post-title Werner Büttner | Undichte Schlüssellöcher | CFA Berlin | 30.07.-29.08.2020

Werner Büttner | Undichte Schlüssellöcher | CFA Berlin | 30.07.-29.08.2020

Werner Büttner | Undichte Schlüssellöcher | CFA Berlin | 30.07.-29.08.2020

Werner Büttner | Undichte Schlüssellöcher | CFA Berlin | 30.07.-29.08.2020

bis 29.08. | #2794ARTatBerlin | Contemporary Fine Arts präsentiert ab 30. Juli 2020 die Ausstellung Undichte Schlüssellöcher mit Werken des Künstlers Werner Büttner.

Als Werner Büttner Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg wurde, ließ er sich nach einer langen durchzechten Nacht, in der er mit Franz Ehrhard Walther Gedichte rezitierte, Visitenkarten mit der Berufsbezeichnung „Professor für Unterhaltung der Art“ drucken. Während eines Nachmittags, den ich mit dem Künstler in seinem Atelier in Geeshacht verbrachte, habe ich aus eigener Anschauung erlebt, dass Büttner in der Tat ein großartiger Unterhalter ist. Weder bombastisch noch besonders scherzhaft, also frei von den für Selbstdarstellung typischen Eigenschaften, strahlt er eine performative Milde aus – eine vornehme Art von trockenem Humor, der sich auch in der beunruhigenden, oft trostlosen Welt wiederfindet, die seine jüngeren Leinwände zeigen. Jedes Bild in der Ausstellung Undichte Schlüssellöcher bei Contemporary Fine Arts zeigt ein in sich geschlossenes Universum, weshalb es auf den ersten Blick eine Herausforderung sein mag, zwischen den versammelten Arbeiten eine echte Verbindung zu erkennen. Wer nach klaren, direkten Botschaften sucht, wird hier nicht fündig: Das Bild eines Seuchenarztes hängt neben Leinwänden, die eine Flasche und ein Päckchen Kippen porträtieren, eine Schar ahnungsloser Gänse ist zu sehen und ein nachdenklicher Akt mit einem Mops. Wie Büttner selbst in seinen „Didaktischen Bürogeräuschen“ anmerkt, einer Sammlung an seine Student*innen gerichteter Aphorismen: „Deutlicher als kryptisch kann ich nicht.“

In der für die Ausstellung titelgebenden Arbeit umrahmt der Schatten eines schwarzen Schlüssellochs den nackten Rücken einer Frau. Der nach unten gerichtete Blick der Frau scheint darauf zu verweisen, dass wir hier Zeuge eines Moments der Einsamkeit und des Nachdenkens sind. Aber ein zweites Schlüsselloch, flink auf ihren Rücken gemalt, stört diese ansonsten ruhige Szene. Ein bedrohliches blaues Auge starrt den Betrachter an und trifft und stört unseren eigenen voyeuristischen Blick. Als ich dieses Bild zum ersten Mal sah, dachte ich sofort an Siri Hustvedts „Eine Frau schaut auf Männer, die auf Frauen schauen“, was ich gerade einige Wochen vor meinem Treffen mit Büttner in dessen Atelier gelesen hatte. In ihrem Essay über die Arbeiten von Picasso, Beckmann und de Kooning, präsentiert in Women (2012) – einer Ausstellung mit Werken nur von Männern –, reflektiert Hustvedt darüber, wie das Phantom der Frau die Kreativität bestimmter männlicher Künstler umtreibt. Büttner ist keine Ausnahme. Zwischen Kot und Urin wirst Du auf diese Welt gedrückt verkündet der Titel eines seiner früheren Werke, und es ist in der Tat die Fähigkeit, uns in dieses elende Leben zu katapultieren, die an der Wurzel von Büttners eigener Auseinandersetzung mit der Kategorie Frau liegt.

ART at Berlin - Courtesy of Contemporary Fine Arts - Werner Buettner
Werner Büttner, Undichte Schlüssellöcher / Leaky Keyholes, 2020,
Öl auf Leinwand, 150 x 120 cm, 59 x 47 1/4 in

Undichte Schlüssellöcher zeichnet sich andererseits durch eine gelassene Art von Gewalt aus, nicht unähnlich der von Man Rays ikonischer Fotografie Ingres’ Violin (1924), die das durch die Hinzufügung von F-Löchern auf ihrem nackten Rücken in ein fleischliches Instrument verwandelte Model Kiki Montparnasse zeigt. Während Man Ray den weiblichen Körper als einen Gegenstand darstellt – eine Oberfläche, in die man hineinschneiden oder die man verzieren kann –, klingt Büttners Riff über dieses Klischee außerordentlich selbstreflektiert. Statt einfach nur zu objektivieren, ist diese Darstellung der weiblichen Form ebenso verletzt wie verletzend. Das Auge blickt zu uns, die hinsehen, zurück. Aber wessen Auge ist es? Widersteht der weibliche Körper irgendwie diesem Blick, wie ein Superheld aus einer anderen Welt mit dem Auge am falschen Platz? Oder, was wahrscheinlicher ist, handelt es sich um eine Umkehrung des voyeuristischen Blicks, sodass der Voyeur mit seiner eigenen Niedertracht und Verdorbenheit konfrontiert wird? Wie Hustvedt anmerkt, haben wir in der Kunst keinen Zugriff auf lebendige Körper, und wenn wir sie betrachten, betrachten wir fiktive Räume. Der in Büttners Bild dargestellte Körper kann eindeutig nie in der realen Welt existieren, aber er spricht Bände über Büttners Weltsicht. Zur ironischen Distanz, einer Stimmung, die sich durch seine Bilder zieht, gehört, „sich von außen zu sehen“, und in diesem Fall blickt das Bild zurück.

Jesi Khadivi
Berlin, Juli 2020

Auszug aus: Werner Büttner Undichte Schlüssellöcher – Ausstellungskatalog Contemporary Fine Arts

Eröffnung: Donnerstag, 30. Juli 2020, 10:00 – 18:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Donnerstag, 30. Juli – Samstag, 29. August 2020

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