post-title Barbara Breitenfellner | JORDAN/SEYDOUX | 10.03.-22.04.2017

Barbara Breitenfellner | JORDAN/SEYDOUX | 10.03.-22.04.2017

Barbara Breitenfellner | JORDAN/SEYDOUX | 10.03.-22.04.2017

Barbara Breitenfellner | JORDAN/SEYDOUX | 10.03.-22.04.2017

bis 22.04. | #1138ARTatBerlin | JORDAN/SEYDOUX zeigt ab dem 10. März 2017 eine Ausstellung der Künstlerin Barbara Breitenfellner.

Traum einer Installation aus einem Hund und verschiedenen schiefen Ebenen. Ich schaute durch eine Glasscheibe in ein Zimmer. Braunrosa Tapete + Teppichboden. Ein ganz seltsam beleuchteter Kubus, den ich als Fotografie sah. Dann verließen wir das leere Haus. 

Barbara Breitenfellners Installationen und Collagen gehen von der Hypothese aus, dass Realität, das Leben, niemals wirklich getreu wiedergegeben werden kann. Während jedoch die Collage an unsere Vorstellungskraft appelliert, indem sie unser Gedächtnis einspannt und unter der Hand eine oft traumhaft-unwirkliche Atmosphäre gestaltet, macht sich die Installation – als Prozess des Zurückholens und Wiedergewinnens – auf die Suche nach Träumen. Breitenfellner, die ihre Träume über Kunst notiert, erklärt, dass das Traumbild meist verloren gegangen ist und nur noch der Text existiert. Das verlorene Bild, das vom notierten Text her wieder geschaffen wird, kann also nur eine Neuschaffung unter dem Einfluss des Augenblicks sein. Dieser Prozess stellt auf eine überdeutliche Weise das Problem der durchlässigen Grenzen zwischen Wirklichkeit und Inszenierung, es macht die Unmöglichkeit einer getreuen Übertragung von Bildern aus einer Tonalität in die andere bewusst.

Diese Frage stand auch im Zentrum der Ausstellung »Imagine Reality«, die im Rahmen der Fotografie-Triennale RAY 2015 u.a. im MAK, Museum Angewandte Kunst in Frankfurt stattfand. Breitenfellner hat dort eine Installation aus verschiedenen schiefen Ebenen geschaffen, die sich auf einen weißen, in einem Plexiglaskubus eingeschlossen Meissener Porzellanhund konzentrierte. Eine kaleidoskopisch vergrößerte Fotografie des Hundes hinter einem rosa Teppich dominierte den Hintergrund der Ausstellung.  Die Installation, die die Künstlerin hier noch einmal bei Jordan / Seydoux unter dem langen und komplizierten Titel (dem Textfragment aus ihrem Traumjournal) zeigt, ist eine Adaptation dieses Werks.  Vor allem ist auch der Hund ein anderer, ein Dobermann aus billiger China-Ware – hier auch als poppiges Foto präsent – was dem Ganzen einen ironischeren Charakter gibt. Diese, wie übrigens auch alle anderen Installationen von Barbara Breitenfellner, kreist um ein zentrales Anliegen: zu veranschaulichen, dass es nicht nur unmöglich ist, ein zusammenhängendes, homogenes Werk zu schaffen, sondern dass es nicht einmal wünschenswert ist. Die Künstlerin spricht von einer »am Ende unfertigen, zerrissenen, bloß angeregten Situation aus Überlagerungen und Verschiebungen, die auf zerfallende, relativierende oder auch verborgene Trauminhalte verweisen«.

Die Collagen sind ein Protest gegen die Vermutung, es bestehe ein direkter, rationaler Zusammenhang zwischen Wirklichkeit und Kunst, und zwischen Leben und Erzählung. Wie die Künstlerin in einem ihrer Interviews erläutert, hat sie nicht die Absicht, die Welt neu zu schaffen, also zu einer Kunst beizutragen, die die Wirklichkeit imitiert. Sie will vielmehr die Bilderflut hinterfragen, die – von Zeitungen, Zeitschriften und audiovisuellen Medien verbreitet – eine charakteristische Komponente unseres täglichen Lebens ist. Die Künstlerin möchte bereits »existierende Bilder weiterverwenden«, ihren Einfluss auf unser Unbewusstes verfolgen und aufzeigen, wie sie schließlich eine andere – eine unbeständige und durchlässige – Wirklichkeit konstituieren. In dieser Hinterfragung des Wirklichen, des Lebens, schaffen Collage und Installation mittels überraschender Assoziationen, eine eigenartige, oft traum-ähnliche Atmosphäre, und lassen uns eine Wirklichkeit erahnen, die alles andere als unschuldig ist.

Breitenfellners Collagen gehen mit einer kritischen Haltung an den Umgang mit dem omnipräsenten fotografischen Bild heran, an bestimmte Gewissheiten die beispielsweise über unsere Wahrnehmung von Frauen, von Tieren, und über unser Verhältnis zu ihnen und zur Kunst projiziert werden. Eine Collage ist Resultat eines längeren Experimentierprozesses: lediglich mit Büroklammern zusammengehalten hängt sie mehrere Tage an der Wand, wo die verschiedenen Teile so lange ausgetauscht oder adaptiert werden, bis die Arbeit ihre innere Logik gefunden hat. Die Dynamik, die eine im Werden begriffene Collage entwickelt, der Zusammenhang zwischen den unterschiedlichen Bildteilen, ist das eigentlich Interessante für Barbara Breitenfellner. Zu den Techniken, deren sich die Künstlerin zusätzlich bedient, gehören das Einfügen von Kreisen und Löchern, sowie das Überdrucken (mit Siebdruck) der Collage mit Rastern oder wissenschaftlichen Kurven. Diese haben einerseits die Funktion, die verschiedenen Teile einer Arbeit zu vereinheitlichen, und andererseits, die unmittelbare Wahrnehmung des Bildes zu verhindern, indem sie Distanz und Tiefe erzeugen. Sie sprengen die affirmativen Bilder, die uns angeboten werden, und ersetzen sie durch eine kurzlebige, vorübergehende Realität, die Widerspruch und Inkohärenz einbezieht.
Daglind Sonolet

BARBARA BREITENFELLNER (*1969, Kufstein, Österreich) lebt und arbeitet in Berlin. Master of Fine Art an der Glasgow School of Art. Artist-in-residence an der Cité des arts (Paris), am Atlantic Center for the Arts (New Smyrna Beach, Florida) und Irish Museum of Modern Art (Dublin). Einzel- und Gruppenausstellungen u.a. Österreichisches Kulturforum (Berlin), Clemens Sels Museum (Neuss), Museum Angewandte Kunst (Frankfurt a. M.), Villa du Parc (Annemasse), Galerie Manzoni Schäper (Berlin), Galerie Thaddaeus Ropac (Paris), Espace de l‘Art Concret (Mouans-Sartoux), Le Confort Moderne (Poitiers), HMKV (Dortmund), Autocenter (Berlin), Bétonsalon (Paris), Overgaden (Kopenhagen) und Tramway (Glasgow). Sammlungen: Artothek des Bundes im 21er Haus (Wien), Clemens Sels Museum (Neuss), Fonds national d’art contemporain (Paris), Kulturabteilung der Stadt (Wien), und verschiedene private Sammlungen (u.a. New York, São Paulo, Berlin, Frankfurt am Main, Wien, Salzburg, Genf, Antwerpen, Amsterdam, Barcelona, Paris, Bordeaux, AiguesMortes).

Vernissage: Donnerstag, 09. März 2017, 18:00 Uhr 

Ausstellungsdaten: Freitag, 10. März bis Samstag, 22. April 2017 

Lesung: Sonntag, 02. April 2017, 16:00 Uhr. Aus Fake Territories mit Jörg Sundermeier, Verbrecher Verlag. 

Künstlergespräch: Sonntag, 23. April 2017, 16:00 Uhr, (in English) mit Laura López Paniagua

Zu Jordan/Seydoux

 

Bildunterschrift: via Galerie JORDAN/SEYDOUX, Barbara Breitenfellner

Ausstellungen der Galerien: Barbara Breitenfellner – JORDAN/SEYDOUX | ART at Berlin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Meisterwerke in Berlin

Viele beeindruckende Meisterwerke der Kunst aller Epochen können Sie in den Berliner Museen besuchen. Aber wo genau findet man Werke von Albrecht Dürer, Claude Monet, Vincent van Gogh, Sandro Botticelli, Peter Paul Rubens oder die weltberühmte Nofretete? Wir stellen Ihnen die beeindruckendsten Meisterwerke der Kunst in Berlin vor. Und leiten Sie mit nur einem Klick zu dem entsprechenden Museum. Damit Sie Ihr Lieblingsmeisterwerk dort ganz persönlich live erleben und in Augenschein nehmen können.

Lädt…

Unterstützer

Lädt…
X
X
X