post-title Robert Gschwantner | ISOLARE | drj art projects | 05.09.-09.10.2021

Robert Gschwantner | ISOLARE | drj art projects | 05.09.-09.10.2021

Robert Gschwantner | ISOLARE | drj art projects | 05.09.-09.10.2021

Robert Gschwantner | ISOLARE | drj art projects | 05.09.-09.10.2021

bis 09.10. | #3135ARTatBerlin | drj art projects zeigt ab 5. September 2021 in der Einzelausstellung ISOLARE zwei Kunstprojekte des österreichischen Künstlers Robert Gschwandtner.

Zum Auftakt der diesjährigen Herbst-Saison der Kunst, und mit wichtigen gesellschaftspolitischen Entscheidungen vor Augen, richtet drj art projects in der Ausstellung ISOLARE den Blick auf zwei ausgewählte Kunstprojekte von Robert Gschwantner.
In diesen beschäftigt sich der Künstler mit der Veränderung von Umwelt und Landschaft durch das Eingreifen der Menschen, und insbesondere anhand zweier Inseln mit den Auswirkungen der Meeresverschmutzung.

Die Künste und ihre Akteur:innen sind immer auch Seismografen der gesellschaftlichen Entwicklungen. So ist es wenig überraschend, dass das in seiner längst erkennbaren Wirkmacht wichtigste Thema unserer Zeit aktuell immer stärker in Ausstellungen von Museen und öffentlichen Institutionen präsent wird: die absehbare Zerstörung unserer Lebensgrundlagen und Zivilisation durch die ungehemmte Ausbeutung der natürlichen Ressourcen des Planeten Erde durch uns Menschen.

ART at Berlin - Courtesy of drj projects - Robert Gschwantner - ISOLARE_6741
Robert Gschwantner, ISOLARE, Ausstellungsansicht, drj projects, 2021, courtesy of drj projects

Aktuelle Beispiele sind etwa die gesellschaftskritische Performance »Sun & Sea«, die mit der Hinterfragung von globalem Tourismus und umweltpolitischer Gleichgültigkeit als litauischer Beitrag der Kunstbiennale in Venedig 2019 den Goldenen Löwen gewann – und jüngst auch im E-Werk Luckenwalde zu sehen war; die Gruppenausstellung ​​»Zero Waste​​«, die bis Ende 2020 im Museum der bildenden Künste Leipzig internationale Positionen zeitgenössischer Kunst versammelte, welche auf die Dringlichkeit, Ressourcen zu schonen, weniger zu konsumieren und nachhaltiger zu leben verwiesen; die Eröffnungsausstellung zum Themenjahr »Neue Natur« mit dem Titel »Ich hasse die Natur« im Schiller-Museum Weimar, die medial aufwändig und eindrücklich die komplizierte Beziehung zwischen Mensch und Natur darstellt; oder das TOPIA Festival, veranstaltet von der Künstler:innen-Initiative frontviews im HAUNT Berlin, das sich mit dem gegenwärtigen Zustand unseres Globus am Scheideweg beschäftigt: Entweder gelingt es, eine echte Koexistenz mit allen Wesen, positive Kreisläufe der Natur und eine nachhaltige Utopie zu erreichen – oder es heißt eben, unterzugehen.

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Robert Gschwantner, ISOLARE, Ausstellungsansicht, drj projects, 2021, courtesy of drj projects

Ganz neu ist die Auseinandersetzung mit Umweltfragen auf dem Feld der Kunst selbstverständlich nicht. Bereits seit mehr als zwanzig Jahren veranstaltet beispielsweise das Umweltbundesamt die direkt so benannte Reihe »Kunst und Umwelt« und lädt Künstler:innen ein, ihre Arbeit mit Bezug zu Umweltthemen in einem institutionellen Rahmen zu zeigen. Und erst vor kurzem starb mit 91 Jahren der Berliner Aktionskünstler Ben Wagin, der sich zeitlebens für Nachhaltigkeit und das Nachdenken über unser Verhältnis zu Umwelt und Natur engagierte.

ART at Berlin - Courtesy of drj projects - Robert Gschwantner - ISOLARE_6771
Robert Gschwantner, ISOLARE, Ausstellungsansicht, drj projects, 2021, courtesy of drj projects

Der österreichische Künstler Robert Gschwantner, geboren 1968, arbeitet seit mehr als 20 Jahren in verschiedenen Projekten und Werkzyklen zum Verhältnis von menschlichem Handeln und Gefährdung der Umwelt. Neben den ökologischen Fragen interessiert ihn dabei insbesondere das grundsätzliche Spannungsverhältnis zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit.

ART at Berlin - Courtesy of drj art projects - Robert Gschwantner – North Beach Collection III - 2021
Robert Gschwantner – North Beach Collection III, 2021.
PVC tubes, seawater, sand, plastic particles, 165 x 105 cm.

Seine eigene künstlerische Entwicklung ist eng mit dem persönlichen Erleben einer großen Umweltkatastrophe verknüpft: der Havarie des Tankers Erika im Jahr 1999. In einem Sturm zerbrach der Tanker in zwei Teile, sank vor der bretonischen Küste und verlor dabei den Großteil seiner Ladung von über 30.000 Tonnen Öl. Durch das ausfließende Schweröl wurden die Küsten der Bretagne auf einer Länge von 400 Kilometern verschmutzt, es setzte sich in den Spalten der zerklüfteten Felsen fest und ließ zig Tausende von Seevögeln verenden.

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Robert Gschwantner, ISOLARE, Ausstellungsansicht, drj projects, 2021, courtesy of drj projects

Zusammen mit dem Fotografen Roberto Conz fuhr Robert Gschwantner in das ​stark ​von der Ölpest betroffene Fischerdorf Le Croisic und sammelte ausgeflossenes Erdöl ein. Er befüllte damit dünne, transparente PVC-Schläuche, die er zuvor wie traditionelle Teppiche geflochten hatte. Der metaphorische Begriff ​​»​Ölteppich​​«​ ​wurde dadurch zum Ausgangspunkt für eine künstlerische Arbeit.
Die schaurige Schönheit des todbringenden und gleichzeitig unseren Wohlstand mitbegründenden Öls machte er auf diese Art in sehr besonderer Weise sichtbar. In den folgenden Jahren kamen so neben dem Erdöl auch kontaminiertes Wasser, industriell verseuchter Schlamm und andere Flüssigkeiten zum Einsatz. Gschwantner nennt diese Materialien, die als Füllmaterial seiner Teppiche und Bilder dienen, »Landschaftsreliquien«.

In der Ausstellung ISOLARE werden zwei Projekte aus diesem Werkzyklus einander gegenübergestellt: EYE-LAND, bzw. IJsseloog [NL], von 2014 und LOST & FOUND von 2020. Beide beschäftigen sich mit Situationen auf sehr direkt von menschlichen Eingriffen betroffenen Inseln.

ART at Berlin - Courtesy of drj projects - Robert Gschwantner - ISOLARE_6811
Robert Gschwantner, ISOLARE, Ausstellungsansicht, drj projects, 2021, courtesy of drj projects

IJsseloog [Deutsch: IJssel Auge] ist eine künstlich angelegte, zwei Kilometer lange Insel im niederländischen Binnensee Ketelmeer. Dort wurde ein kreisrunder künstlicher See als Deponie für verseuchten Schlamm angelegt, den der Rhein an seinem Mündungsarm IJssel über Jahrzehnte abgelagert hat. Um zudem den Kanal zur Mündung der IJssel auf mindestens 3,5 m zu vertiefen und damit den Zugang zum Fluss für die Schifffahrt zu verbessern, wurde der kontaminierte Schlick ausgebaggert und in diese Sondermüll-Deponie verbracht. Das Schlickdepot wurde in der Mitte des Sees angelegt, um die Küstenstreifen vor eventuellen negativen Folgen der Deponie möglichst zu bewahren.
Robert Gschwantner hat vor Ort von diesem Schlamm Proben entnommen, um sie als Material einer Reihe von Werken zu verwenden, die sich diesem absurden Ort widmen. In den Arbeiten des Projekts sind mit Meerwasser und Schwermetallschlamm gefüllte PVC-Schläuche über abstrakten Formmustern auf dreidimensionale Bildträger gespannt. Die visuell an Op-Art Eindrücke angelehnten Bilder, die dadurch entstehen, reflektieren die schwer fassbare Irritation und dennoch auch sichtbare Schönheit, die IJselloog ausmachen.

ART at Berlin - Courtesy of drj art projects - Robert Gschwantner – North Beach Collection III - Detail - 2021
Robert Gschwantner – North Beach Collection III, 2021 [Detail].
PVC-Schläuche, Meerwasser, Sand, Plastikpartikel, 165 x 105 cm

Für LOST & FOUND sammelte Robert Gschwantner auf der griechischen Insel Gyali Sand an den Stränden ein. Diese Insel ist vulkanischen Ursprungs und besteht geologisch aus Obsidian und Bimsstein. Ihr Landschaftsbild wird von zwei weit sichtbaren Hügeln geprägt, die jedoch durch den Tagebau des größten Bimsvorkommens Griechenlands in einigen Jahrzehnten verschwinden werden. Die Hügel sind mit einer schmalen Landzunge verbunden, auf der sich an der Nord- und Südseite Sandstrände befinden. Durch die Meeresströmung wird insbesondere der Nordstrand mit angeschwemmtem Müll verschmutzt. Umweltorganisationen sammeln diesen einmal jährlich ein, kleinere Plastikpartikel bleiben aber mit Sand vermischt vor Ort. Um die Mikroplastik-Anteile sichtbar zu machen, nutzte der Künstler erneut die geflochtenen Teppiche aus PVC-Schläuchen. Nun beinhalten sie den eingesammelten Sand und Meerwasser von der Insel. Durch das visuelle Isolieren dieser Bestandteile wird neben einer bizarren Ästhetik, die sich durch den neuen Kontext zeigt, jedoch auch unübersehbar, welche Dimensionen das Handeln der Menschen bereits auf der Mikroebene in der Umwelt angerichtet hat. Das unterstreichen die Objekte Gschwantners in der Ausstellung eindrucksvoll.

ART at Berlin - Courtesy of drj projects - Robert Gschwantner - ISOLARE_6816
Robert Gschwantner, ISOLARE, Ausstellungsansicht, drj projects, 2021, courtesy of drj projects

Insbesondere mit seinem Fokus auf Mikroplastik schließt sich insofern ein Kreis im persönlichen Schaffen des Künstlers: Waren es 1999 die offenkundigen und schrecklichen Verwüstungen des schwarzen, todbringenden Öls in der Bretagne, die er als Impuls für seine Entwicklung aufgenommen hat, sind es 22 Jahre später die aus diesem Rohstoff gefertigten Abfälle von Plastikprodukten in Sandkorngröße, die er ins visuelle Bewusstsein holt. Die vermeintlich unschuldige und farbenfröhliche Schönheit der winzigen Partikel in seinem Geflecht führt jeder:m Betrachter:in ganz klar vor Augen, was so gerne übersehen wird: längst sind sämtliche Bereiche unseres Planeten von unseren Zivilisations-Abfällen durchdrungen und es gibt keine reale Chance mehr, den dadurch impliziten Folgen zu entkommen!

Ohne plakativ oder belehrend den moralischen Zeigefinger zu heben, gelingt es Robert Gschwantner aufzuzeigen, dass es kein Weg zu einer Lösung sein wird, davor die Augen zu verschließen.

Es ist Zeit zu handeln, obwohl es längst zu spät ist.

Anmerkung: Arbeiten von Robert Gschwantner sind ab September auch in »Oil. Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters« im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen. Hier werden Bezüge zu Fluch und Segen dieses Rohstoffs und seiner enormen Wirkmacht in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung gestellt.

Eröffnung: Sonntag, 5. September 2021, 11:30 – 16:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Sonntag, 5. September bis Samstag, 9. Oktober 2021, geöffnet samstags von 14 – 18 Uhr und täglich auf Verabredung (vorbehaltlich pandemiebedingter Regelungen)

Finissage: Samstag, 9. Oktober 2021,  14:00 – 18:00 Uhr

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