post-title Armin Stern | Zionist, Grenzgänger, Kosmopolit | Kunsthaus Dahlem | 19.01.-12.03.2018

Armin Stern | Zionist, Grenzgänger, Kosmopolit | Kunsthaus Dahlem | 19.01.-12.03.2018

Armin Stern | Zionist, Grenzgänger, Kosmopolit | Kunsthaus Dahlem | 19.01.-12.03.2018

Armin Stern | Zionist, Grenzgänger, Kosmopolit | Kunsthaus Dahlem | 19.01.-12.03.2018

bis 12.03. | Das Kunsthaus Dahlem zeigt ab 19. Januar 2018 die Ausstellung „Armin Stern – Zionist, Grenzgänger, Kosmopolit“.

Über die Ausstellung
Die Ausstellung im Kunsthaus Dahlem zeigt zirka 30 Werke des Malers Armin Stern (1883–1944). Als Jude floh er 1933 vor den Nationalsozialisten aus Deutschland und ging ins Exil – zunächst nach Bratislava und 1938 nach New York. Er geriet nach seinem frühen Tod in Vergessenheit und wird nun, nach mehr als 70 Jahren, wiederentdeckt. Seine Werke werden zum ersten Mal in Berlin gezeigt und stammen aus Privatsammlungen und dem Nachlass, der sich in Familienbesitz befindet.

ART at Berlin - Kunsthaus Dahlem - Armin Stern - Selbstbildnis 1916 - Foto Gerhard Haug Berlin - Bildrechte 2018 Anita Lochner Berlin -
Armin Stern, Selbstbildnis, 1916, ÖL auf Leinwand, 51 x 40 cm;
Nachlass Armin Stern, Berlin, Foto: Gerhard Haug, Berlin – Bildrechte: © 2018, Anita Lochner, Berlin

Im Œuvre Armin Sterns nehmen Selbstbildnisse in allen Schaffensphasen einen großen Platz ein.
Einerseits studiert er im Selbstporträt sein eigenes Antlitz und die angemessene Anwendung verschiedener Techniken,
andererseits nimmt er Kontakt zum Betrachter auf. Er steht damit in einer langen künstlerischen Tradition.

 

Das Kunsthaus Dahlem präsentiert eine Auswahl an Ölgemälden, Radierungen, Aquarellen, Monotypien und Zeichnungen im Rahmen der Ausstellung »Neue/Alte Heimat. R/emigration von Künstlerinnen und Künstlern nach 1945«. Im Unterschied zu den nach Deutschland zurückgekehrten Exil-Künstlern erlebte Stern das Ende des Naziregimes und des zweiten Weltkriegs nicht mehr. So blieb ihm die Rückkehr in die Kunstwelt versagt.

Armin Stern (1883–1944) – Leben und Werk
Armin Stern wurde in Galánta bei Preßburg (Bratislava) im damaligen Österreich-Ungarn geboren. Er wuchs in Preßburg auf und besuchte dort die Handelsschule. Die Familie war jüdisch-orthodox, die Söhne wurden an der berühmten Jeschiwa unterrichtet. Stern wurde bereits im Schulalter Zionist und war Anhänger Theodor Herzls.

1900 zog er als 17-Jähriger nach Deutschland und lebte bis 1933 in Frankfurt am Main. Er studierte dort Malerei an der Städelschule, anschließend an der Bayerischen Akademie für bildende Künste in München – den Abschluss machte er bei Franz von Stuck – sowie an der École des Beaux Arts in Paris. Auf zahlreichen internationalen Ausstellungen und Reisen durch West- und Osteuropa machte Stern sich einen Namen mit sozialkritischen und alttestamentarischen Themen sowie mit Landschaftsmalerei und Porträts – als Grenzgänger zwischen dem französischen Impressionismus und dem deutschen Expressionismus.

ART at Berlin - Kunsthaus Dahlem - Armin Stern - Foto Gerhard Haug Berlin - Bildrechte 2018 Anita Lochner Berlin -
Armin Stern, Luna Park auf Coney Island, 1939, Öl auf Leinwand, 54 x 64 cm
Nachlass Armin Stern, Berlin, Foto: Gerhard Haug, Berlin
Bildrechte: © 2018, Anita Lochner, Berlin

Armin Stern malte im New Yorker Exil den 1903 eröffneten Vergnügungspark „Luna Park“
auf Coney Island kurz vor dem Brand von 1944, der große Teile zerstörte.

 

Stern war ein gefragter Bildnismaler und porträtierte unbekannte Bauern und Fischer aus Holland und der Bretagne, praktizierende Juden aus Europa und Palästina sowie Personen des öffentlichen Lebens aus Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik wie Thomas Mann, Albert Einstein und David Ben Gurion. Seine Bildnisse, die religiösen ebenso wie die weltlichen, überzeugen durch Strahlkraft, hohe Einfühlungsgabe und ihre starke Aura. Das Bildnis des Ökonomen und Schriftstellers Salomon von Halle befindet sich heute im Städel Museum, das Porträt des Zionisten Shmarja Levins im Leo Baeck Institute, New York. Viele Werke gingen jedoch durch Vertreibung, Pogrome und Beschlagnahme der Nationalsozialisten verloren.

ART at Berlin - Kunsthaus Dahlem - Armin Stern - Foto Gerhard Haug Berlin - Bildrechte 2018 Anita Lochner -
Armin Stern, Porträt eines jemenitischen Juden mit Huhn, 1934, Öl auf Leinwand, 65 x 55 cm
Nachlass Armin Stern, Berlin, Foto: Gerhard Haug, Berlin
Bildrechte: © 2018, Anita Lochner, Berlin

 Dieses Gemälde ist während Sterns Palästina-Reise 1933-1934 in Jerusalem entstanden.
Dargestellt ist der Moment kurz vor dem Sühneritual Kapparot am Tag vor Jom Kippur.
Bei dem Ritual wird ein Huhn mehrfach über dem Kopf eines Menschen im Kreis geschleudert.
Stern malte dieses Motiv als Serie in mehreren, unterschiedlich dynamischen Fassungen.

 

Sein zweiter Schwerpunkt waren virtuose Stadtansichten, Seestücke und Landschaftsdarstellungen, die in Deutschland und auf seinen Reisen entstanden. Auch hier spielen die Menschen in ihrem Lebensumfeld eine wichtige Rolle, die Themen Armut, Alter und körperliche Gebrechen haben ihn zeitlebens beschäftigt. Anfang der 1930er-Jahre, als er Bratislava für sich neu entdeckte, schuf er eine Serie des Ghettos.

ART at Berlin - Kunsthaus Dahlem - Armin Stern - Thomas Mann 1932 - Foto Gerhard Haug Berlin - Bildrechte 2018 Anita Lochner Berlin -
Armin Stern, Thomas Mann, 1932, Bleistift auf Papier, 31 x 21 cm
Nachlass Armin Stern, Berlin, Foto: Gerhard Haug, Berlin
Bildrechte: © 2018, Anita Lochner, Berlin

 Armin Stern traf den Nobelpreisträger 1932 im berühmten Hotel Carlton in Bratislava.
Dort sind drei Zeichnungen von Thomas Mann entstanden, von denen Mann zwei gegensigniert hat.

 

Im April 1933 verbannte ihn der Frankfurter Kunstverein aus einer geplanten Ausstellung zur deutschen Kunst der Gegenwart, weil er Jude war. Noch im gleichen Jahr floh Stern mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten nach Bratislava und 1938 nach New York, nachdem sein Antrag auf ein Visum für Palästina abgelehnt worden war. Nach schweren Jahren im Exil starb er 1944 an Herzversagen.

Zehn seiner Geschwister, die in der Slowakei lebten, wurden mit ihren Familien um 1942 in die Vernichtungslager Auschwitz und Birkenau deportiert und ermordet. 12 erhaltene Briefe dokumentieren das vergebliche Bemühen der Familien um Visa und die nahende Katastrophe.

Als Folge von Vertreibung und Beschlagnahmung sind viele Werke Sterns verschollen, vor allem das Frühwerk ist unbekannt und Gemälde mit biblischen Themen wie „Hiob“ oder „Samariter“ aus den 1910er-Jahren sind nur durch Fotografien überliefert. Der Künstler geriet in Vergessenheit. Mit Sterns Wiederentdeckung wird nicht nur sein einzigartiges OEuvre gewürdigt, sondern der bis heute wirkungsmächtigen Auslöschung von Biografien durch den Nationalsozialismus das nachdrückliche Erinnern entgegengesetzt.

ART at Berlin - Kunsthaus Dahlem - Armin Stern um 1915 - Fotograf unbekannt - Bildrechte Anita Lochner 2018 -
Armin Stern in seinem Atelier in Frankfurt am Main, um 1915
Nachlass Armin Stern, Berlin, Fotograf: unbekannt, © Anita Lochner, 2018

Der Verbleib des Gemäldes auf der Staffelei ist unbekannt. Ein ähnliches Bild („Negerin“) wurde 1937 von
den Nationalsozialisten in der Anhaltischen Gemäldegalerie, Dessau, beschlagnahmt und vermutlich vernichtet.

 

Kuratorin der Ausstellung: Dr. Sabine Meister, Berlin

Zum Ausstellungsort
Das Kunsthaus Dahlem wurde 2015 als Ausstellungshaus für ost- und westdeutsche Nachkriegsmoderne eröffnet. Es befindet sich im ehemaligen Atelier des nationalsozialistischen Staatskünstlers Arno Breker und liegt in unmittelbarer Nachbarschaft des Brücke-Museums.

Eröffnung: Donnerstag, 18. Januar 2018, 19 Uhr

Ausstellungsdaten: Freitag, 19. Januar – Montag, 12. März 2018

Rahmenprogramm: Donnerstag, 15. Februar 2018, 19:00 Uhr
Armin Stern – auf den Spuren von Leben und Werk
Vortrag im Kunsthaus Dahlem von Dr. Sabine Meister, Kuratorin
Die Kuratorin berichtet von der kunstwissenschaftlichen, historischen und biografischen Aufarbeitung dieses Künstlerschicksals und von ihrer Suche nach verschollenen Werken.

Eintritt frei.

Zum Kunsthaus Dahlem

 

Bildunterschrift Titelbild: Armin Stern, Selbstbildnis, 1916, ÖL auf Leinwand, 51 x 40 cm;
Nachlass Armin Stern, Berlin, Foto: Gerhard Haug, Berlin – Bildrechte: © 2018, Anita Lochner, Berlin

Ausstellungen Berliner Museen: Armin Stern – Zionist, Grenzgänger, Kosmopolit – Kunsthaus Dahlem | ART at Berlin

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