrauch von Sprache bei Konzeptkünstlern vergleichbar war. Der Film Interview with Marguerite Duras (1970) ist ein
sechseinhalb Minuten langes Gespräch des argentinischen Schriftstellers Raul Escari mit Duras, an dem sich der stumm hinter der Kamera befindliche David Lamelas nicht beteiligte. Das Thema der Diskussion ist Détruire dit-elle (1969), das erste Werk, das Duras nach dem Pariser Mai verfasst hatte. Während des Gesprächs machte David Lamelas zudem alle dreißig Sekunden ein Foto von Duras. Zehn dieser Fotografien begleiten den Film neben handgeschriebenen Texten, die exakt die Worte wiedergeben, die von ihr im Moment der jeweiligen fotografischen Aufnahme ausgesprochen wurden. Mit diesem Werk unternimmt David Lamelas den Versuch, in das Gesprächsformat mit dem des geschriebenen Texts einzugreifen. Indem er die Autorin und ihre Ideen visuell voneinander trennt, konfiguriert er diese als räumliche und sprachliche Konstrukte neu, vergleichbar mit den häufig dekonstruierten Sätzen und Formulierungen, wie man sie in der Konzeptkunst findet. Da David Lamelas’ Ausstellung mit Installationen beginnt und abschließt, die den Prozess des Lesens
thematisieren, scheinen Duras’ berühmte Stilmittel der Wiederholung und der häufig gebrauchten Rückblenden in seiner eigenen Inszenierung von Raum und Zeit anzuklingen.

David Lamelas (1946, Buenos Aires) lebt und arbeitet in Los Angeles, Paris und Buenos Aires. Er repräsentierte Argentinien auf der 9. Biennale von São Paulo (1967), wo er mit dem Preis der Biennale von São Paulo ausgezeichnet wurde, sowie auch auf der 34. Biennale in Venedig (1968). 1972 nahm er an der Documenta 5 in Kassel teil. Zu seinen wichtigsten Einzelausstellungen zählen unter anderem die bevorstehende Filmpräsentation im ICA, London (2016), Hammer Museum, Los Angeles (2016), MoMA, New York (2015), Kunstnernes Hus, Oslo (2013), Kunstmuseum Basel
(2008), Secession, Wien (2006), Malba Museum, Buenos Aires (2006), Museo Rufino Tamayo, Mexico City (2005), Institute of Contemporary Art, Philadelphia (2004), Kunstverein München, sowie im Witte de With, Rotterdam (beide 1997).
Sprüth Magers Berlin präsentiert zeitgleich die Gruppenausstellung DREAMING MIRRORS DREAMING SCREENS kuratiert von Johannes Fricke Waldthausen/Goodroom.

Vernissage: Donnerstag, 28. Januar 2016, 18 – 21 Uhr

Ausstellungsdaten: Freitag, 29. Januar bis Samstag, 2. April 2016

Zu Sprüth Magers Berlin

 

Bildunterschrift: David Lamelas, Time As Activity Düsseldorf, 1969, Film still. 16 mm film, 12’55“, Copyright David Lamelas, Courtesy of the Artist, Sprüth Magers and Jan Mot

David Lamelas Ausstellung – Sprüth Magers – Kunst in Berlin ART at Berlin

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