post-title Sylvia Necker | weißes rascheln | Galerie oqbo | 20.09.-30.09.2017

Sylvia Necker | weißes rascheln | Galerie oqbo | 20.09.-30.09.2017

Sylvia Necker | weißes rascheln | Galerie oqbo | 20.09.-30.09.2017

Sylvia Necker | weißes rascheln | Galerie oqbo | 20.09.-30.09.2017

bis 30.09. | #1586ARTatBerlin | Galerie oqbo präsentiert ab dem 20. September 2017 die Klanginstallation „weißes rascheln“ der Künstlerin Sylvia Necker. Parallel wird „paperfile #13“ ausgestellt.

Für paperfile #13 produziert die Frankfurter Klangwerkerin Sylvia Necker eine Hörschleife, die sich mit Klängen von Papieren und Kartons auseinandersetzt. Papierne Materialität bildet den auditiven Rahmen des täglichen Arbeitens in der Galerie oqbo: hier wird Papier geblättert, geschnitten, gedreht, gewendet… Diese Klangkulisse verarbeitet Sylvia Necker zur Klanginstallation weißes rascheln, die während der Ausstellung in der Galerie zu hören ist.

Dieses Jahr geht paperfile bereits in die 13. Runde. Das Herzstück der Produzentengalerie oqbo | raum für bild wort und ton bietet eine sorgfältig ausgewählte Mischung von Zeichnungen, Fotografien, digitale Prints, Collagen und viele weitere Ausdrucksformen auf Papier. paperfile #13 ergänzt 2017 das Zeichnungsarchiv in den Papierschränken der Galerie mit 9 neuen, spannenden Positionen.

„Das Lustige Leben der Würste, ihre Geschmacks- und Farbenvielfalt, das interessiert Fredie Beckmans ebenso wie das gedankliche Durchdringen des Seins. In der Philosophie interessiert ihn besonders der Hegel-Schüler Karl Rosenkranz, der mit seiner »Ästhetik des Hässlichen« 1853 eine erste systematische Untersuchung des Hässlichen in seinen verschiedenen Erscheinungsformen vorlegte. «Gute Kunst kann nur existieren, wenn es auch schlechte Kunst gibt», erklärt Beckmans und offenbart damit ein Bedürfnis, zu verstehen, was die Kunst, ja, was die Welt in ihrem Innersten zusammenhält. Beckmans, Wurstmaler, hat etwas dafür übrig, Gewissheiten gegen den Strich zu bürsten, Ernstes zu verulken und auf scherzhafte Weise tiefgründige Fragen zu stellen. Wie tief diese Fragen gründen, das lässt er selber gern offen: «Ich tue gern so, als ob ich alles verstünde», bekennt er augenzwinkernd.” (Kunstbulletin – Alice Henkes)

„Bereits Anfang der 2000er-Jahre begann Marc Brandenburg, die Motive seiner Zeichnungen als transparente Sticker in einer limitierten Auflage anzufertigen. Ab 2003 entstanden Installationen, für die er Fenster von Bars und Museen mit Hunderten von Stickern beklebte, die Cluster in unterschiedlicher Dichte bildeten. (…) Der Bildkörper wird hier zum Resonanzkörper, auf die die unterschiedlichsten Bilder und Sinneseindrücke einprallen. Dieses Prinzip führt Brandenburg auch mit seinen temporären Tattoos konsequent weiter. Er deklariert seine ebenso wie die Sticker auf Zeichnungsmotiven basierenden Tattoos sehr entschieden als Kunst, gleichwertig mit seinen anderen Werken. Der Körper wird zum Schauplatz einer Miniretrospektive von Brandenburgs Werken, die überall im Stadtraum auftauchen kann: an der Ampel, in der Sauna oder im Theater.“ Oliver Koerner von Gustorf. Speziell für paperfile stellt Marc Brandenburg eine Edition ausgewählter Tatoos zusammen.

Fotografien von Installationen oder vorgefundenen Alltagsituationen bilden bei Susanne Britz den Ausgangspunkt für eine zeichnerische Weiterbearbeitung mittels Computermaus. Die zugrunde liegende digitale Fotografie dient hier gleichsam als Bühnenraum, in dem die Zeichnung in Erscheinung tritt und so die Fotografie mit zeichnerischen Mitteln weiterführt. Mit energischen Strichen werden innerbildliche Bezüge hergestellt, formelhaft Bildfragmente miteinander in Verbindung gebracht und deren Zusammenhänge auch wieder verworfen. Die Zeichnung als Form einer performativen Versuchsanordnung macht die zunehmende und auch zum Teil absurde Durchdringung von Alltagswelt und artifizieller Laborwelt spürbar. Susanne Britz, 1974 geboren, studierte von 1995 — 2001 Bildende Kunst, Philosophie und Chemie an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und erhielt 2009 den Kunstpreis junger westen ausgeschrieben für Grafik, Zeichnung und Fotografie.

Beiläufige Beobachtungen, ziellose Blicke des Alltags sind häufig der Ausgangspunkt für Friedhelm Falkes Bilder. Solche Wahrnehmungen – die Illumination eines Raumes, eine bestimmte Färbung der Wände, das Ineinanderfließen von Licht und Raum – werden zum Ausgangspunkt seiner Arbeit. Es geht hier um die Vergegenständlichung flüchtiger, unbewusster Momente, ihre Verdichtung zu einem Stück Malerei: Den Blick zur Seite in einen leeren Raum, das Verharren vor einem nächtlichen Fenster, welches sich zum Garten öffnet, der kurze Blick in eine Tiefgaragenausfahrt. Augenblicke, in denen Licht und Farbe, Raum und Zeit ineinander fallen. Friedhelm Falkes Raumbilder und Architekturen liegen immer an der Schnittstelle von Raumvorstellung, Abstraktion und Erinnerung.

„Kästchen, Stangen und immer wieder verbeulte Kreise, die manchmal aussehen wie Tropfen oder Tränen, schraffierte oder fast schon „ausgemalte“ Flächen oder Räume — das Repertoire der Zeichen ist weitläufig und eng zugleich. Etwas voreilig könnte man von Ornamenten sprechen, doch allenfalls sind Ansätze dazu vorhanden. (…) Frei und unabhängig werden die Bildwelten in die Welt gesetzt. Anders gesagt: Annebarbe Kau ist nicht so leicht einzuordnen, ihre Zeichnungen, zumeist mit farbiger Ölkreide manchmal auch in Tusche, fallen aus dem Raster.“ Reinhard Ermen Annebarbe Kau ist Klangkünstlerin, in deren Werk die Zeichnung eine wichtige Rolle spielt. „Mir sind die zeichnerische und plastische Beschaffenheit der Klangquelle ebenso wichtig wie die Töne, die sie verströmt.“

Sofie Bird Møller kratzt und schabt. Wenn sie die alten Stiche aus der Bibel mit weißer Tinte bemalt und bearbeitet, bleiben seltsame Schemen stehen. Einzig der minimale Farbunterschied oder ein leichter Schimmer lässt die Veränderungen erkennen. Sie übermalt die vorgefundenen Bilder und lässt dadurch neue Blicke und Motive entstehen. Der Blick des Betrachters wird irritiert, gestört, er versucht, die Schemen wieder zu rekonstruieren, oder lässt sich leiten von der eigenen Fantasie. Seltsame Fabelwesen und Gegenstände entstehen, eine Schlange mit dickem Bauch, ein Engel ohne Gesicht, ein drolliges Muster.

Die matrikularen Zeichnungen Michael Seelings zeigen, aus einer gewissen Distanz betrachtet, Abbildungen konkreter Phänomene. Pflanzenporträts (Kakteen aus der Sammlung des Künstlers), Supernovae (nach Fotografien von Weltraumteleskopen und als Ursprung des Elements Gold) sowie Goldminen und Straflager (als Orte der Goldgewinnung und Ausbeutung von Mensch und Natur). Aus der Nähe gesehen, offenbaren die Zeichnungen die tabellarische Struktur einer Matrix. Bildträger ist unbedrucktes Zeichenpapier, in dessen gedachte Rasterung mittels Bleistift Schraffuren mit einem Neigungswinkel von 45° gezeichnet werden. Die geneigten Schraffuren entsprechen dem Gestus des Schreibens, aber auch die fortgesetzte punktuelle Einwirkung des Meißels auf den Stein kann mit ihnen assoziiert werden.

Obwohl zweidimensional auf einem Blatt Papier, sind die zeichnerischen Arbeiten von Anna Roberta Vattes räumlich erfahrbar. In ihren Zeichnungen überlagern sich die Liniengefüge, zahlreiche räumliche Ebenen werden sichtbar. Die Motive stammen aus ihrer alltäglichen Umgebung. Durch die Fragmentierung der zugrundeliegenden Konstellation von Dingen, durch die anschließende Drehung, Schichtung und neuartige Verknüpfung der Strukturen, entstehen andere, ganz eigene Sichtweisen und Raumachsen. Auch in der Farbigkeit lösen sich die Zeichnungen von der Realität, die Linien entstehen aus satten und leuchtenden Farbtönen. (aus dem Text Farbe/Form/Raum von Katrin Vattes)

Lebhaft farbig und vielgestaltig sind die Collagen der Künstlerin Sofi Zezmer. Hybride, oft sehr detailreiche Gebilde, die man begrifflich nicht leicht einordnen kann und man deshalb dazu tendiert, sie allgemein als „surreal“ zu bezeichnen. So verspielt sie erscheinen, bei näherer Betrachtung offenbaren sie eine große Ernsthaftigkeit: Farben und Formen finden wohlüberlegt zueinander. Die Dinge selbst sind zwar aus ihrem eigentlichen Funktionskontext befreit, bei der Betrachtung gibt es ein jeweiliges Erkennen, das sich dann wieder vom Gegenstand löst und im Zusammenhang mit den Form- und Farbnachbarn auf einer sinnlich-sinnigen Ebene die Lust am Schauen zurückkehren lässt.

Papier besitzt einen eigenen Klang, der täglich in der Galerie oqbo hörbar ist: hier wird Papier geblättert, geschnitten, gedreht, gewendet… Diese Geräusche und ihre Klangkulisse verarbeitet die Frankfurter Klangwerkerin Sylvia Necker zur Klanginstallation weißes rascheln, die während der Ausstellung paperfile #13 in der Galerie oqbo zu hören ist. In ihrer Hörschleife schichtet sie Papiere und Kartons zu Klangstapeln, sortiert sie neu, verwirft die Anordnung, um sich erneut durch das Material zu rascheln, reißen und knüllen. Anders als beim weißen Rauschen, bei dem das Frequenzspektrum gleich bleibt, verändert sich die Dynamik in der Hörschleife weißes rascheln permanent. Leise, aber hörbar bildet Sylvia Necker so die Fragilität des Materials Papier ab.

Ortsspezifische Klangsituationen aufzuschnappen und zu verarbeiten, sowie in Hörstücke und Soundscapes zu transformieren, ist ein Kontinuum der klangkünstlerischen Arbeit Neckers. Zuletzt realisierte sie die Klanginstallation klangsackerl (2017) für den Kunstsommer Frankfurt art ffm, die sich ausschließlich aus Fieldrecordings vom Gelände der Kulturfabrik Milchsack zusammensetzte. Außerdem produzierte sie die Soundarbeit München Gollierplatz. Ein stadtraumklangliches Beziehungsgeflecht (2016) für die Galerie ohrenhoch Berlin-Neukölln sowie das Hörstück Eine KlangStadtLandschaft entsteht (2015) zur Geschichte und Gegenwart der Grossen Bergstrasse in Hamburg-Altona.

Sylvia Necker, Dr. phil.,
lebt und arbeitet als Klangwerkerin, Ausstellungsmacherin sowie (Architektur)Historikerin in Frankfurt, Hamburg und München. Als Klangwerkerin und Radiomacherin befasst sie sich mit experimenteller Musik und komponiert Hörstücke sowie Soundscapes; als Live-Performerin ist sie bevorzugt als Elektonikerin, Schlagwerkerin sowie an Tasten- und Blasinstrumenten zu hören. Seit einigen Jahren tritt Sylvia Necker mit ihrer Raumstation auf, ein eigensinniges Instrumentarium mit mehreren Metern Kabel, Steuerknöpfen, elektronischen Klangerzeugern, Effektgeräten und einem Computer, mit der sie atmosphärische Ambientsounds genauso wie kratzig fiese Noiseklänge produziert.

paperfile #13
Fredie Beckmans (Amsterdam)
Marc Brandenburg (Berlin)
Susanne Britz (Berlin)
Friedhelm Falke (Köln)
Annebarbe Kau (Köln)
Sofie Bird Møller {Berlin/München)
Michael Seeling (Wuppertal)
Anna Roberta Vattes (Berlin)
Sofi Zezmer (Wiesbaden)

Vernissage: Donnerstag, 14. September 2017, 18:00 Uhr auf der Positions Art Fair. Arena Halle | Eichenstraße 4 | 12435 Berlin | Stand E14

Finissage: Samstag, 30. September 2017, 18:00 Uhr bis 21:00 Uhr. oqbo | raum für bild wort und ton | Brunnenstraße 63 | 13355 Berlin

Ausstellungsdaten: Donnerstag, 14. September bis Samstag, 30. September 2017

 

weißes rascheln – eine Klanginstallation von Sylvia Necker

Ausstellungsdaten: Mittwoch, 20. September bis Samstag, 30. September 2017

Zur Galerie oqbo

 

Bildunterschrift: via Galerie oqbo, Marc Brandenburg

Ausstellung: Sylvia Necker – weißes rascheln – Galerie oqbo | Contemporary Art – Kunst in Berlin – ART at Berlin 

 

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