post-title Mary Reid Kelley | The Minotaur Trilogy | Galerie Arratia Beer | 12.03.-16.04.2016

Mary Reid Kelley | The Minotaur Trilogy | Galerie Arratia Beer | 12.03.-16.04.2016

Mary Reid Kelley | The Minotaur Trilogy | Galerie Arratia Beer | 12.03.-16.04.2016

Mary Reid Kelley | The Minotaur Trilogy | Galerie Arratia Beer | 12.03.-16.04.2016

bis 16.04. | #0446ARTatBerlin | Arratia Beer zeigt ab dem 12. März 2016 die Ausstellung “The Minotaur Trilogy” der Künstlerin Mary Reid Kelley.

Mary Reid Kellys Videoarbeiten basieren auf sorgfältig komponierten Drehbüchern, die die Konventionen der gesprochenen und geschriebenen Sprache in Frage stellen und dabei zwischen humoristischer und tragischer Interpretation changieren. Die Sprache in den Videos ist in ihrer rythmischen Struktur an die non-sense Gedichte Alexander Popes oder Lewis Carolls angelehnt. Die fragmenthaften, poetischen Erzählstränge der Videos zeigen die Verworrenheit und Verlorenheit der Protagonisten. In ihren Videos verköpert die Künstlerin jede Rolle selbst, in einer eindeutigen künstlerischen Sprache, kostümiert in schwarz-weisse Kleidung, mit Perücken und starkem Make-up. Reid Kelleys Videos, die in Zusammenarbeit mit Patrick Kelley entstehen, sind durchdachte Konstruktionen aus körperlicher Performanz, Requisiten, Bühnenbild, Zeichnungen, graphischen Animationen und gedruckten Worten.

Bestehend aus drei Filmen – Priapus Agonistes (2013), Swineburne´s Pasiphae (2014) und The Thong of Dionysus (2015) – zeigt The Minotaur Trilogy den tragischen Stammbaum mythologischer Kreaturen. Die Trilogie vereint Elemente des klassischen Dramas, moderner Literatur und Pop-Kultur und nimmt durch messerscharfe Statements zu Geschlecht, Verlangen und Eitelkeit das zeitgenössische Fortschrittsversprechen aufs Korn.

Priapus Agonistes bringt Anleihen griechischer Mythologie mit Szenen kirchlicher Vollyballturniere zusammen, an denen die Künstlerin als Kind selbst teilnahm. Die Figur des Minotaurus, im Video als Frau dargestellt, lebt im Keller einer Sporthalle. Ihre Opfer sind die Spieler des unterlegenen Volleyballteams. Wie bei Jorge Luis Borges Minotaurus, der ihn in Das Haus von Asterion, als verletzlichen Aniti-Helden porträtierte, ist der Minotaurus in Priapus Agonistes hoffnungslos verloren in einer Umgebung sich ewig wiederholender Räume. Die getöteten Opfer benutzt der weibliche Minotaurus hier als Grenzsteine, um sich den Weg zum Waschraum zu leiten.

Im zweiten Film, Swineburne´s Pasiphae, greift Reid Kelly das schlüpfrig-dramatische Fragment Pasiphae des viktorianischen Dichters Algernon Charles Swineburne auf, welches die ungeheuerliche Geschichte der Empfängnis des Minotaurus erzählt. Zu Swineburnes Lebzeiten blieb der Text auf Grund der eindeutigen sexuellen Thematik unveröffentlicht. Das Gedicht erzählt von der Begegnung zwischen dem meisterhaften Künstler Daedalus und der Mutter des Minotaurus, der minonischen Königin Pasiphae, die – durch Posseidons Fluch – mit einer unersättlichen Liebe zu einem wunderschönen Stier gestraft wurde. Reid Kelleys Film zeigt rücksichtslose kreative Energien und nicht erfüllte Sehnsüchte, dargestellt durch Daedalus, den Künstler und Pasiphae, die Auftraggeberin. Und symbolisiert damit, wie es um die komplexe Beziehung zwischen KünstlerIn und Betrachter bestellt ist.

In The Thong of Dionysus: – dem letzten Teil der Minotaurus Trilogie – betrachtet und überarbeitet die Künstlerin die Mythen von Minotaurus, Dionysus und der Ariadne. Durch diese künstlerisch-zyklische Erneuerung der Mythen und als Abschluss der Trilogie, die ganz der Familengeschichte dieser merkwürdigen Gestalten gewidmet ist, schafft Reid Kelley eine ritualisierte Wiederholung, die sich in ihren von Sprachwitz sprühenden Geschichten vollendet. The Thong of Dionysus zeigt den Gott des Weines, Dionysus, und drei Maenaden wie sie die Vorzüge und die Natur der Trunkenheit preisen, während sie Ariadne einladen, sich ihnen auf der Insel Naxos anzuschließen. Im Labyrinth jagt der Held Priapus den Minotaurus und verliebt sich dummerweise in die Leiche des Monsters: “Eine Prise Humor mit der Süße, ist’s was ich mag, Ein guter Scherz ist’s was ich begehr’ und: du riechst komisch.” Seine Liebserklärung im Labyrinth findet ihr Echo in dem von Ariadne ausgedrückten Wunsch nach einem Sinn im Leben, beides in liguistischem Witz zu einer tragisch-komischen Geschichte über Liebe, Verlassen-werden und Tod verwoben.

Der Videoinstallation sind acht fotografische Portraits von DichterInnen, DenkerInnen, RapperInnen und KünstlerInnen beigestellt. Alle Porträtierten haben die Künstlerin zu ihrem “dionysischen” Schreiben inspiriert. Es zeigt sich in den Filmen als dunkle, formwandlerische Collage, die sich zwischen Tragik und Spiel manifestiert. Diese Porträts sind teils Hommage, teils Karikatur, wobei sie zeitlich von Euripides bis Lil´Kim reichen. Mit The Minotaur Trilogy teilen sie die Parodie, die Maskerade und die Kostümierung, und doch zeigen die Porträts reale Personen, die in Kontrast zu den mythologischen Wesen der Filme stehen.

Vernissage: Samstag, 12. März 2016, 18:00 bis 21:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 12. März bis Samstag, 16. April 2016

Zu Arratia Beer

 

Bildunterschrift: Mary Reid Kelley with Patrick Kelley, Swineburne’s Pasiphae, video still, 2014

Ausstellung Mary Reid Kelley – Arratia Beer – Kunst in Berlin ART at Berlin

 

 

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