post-title Philipp Modersohn | SiO2go | Galerie Guido W. Baudach | 23.06.-24.07.2017

Philipp Modersohn | SiO2go | Galerie Guido W. Baudach | 23.06.-24.07.2017

Philipp Modersohn | SiO2go | Galerie Guido W. Baudach | 23.06.-24.07.2017

Philipp Modersohn | SiO2go | Galerie Guido W. Baudach | 23.06.-24.07.2017

bis 24.07. | #1434ARTatBerlin | Galerie Guido W. Baudach präsentiert ab dem 23. Juni 2017 die Ausstellung „SiO2go“ des Künstlers Philipp Modersohn.

Das Forschungszentrum SiO2go am Standort Berlin-Tiergarten zielt darauf ab, die verschiedenen Dimensionen skulpturaler Unsicherheit und Instabilität im Kontext geologischer, urbaner und künstlerischer Gestaltungsprozesse zu analysieren und evaluieren. Die Arbeit des Forschungszentrums betrifft die Dynamiken intraaktiver Materien insbesondere in ihrer Bedeutung für die physischen und kognitiven Infrastrukturen moderner Gesellschaften.

Die Antizipation von Zukünften im Umfeld neuartiger Riskoquellen zählt zu den Herausforderungen künstlerischer Recherche heute. Denn antizipative Zeitlichkeit ist ein Kernelement skulpturaler Unsicherheit selbst: urbane Sicherheitsarchitekturen nehmen die Ereignisse vorweg, zu deren Verhinderung sie entwickelt wurden, versetzen Bevölkerungen virtuell in den Katastrophenfall und gestalten die Gegenwart nach Maß der hierbei gewonnenen Erkenntnisse. Die virtuellen Bedrohungen sind somit Teil der sogenannten „kognitiven Infrastrukturen“ metropolitaner Räume und dokumentieren deren konstitutiven Zukunftsbezug.

Allerdings erschweren die verwendeten Materialien oftmals sichere Vorhersagen und damit auch den effektiven Einsatz materieller Vorrichtungen zu Präventionszwecken. SiO2go stützt sich auf den Ansatz der „Neuen Materialismen“, welcher die Forschungslandschaft in den letzten Jahren entscheidend bereichert hat. Demnach lassen Sicherheitsarchitekturen die Beobachter meist im Unklaren darüber, ob der Schadensfall bereits tatsächlich eingetreten ist. So liegen skulpturale Leitsysteme wie etwa Lauflichter bereits ab Werk unter Geröll, Sandsäcke tragen mit ihrer Befüllung auch die Fluten in sich. Zudem führen Druck, extreme Hitze und chemische Substanzen immer wieder zu unvorhergesehenen Materialreaktionen. In verschiedenen Testreihen werden solche Einwirkungen an Stoffen wie Glas, Beton, Silikon, Kunststoff und Erde im Forschungszentrum unter Laborbedingungen untersucht. Dabei kommt dem Siliziumdioxid eine Schlüsselstellung zu. SiO2 fungiert nicht nur als Baustoff in Beton und Sicherheitsglas, sondern liegt als Computerhardware auch den Kalkulationen der antizipativen Katastrophen- und Klimasimulationen zu Grunde. Materielle und kognitive Infrastrukturen kippen an diesem Punkt ineinander.

An solchen Hybridfiguren wird erkennbar, dass skulpturale Sicherheit und Unsicherheit ebenso wie intraaktive Materien keine beobachterunabhängigen Tatsachen sind. Damit steht auch der Glauben an die eigene, isolierte skulpturale Praxis im Forschungszentrum ebenso wie die Validität wissenschaftlicher Erkenntnis und die personale Identität der Mitarbeiter_innen zur Disposition. Umgekehrt ist es das Moment durchkreuzter Antizipationen und in den Experimentalraum eingedrungener „fremder“ Substanzen, vermittels dessen neue Ereignisse, Erkenntnisse und Anwendungen überhaupt möglich werden. Materie selbst ist ein epistemischer Agent. Entsprechend interessiert sich SiO2go auch für das Scheitern seiner Testreihen, durchlöchert den Raum mit verbackenen Fenstern, verstellten Türen sowie blass blinkenden Zeichen, – und schafft so Öffnungen auf ein Außen hin, das sich am ehesten als unvermessenes „Plasma“ bezeichnen lässt.

Für die Zukunft ist es von entscheidender Bedeutung, die Rolle künstlerischer Recherche bei der unwillkürlichen Erzeugung der Phänomene, die sie untersucht, fächerübergreifend zu erforschen. Das Forschungszentrum hat daher das Ziel, erstmals ein umfassendes Bild der Wirksamkeit und Performativität von SiO2go selbst zu gewinnen.

Philipp Modersohn,
*1986 in Bremen, lebt und arbeitet in Berlin. Studium der Bildenden Kunst an der Universität der Künste, Berlin (2007-2013), Columbia Universität, New York (2009-2010) und der Philosophie an der Universität Potsdam (2006-2007). Ausgewählte Ausstellung sind: Die Punktierung der Sphärenarena, Correction Lines, Tiergarten, Berlin; Spacerologia, Park Manitiusa & Ego Gallery, Posen; Object and Environment, Galerie Guido W. Baudach, Berlin (2014); Tschajka 2, Haus am Lützowplatz, Berlin; Meisterschülerausstellung, Universität der Künste, Berlin (2013); Handlungsbereitschaft II, Kunstsaele, Berlin; Thesis Show, Columbia Universität, New York; 5 seasons, Kleines Modehaus, Berlin; prelude, Junto Gallery, New York (2010); verbacken & verwittern, Oldenburger Kunstverein, Oldenburg, Germany.

Vernissage: Freitag, 23. Juni 2017, 18:00 bis 21:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Freitag, 23. Juni bis Montag, 24. Juli 2017

Zur Galerie Guido W. Baudach

 

Bildunterschrift: via Galerie Guido W. Baudach

Ausstellungen Berliner Galerien: Philipp Modersohn – SiO2go – Galerie Guido W. Baudach | ART at Berlin

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