post-title Roman Ondak | Perfect Society | Esther Schipper | 13.09.-26.10.2019

Roman Ondak | Perfect Society | Esther Schipper | 13.09.-26.10.2019

Roman Ondak | Perfect Society | Esther Schipper | 13.09.-26.10.2019

Roman Ondak | Perfect Society | Esther Schipper | 13.09.-26.10.2019

bis 26.10. | #2547ARTatBerlin | Esther Schipper zeigt ab 13. September 2019 die Ausstellung Perfect Society des Künstlers Roman Ondak.

Esther Schipper freut sich, die erste Einzelausstellung von Roman Ondak mit der Galerie anzukündigen. Unter dem Titel Perfect Society zeigt die Ausstellung neue Skulpturen, ein Gemälde und Arbeiten auf Papier.

Entsprechend einem Hauptthema in Roman Ondaks Werk, gehen die meisten Arbeiten des Künstlers von gefundenen Objekten aus – seien es nun Alltags- oder Gebrauchsgegenstände, aus der Welt des Bauens, der Sportausrüstung, der Kunst und des Designs oder massenproduzierter Ephemera. Leichte Veränderungen, ergänzende Modifikationen und/oder präzise Umstrukturierungen von Materialien schaffen Kunstwerke, die mit dem Echo ihrer ursprünglichen Form, Funktion oder ihres ursprünglichen Zustands spielen, und gleichermaßen einen einfachen, klassischen Sinn für Schönheit und Rhythmus verkörpern.

Die Skulptur Perfect Society, 2019, besteht aus mehreren tausend kleinen Teilen von Heizungs-, Wasser- und Gasrohren mit unterschiedlichem Durchmesser, so platziert, dass eine filigrane, konvexe Oberfläche entsteht, die wie aus dem Boden aufzusteigen scheint. Ihre zentrale kreisförmige Form, um die herum weitere gekrümmte Rohrteile lose platziert sind, ähnelt zunächst der charakteristischen geordneten Struktur einer Sonnenblumenblüte oder einer Bienenstockwabe. Die Motive von Bienen und Blumen sind eine Metapher für Energie: sowohl für die Wärme, die ein Bienenstock und die Sonne erzeugen, als auch als Modell einer sozialen Interaktion, bei der jeder Teil zum Wohl des Ganzen beiträgt. In ihrem Arrangement – zum Rand der Kreisfigur hin nimmt der Durchmesser der einzelnen Rohre ab und die Biegeteile verbleiben an ihrer Peripherie – werden die wiederverwendeten Rohre (geborgen aus einem öffentlichen Gebäude in der Nähe des Künstlerateliers) zum Symbol hierarchischer Ordnung und Einheitlichkeit und bilden, wie der Titel nahelegt, eine Analogie zur Utopie.

Aeon, 2019 – eine von der Decke hängende Arbeit konstruiert aus Holzleisten auf einem Metallrahmen – lässt an das Geländer einer Treppe denken. Sie erstreckt sich von der Decke fast bis zum Boden und bildet eine rätselhafte geometrische Form, die an griechischen Mäander erinnert, der auf altgriechischen Vasen oder den ornamentalen Fries römischer Tempel zu finden ist. Die Logik ihrer formalen Konstruktion scheint sich zu verändern, sobald wir um die Arbeit herumgehen. Durch die Kombination der Formensprache der Wohnarchitektur und des antiken ornamentalen Musters entsteht eine wunderbar vielsagende und doch einfache Form. Sich die dazugehörigen Treppe vorzustellen, schickt die Betrachter auf eine fantastische Reise.

Vertigo, 2018, spielt ebenfalls mit dem Gedanken einer fehlenden Treppe: Zwei modifizierte Handläufe aus dem Haus des Künstlers, die in einem weiten Abstand übereinander an der Wand installiert sind, erzeugen eine pointierte Leere.

Ein vierte Werk, Becoming a Row, 2019, setzt dieses Motiv der umfunktionierten Alltagsgegenstände fort: Aus einzelnen, zugeschnittenen Holzschubladen gebaut, die ein geometrisches Muster aus immer kleineren Flächen formen, werden die zum Sortieren dienenden Objekte in eine dysfunktionale Anordnung gebracht, die sich der Ordnung widersetzt, aber auch eine schwindelerregende geometrische Verkleinerung bildet.

Herausgelöst aus dem Bereich der Sportausrüstung, wird ein fünf Meter langer Schwebebalken, der mit rotem Staub bedeckt ist, zu einem schmalen Streifen außerirdischen Bodens, versehen mit den Fußabdrücken des Künstlers. Ein indirekter Hinweis auf die großformatige Rekonstruktion einer Marslandschaft für seine Einzelausstellung 2004 im Kölnischen Kunstverein – die Arbeit trägt den Titel Mars Walk, 2019 -, bringen die Schritte eine anhaltende performativen Präsenz in den Raum, so wie die Skulpturen als Spuren des Hauses des Künstlers fungieren können: Rohre und Geländer in der aktuellen Ausstellung oder beispielsweise Tür- oder Fenstergriffe in früheren Arbeiten.

Eine gefundene Leinwand und eine Sammlung von Drucken und Postkarten setzen Roman Ondaks Modifikation bestehender Gemälde und Grafiken fort. Open End, 2019, entstand durch kleine Veränderungen an einer vom Künstler gefundenen unfertigen Leinwand – ein Muster wurde hinzugefügt und ein kleiner Abschnitt ausgeschnitten – und verleiht dem Gemälde eine neue Bedeutung. Die Suite der Schwarz-Weiß-Drucke und Postkarten zeigt Ansichten von Notre Dame in Paris. Im Bezug auf den noch nicht lange zurückliegenden Brand des Pariser Wahrzeichens ragen leuchtend rote Wolken aus den Türmen der Kathedrale und füllen den Himmel. Wie in früheren Arbeiten, zum Beispiel Across that Place, 2008-11 über die Geschichte des Panamakanals oder der Serie Glimpse, 2010, die sein eigenes Porträt in historische Drucke des Vesuvs einfügt, befasst sich Ondak mit dem von Künstlern und Designern massenproduzierter Ephemera konstruierten  kulturellen Gedächtnis.

Mit ergreifender, emotionaler Unmittelbarkeit betont die Anspielung auf eine Katastrophe, die als internationale kulturelle Tragödie gilt, aber auch persönliche Erinnerungen und individuelle Trauer hervorrief, eine gemeinsame, aber individualisierte Erfahrung. Doch viele der anderen Werke greifen ebenfalls auf solche gemeinsamen Momente und Gedächtnisspuren zurück: die Berührung eines hölzernen Geländers, die Allgegenwart ausrangierter Rohre, die vertraute Tätigkeit des Öffnens von Schubladen. Die melancholische Qualität der nun dysfunktionalen Objekte erhält einen hoffnungsvollen Bedeutungswandel: umfunktioniert, mit einer Stimme versehen, die die Phantasie des Betrachters subtil anregt, die Leerräume mit eigenen Erinnerungen und Visionen von realen und imaginären Begegnungen zu füllen.

Roman Ondak wurde 1966 in Zilina, Slowakei, geboren. Er studierte an der Academy of Fine Arts in Bratislava und der Slippery Rock University in Pennsylvania. Der Künstler lebt und arbeitet in Bratislava.

In 2009 repräsentierte Roman Ondak die Slovakei auf der 53. Venedig Biennale. 2012 nahm er an der DOCUMENTA (13) teil und wurde von der Deutschen Bank als Artist of the Year ausgezeichnet. 2018 erhielt der Künstler den Lovis-Corinth Preis.

Unter den zahlreichen Einzelausstellungen des Künstler sind: #12 Roman Ondak, mezzaterra 11, Belluno (2018–19); Based on True Events, Lovis-Corinth-Preis, Kunstforum Ostdeutsche Galerie, Regensburg (2018); Objects in the Mirror, BASE Progetti per l’arte Arte, Florenz (2018); Man Walking Toward a Fata Morgana, The Arts Club of Chicago, Chicago (2017); History Repeats Itself, KUNSTEN Museum of Modern Art, Aalborg (2017); The Source of Art is in the Life of a People, South London Gallery, London (2016); Storyboard, Times Museum, Guangzhou (2015); Roman Ondak, Kaldor Art Projects, Sydney (2014); Some Thing, The Common Guild, Glasgow (2013); Escena, Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia, Madrid (2013); Roman Ondak,Musée d’art moderne de la Ville de Paris /ARC, Paris (2012); do not walk outside this area, Deutsche Guggenheim, Berlin (2012); Within Reach of Hand or Eye, K21, Düsseldorf (2012); Time Capsule, Modern Art Oxford, Oxford (2011); Before Waiting Becomes Part of Your Life, Salzburg Kunstverein (2010); Shaking Horizon, Villa Arson, Nizza (2010); and Measuring the Universe, DAAD Galerie, Berlin, Museum of Modern Art, New York, and Stedelijk Museum, Amsterdam (2008–10).

Vernissage: Freitag, 13. September 2019, 18:00 – 21:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Freitag, 13. September – Samstag, 26. Oktober 2019

Zu Esther Schipper

 

Bildunterschrift Titelbild: Roman Ondak, If, 2019 / © Photo: Roman Ondak / Courtesy the artist and Esther Schipper, Berlin

Ausstellung Roman Ondak – Esther Schipper | Zeitgenössische Kunst in Berlin | Contemporary Art | Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin

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