post-title Shila Khatami | Strokes | Galerie kajetan Berlin | 23.04.-25.06.2022

Shila Khatami | Strokes | Galerie kajetan Berlin | 23.04.-25.06.2022

Shila Khatami | Strokes | Galerie kajetan Berlin | 23.04.-25.06.2022

Shila Khatami | Strokes | Galerie kajetan Berlin | 23.04.-25.06.2022

bis 25.06. | #3411ARTatBerlin | Galerie kajetan Berlin präsentiert ab 23. April 2022 (Vernissage am 22.04.) die erste Einzelausstellung Strokes der Künstlerin Shila Khatami.

War bislang industrielles Material wie perforierte Stahl-Aluminium- und Hartfaserplatten der hauptsächliche Träger und Ausgangspunkt Khatamis (*1976 in Saarbrücken) bildhafter Synthesen aus geometrischen Zeichen und gestischer, ausladender Malerei, so zeigen ihre jüngsten Bildfindungen eine Hinwendung der Künstlerin zur Leinwand, der Khatami mittels Großflächen-Farbwalzen, Schablonen sowie Industrie-Lacken und -Markern ihre Kompositionen aus dynamischen Formen und farbigen Bearbeitungsspuren einschreibt. Ihre neueste Serie non-figurativer Gemälde rahmt und kontextualisiert die Künstlerin gleichsam mittels zweier raumspezifischer Installationen, die den analytischen Zugang Khatamis zur Malerei bezeugen.

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Shila Khatami, Strokes, Ausstellungsansicht, Courtesy Shila Khatami & Galerie kajetan, Photo: Marcus Schneider

Den Auftakt zur Ausstellung bildet die in situ konzipierte Installation 7, die Shila Khatamis künstlerisches Vorgehen beispielhaft vermittelt. So griff die Künstlerin die sich an der Decke des Vorraums befindliche Form der Ausstellungsbeleuchtung auf, um sie als ein Zeichen – die Zahl Sieben – in ihrem Werk umzusetzen und wieder zur Form werden zu lassen. Dabei gilt ihr Augenmerk stets linearen und geometrischen Formen, mit denen sie auf die gerasterte Struktur des Trägermaterials malerisch reagieren kann. Eine im Alltäglichen entdeckte, zunächst bedeutungslose Form begreift Khatami in ihrer kunsthistorischen Dimension und lässt uns anhand der unterschiedlichen Ausrichtungen der imaginierten Chiffre teilhaben an ihren Reflektionen zu Gestalt und Inhalt, der je nach Lesart ein symbolisch aufgeladener sein kann.

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Shila Khatami, Strokes, Ausstellungsansicht, Courtesy Shila Khatami & Galerie kajetan, Photo: Marcus Schneider

Auf den ersten Blick gänzlich ohne Verweise präsentiert sich im Folgenden die eigens für die Ausstellung kreierte Serie an Leinwänden, in denen Khatami ihren analytischen Zugriff auf das Medium der Malerei gipfeln lässt. Während die nach einem historischen, aufgrund seiner Giftigkeit nicht mehr verwendeten Pigment benannte Arbeit Mennige (2022) von ihrer leuchtenden Farbigkeit und dem dynamischkonstruktivistischen, die Bildgrenzen sprengen wollendem Bildaufbau getragen wird, so setzen die Gemälde Azurit und Malachit (2022) in ihrer Bildwirkung ganz auf die Materialität einer aus hochtransparenten Kristallen bestehenden historischen Farbe. Aus ihrer Beschäftigung mit den spezifischen Farbformulierungen persischer Miniaturmalerei heraus, spürt die Künstlerin mit iranischen Wurzeln hier der Doppelnatur von Farbe und erinnerten Farbwelten mit den ihr heute zur Verfügung stehenden, mitunter kunstfremden Materialien nach. Dabei unterstreicht die mal durchlässig, mal deckend aufgewalzte und die Farbmotive kontrastierende weiße Grundierfarbe den Prozess der Annäherung.

ART at Berlin - Courtesy of the artist and Galerie kajetan - Shila Khatami - 7 - Photo Marcus Schneider
Shila Khatami, 7, 2022, Metallschutzlack auf Aluminium, 200 x 200 x 200 cm,
Courtesy Shila Khatami & Galerie kajetan, Photo: Marcus Schneider

Hier sowie in Beinschwarz oder Damage Line (2022) noch unterstützend eingesetzt, wird die kreidige, dynamisch mit einer Großflächen-Farbwalze aufgetragene Grundierung in den Arbeiten Anstrich, Twins und Strokes (2022) zum alleinigen bildgebenden Ausdrucksmedium. Damit bricht Khatami mit klassischen Hierarchien innerhalb der Bildproduktion und bringt unbunte, traditionell für den Bilduntergrund bestimmte Farbe konkurrenzlos an die Bildoberfläche. Bewegen sich die Arbeiten ästhetisch zwischen dem subjektiv-gestischen Abstrakten Expressionismus und nüchternen Konstruktivismus, so unterläuft Khatami solche Zuschreibungen, indem ihre Werktitel auf konkrete Alltagsphänomene und -praktiken verweisen und damit ein narratives Potenzial entfalten.

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Shila Khatami, Strokes, Ausstellungsansicht, Courtesy Shila Khatami & Galerie kajetan, Photo: Marcus Schneider

Ausgangspunkt für diese jüngsten, sehr viel autonomeren Werke bildet die im öffentlichen Raum Berlin-Weddings realisierte Wandmalerei Street Work (2021) am Lobe Block des Architekten Arno Brandlhuber (u.a.). Erstmalig hatte die Künstlerin eine nicht von ihr selbst gewählte, großformatige glatte Oberfläche zu bespielen. Hierfür bediente sie sich Großflächen-Farbwalzen, die es ihr erlaubten, mit wenigen Strokes eine große Fläche zu bearbeiten und dabei eine lineare Formensprache repetitiven Charakters umzusetzen, die von einem schnellen, gestischen Farbauftrag getragen ist. Mit formalen Rückgriffen auf ältere Arbeiten weist die Künstlerin die Wandmalerei gekonnt als ihr Werk aus und nähert sich mitsamt der verwendeten Materialien bewusst dem Feld der Graffiti-Kunst und ihren Namen-Tags.

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Shila Khatami, Strokes, Ausstellungsansicht, Courtesy Shila Khatami & Galerie kajetan, Photo: Marcus Schneider

Khatami beschließt die Ausstellung mit ihrer Installation The Road (2017), die als Kommentar zum eigenen malerischen Werk lesbar wird. Die raumgreifende Arbeit zeigt eine durchgehende gelbe Linie – einer Straßenmarkierung entlehnt, die von zwei schwarzen Linien flankiert wird. Akkurat als Geraden auf Aluminiumplatten aufgewalzt, hat die Künstlerin diese im Verbund über Wand und Boden installiert und damit eine extreme Zentralperspektive inszeniert. Scheinen die Linien aus der Ferne betrachtet unseren Blick noch dynamisch in die Tiefe des Raums hinein zu ziehen, so werden sie beim Nähertreten in ihrer Vertikalität zunehmend als Barrieren empfunden, die in der Höhe ansteigen, während sich das Bodenelement optisch verlängert. Dem Gefühl der Unausweichlichkeit setzt sich schließlich das verwendete Material entgegen, das bei naher Betrachtung seine Durchlässigkeit verrät.

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Shila Khatami, Strokes, Ausstellungsansicht, Courtesy Shila Khatami & Galerie kajetan, Photo: Marcus Schneider

Das Spiel mit unserer Wahrnehmung öffnet hier den Blick für eine künstlerische Position, die gekonnt unvereinbar Scheinendes im Stil und Genre verbindet. Mittels kunsthistorischer wie auch kunstferner Verweise beleuchtet Khatami das eigene Ausdrucksmedium und gibt die bildgebenden Elemente in ihrer jeweiligen Geschichtlichkeit und Begrenzung preis. Dabei gelangt sie zu neuartigen Bildschöpfungen, denen sie die eigene, von urbanen und industriellen Ästhetiken erzählende Handschrift unverkennbar einschreibt und sich selbst so innerhalb der jüngsten Kunstgeschichte ganz formbewusst im Sowohl, als auch verortet.

Vernissage: Freitag, 22. April 2022, 18:00 – 21:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 23. April – Samstag, 25. Juni 2022

Sonderöffnung zum Gallery Weekend Berlin: Freitag, 29. April bis Sonntag 1. Mai 2022, 11:00 – 19:00 Uhr

Sonderöffnung mit Führungen zum Charlottenwalk 2022: Freitag, 3. Juni – 18:00 bis 21:00 Uhr und Samstag, 4. Juni 2022 – 12:00 bis 18:00 Uhr

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