post-title Renee Strecker | Taktil, fragil | Galerie Kunst am Gendarmenmarkt | 23.09.-27.10.2017

Renee Strecker | Taktil, fragil | Galerie Kunst am Gendarmenmarkt | 23.09.-27.10.2017

Renee Strecker | Taktil, fragil | Galerie Kunst am Gendarmenmarkt | 23.09.-27.10.2017

Renee Strecker | Taktil, fragil | Galerie Kunst am Gendarmenmarkt | 23.09.-27.10.2017

bis 27.10. | #1573ARTatBerlin | Galerie Kunst am Gendarmenmarkt präsentiert ab dem 23. September 2017 die Ausstellung “Taktil, fragil” der Künstlerin Renee Strecker.

R. Strecker
Einführungstext & Katalogtext
Taktil Fragil

Seit den 1980er Jahren ist Frau Renee Strecker uns bekannt als eine in Deutschland und Europa anerkannte und gut nachgefragte, überwiegend abstrakte Malerin aus Berlin. Die Meisterschülerin von Prof. Karl Oppermann steht sehr wohl noch in der Tradition der deutschen „Nachkriegs-Abstaktion“ und ihre Nähe zu solch großen Künstlern wie Fred Thieler, Walter Stöhrer, K. O. Götz, Hans Kuhn  genauso aber K.R.H. Sonderborg ist unverkennbar. Bis hinein in die frühen 2000er Jahre malte die in Berlin Schöneberg und in Italien, im Norden vor Sizilien, auf der Vulkaninsel  Alicudi lebende Künstlerin, zumeist in Öl auf Leinwand oder auf der Holzplatte. Dazu fertigte sie Papierarbeiten und bediente sich verschiedener, meist jedoch lithographischer, Drucktechniken.

Materialkollagen, zum Teil auch mit Fund-stücken versehen, Reliefs und Skulpturen, auch ausgeformt als Redymades,  eingearbeitete Sande aus aller Herren Länder, Vesuflava aber auch märkische Erde, dienten ihr als Basis, gleichwohl auch als Höhungen, ihrer Bilderwelten und malerischen Erzählungen.

Mal sind ihre Arbeiten geladen voller mystischer Tiefe, dunkel lodernd und vielfach getragen von einem tiefen, intensiven, hoch gesättigten blau (Streckerblue) und im Kern und im Sein – erscheint uns ihr Werk recht bipolar und verschlüsselt. Suchend und fragend, auf dem Weg und prozeßhaft. Verhaftet in großer Energie und über die changierenden Bildergründe in den Raum schwebend. Mehr schwebend als drängend. Wenn wir dann ihren Bildern etwas Zeit geben, eintauchen und uns versenken, dann, und lassen sie es einfach zu, ist da Ruhe und Größe. Wohl auch Liebe und Demut. Gleich einer Verortung von Klarheit und Licht.

Im Wechsel aus einer bewussten „Grenzüberschreitung“, auch unter Einbeziehung „eines gelenkten Zufalls“, aus der Spannung und der Erkenntnis von „flüssigen Ideen“. Im erkennen einer naturhaften Schönheit und einer gleichzeitigen Morbidität. Im Wandel der Stoffe und ihrer Höhung durch künstlerische Umformung. In diesen Zirkel (mit einer liegenden acht –  ins Universum offen), so sehen wir seit vielen Jahren die spannungsgeladenen und  vielschichtigen Arbeiten von Renee Strecker.

Und dann ein neuer Umpuls. Die Reise in die technische Abstaktion.

Seit Beginn der 2000er Jahre, nicht gebrochen, vielmehr gehoben aus dem Motor der eigenen historischen Entwicklungen am Bild, in der Skulptur und am Relief, unter Einbeziehung, wohl auch partieller Ausgrenzung einer industriellen Revolution 2.4. In extrem verdichteten Lebenswelten, gleichsam auch ausgereizter, nahezu beliebiger Bilder, Nachrichten und Zeichensprachen – entwickelt Renee Strecker, durch eine intelligente Hebung und Einbeziehung, durch die künstlerische Bearbeitung von technisch anmutenden Acrylglas – einen neuen künstlerischen Ansatz. Gleich einer technischen Abstaktion.

Zitat der Malerin:
„Mit dem Einzug der neuen Medien, Handy, Laptop, I-Phone, etc. wurde der menschliche Alltag In extremer Weise revolutioniert. Dieses kleine Feld, diese Platte aus Acrylglas, dem die Erfindung des Kunststoffes voran-gegangen war, hat mich seit dem Jahr 2000 angeregt, neue Wege in der Malerei zu gehen. Statt in herkömmlicher Weise Ölfarbe auf einen Bildträger aufzutragen, setze ich die Farbe hinter dem Bildträger Acrylglas. Durch dessen Transparenz und Glanz erhöht sich der taktile Reiz der Arbeit, macht aber die Farbe selbst unberührbar. So entsteht das Paradoxon der Nähe – ähnlich wie in der virtuellen Bildwelt“.

Die Malerin interessiert in diesem Zusammenhang  ein Umschmelzungsprozess –  in Form einer „Bilderfahrung des fragilen Seins“. Fragil nicht nur im Sinne von Zerbrechlichkeit. Zerbrechlichkeit viel mehr als „echtes Ich“. Ohne Schauspiel und Plattitüde. Zerbrechlichkeit in Form von Zartheit. Mit Taktilität, Feinheit und Sensibilität. Sicherlich mehr als ein Paradoxon. Denn hinter dem Glas ist keine Haptik möglich. Nur die Ahnung und die Fantasie der Beschaffenheit (von Taktilität und Sensibilität). Und „am Außen“, vor dem Bild und der Scheibe, spiegeln wir uns selbst und nicht minder: Unseren ganzen, sich immer wieder verändernden Lebensraum.

Die Entdeckung und Einbeziehung von Acrylglas in einen philosophischen und künstlerischen Kontext kann hier durchaus als gelungen bezeichnet werden. Und  wie es gleichsam unendlich viele Möglichkeiten zur Umformung dieses Kuststoffes ausgezählt werden können, so ist auch Frau Renee Strecker ständig auf der Suche noch neuen Entdeckungen, Brechungen, Hebungen und Verformungen um das Material Acryl. Acryl, fragil und taktil. Im besten Sinne ein ganz authentischer und zeitgenössischer Beitrag zur modernen Kunst.

„In den Hinter-Glas-Arbeiten schaffe ich ein objektartiges Gebilde, das abhängig von der jeweiligen Lichtquelle, Einfallswinkel, Farbton etc., variable Farbräume sichtbar macht .Es gibt nicht mehr das Bild als objektiv beständiges Sein, sondern die Acrylglas-Platte selbst bestimmt durch ihre technischen Eigenschaften (Transparenz, Stärke, Wölbung, etc.) das Seherlebnis, bzw. formt das „Bild-Sein“.

Die Verwendung dunkler Farbtöne (grau-schwarz-Palette) erzeugt außerdem  eine spiegelartige Oberfläche der Hinter-Glas-Arbeiten. Dies ermöglicht eine zusätzliche integrative Wahrnehmung des umliegenden Raumes. Das Bildmotiv wird um eine neue Dimension erweitert, denn der imaginäre (innere) Bildraum tritt mit dem realen (äußeren) Raum in einen Dialog.

Text zu einem Relifbild
Renee Strecker verformt mit ihren Mitteln die als unbeugsam und statisch erscheinende Acrylglasplatte zu kurvigen, geschwungenen, vielfach gezogenen, teils auch aufgeworfenen Objekten. Sie erscheinen uns fortan als modernistische Wandreliefs. Durch einen Unterbau von der Grund abgehoben. Luftig und frei schwebend im Raum – von außen seidig, hell oder dunkel schimmernd, laszive  glänzend. Verso bemalt, mal auch schuppig, abstrakt und in Öl.

Vita – Renee Strecker
1955 in Berlin geboren, 1979-1983 Malereistudium an der Hochschule der Künste Berlin (UDK), 1983 Meisterschülerin von Prof. Karl Oppermann, 1986 Karl-Hofer-Stipendiatin, 1990 Atelierpreis der Karl-Hofer-Gesellschaft, 1991 Mitgliedschaft im Verein Berliner Künstler, 1992 Buchprojekt „Befristete Landschaft“, Gedichte von R. Bossert, Lithos von R. Strecker, 2000 Tagung, Bildenthüllung und Diskussionsleitung der ev. Akademie mit Bischof  Prof. Dr. W. Huber, 2001 Förderstipendium des Bundespräsidialamtes, 2003 Ankauf durch den Deutschen Bundestag, 2009 Kunstpreis Natur-Mensch, St. Andreasberg, Harz, Ab 1991-2017,zahlreiche Einzelausstellungen und Beteiligungen im In und Ausland. Rene Strecker lebt abwechselnd in Berlin-Schöneberg und auf der Insel Alicudi, Italien

Einzelausstellungen (Auswahl)
1991 Galerie Rozmer, Nordeney, 1992 Galerie Pommersfelde und Galerie Büsch, Berlin, 1993 „Verletzte Zukunft“, VBK Berlin, 1996 „Land-schaften und Ikonen“, St. Matthäus Kirche Berlin, Materialbilder, Galerie Pommersfelde, 1998 Ölbilder und Kollagen, Art-Galerie E. Becker, Berlin, 1999 Worte-Wege-Spuren, Kirche am Hohenzollernplatz, Ligna Hannover, „Holz in Künstlerhand“, Sonderpräsentation R. Strecker, 2000 Messestand Düsseldorf, Herbst Salon mit R. S., Blau-weit-unendlich, R. S. in der Kunstplatte Stendal, Andachtsbilder von R. S. im Berliner Dom. 2001 Atlantis – versunkene Welten, Schloß Rudolstadt, Grenzüberschreitung, Schwarzbach Galerie Wuppertal, 2002 Malerei im Kleisthaus (m. P. Engel), Sitz des Beauftragten der Bundesregierung Berlin Mitte, 2004 „Brüche“, R. S. in der AKAD Stuttgart, 2006 „Seh Stücke“, Malerei in der Stiftung Burg Knipshausen, Wilhelmshaven, 2006 „Methamorphose einer Insel“, Galerie Samuelis Baumgarte, Bielefeld, 2008 „Malerei“, Büchergilde Gutenberg, 2009 „Gesammeltes Licht“, Schwarzbach Galerie Wuppertal, 2010 „Streiflichter“, Galerie Frenhofer (mit Ch. Keruth), 2011 „Poesia lineare“, Artclub Köln, 2011-2012 „Linie als Geste“, Galerie Haasch Berlin, 2012 „Maritime Impressionen“, Wernigeröder Kunstverein, Harz, 2013 „Hidden live“, Galerie Factory-Art, Berlin, 2013 „Sizilianisches Licht“, R. S. im R.K.I., 2015 „Flugsand“, Galerie Schlossfreiheit, Tangermünde, 2015 „Gesammelte Horizonte“, Galerie im Hafen Rummelsburg, Berl. Köpenick, 2017 Vienna Art Fair, Galerie Weihergut, Salzburg

Arbeiten in öffentlichen Sammlungen
Berliner Sparkasse, Kunstverein Schering Berlin, Weberbank Berlin, Deutscher Beamtenbund Berlin und Bonn, Artothek Berlin, Senat der Stadt Berlin, Deutscher Bundestag, Deutscher Katholikentag, Sammlung Edzard Reuter, Sammlung R. v. Weizäcker, SFB, Sparkasse Lingen, K.S. Deutsche Bank Berlin, Berkom Telekom GmbH, Hannover Hypo Bank, Guardini Stiftung, Delbrück-Bank Berlin, Stiftung Preußische Seehandlung Berlin, Mariannenpresse Berlin, B.V.B.K.B., V.B.K.B., Tabor-Presse Berlin, Radierwerkstadt Jesse Berlin, Artothek der zentralen Landesbibliothek Berlin, Kleisthaus Berlin-Mitte

Vernissage: Freitag, 22. September 2017, um 19:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 23. September bis Freitag, 27. Oktober 2017

Zur Galerie Kunst am Gendarmenmarkt

 

Bildunterschrift: Renee Strecker, 22, Fragment, 2009, Öl, Glas, Bitumenband, LW,40 x 50 cm

Ausstellung: Renee Strecker – Taktil, fragil – Galerie Kunst am Gendarmenmarkt | Contemporary Art – Kunst in Berlin – ART at Berlin

 

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