bis 20.03. | #4909ARTatBerlin | Galerie Volker Diehl zeigt ab 17. Januar 2026 (Vernissage: 16.01.) die Ausstellung Shadow of the Future der Künstlerin Irina Zatulovskaya.
Irina Zatulovskaya (*1954) trat während der Jahre der Perestroika in der Moskauer Ausstellungsszene hervor – einer Zeit, in der die Zensur nachließ und nichtkonforme künstlerische Praktiken zunehmend sichtbar wurden. Abseits der traditionellen Leinwand wandte sie sich rauen Fundmaterialien zu, darunter Blechplatten, Holzfragmente, Kalkstein und Stoffe.
Ihre Hinwendung zu steinernen Materialien entwickelte sich Ende der 1980er Jahre und geht auf eine frühe Faszination für die Freskomalerei zurück. Selbst kleinformatige Arbeiten bewahren eine monumentale Wirkung. Biblische Themen ebenso wie Szenen aus dem bäuerlichen und dörflichen Leben bilden zentrale Werkzyklen, die häufig ineinander übergehen und eine Weltsicht vermitteln, in der das Alltägliche von sakraler Bedeutung durchdrungen ist. Zatulovskaya ist zudem Poetin; Literatur nimmt daher eine wesentliche Rolle in ihrem Werk ein. Sie schuf umfangreiche Porträtserien von Künstlern, Denkern und Schriftstellern – von Sokrates und Platon bis zu Fjodor Dostojewski. Trotz der scheinbaren Leichtigkeit und Einfachheit ihrer Bildsprache ist ihre Kunst tief im visuellen Gedächtnis der Weltkultur verankert, von der antiken Malerei bis zur Avantgarde des 20. Jahrhunderts.
Ihr Werk wird häufig dem Arte Povera zugeordnet, eine Einordnung, die jedoch nur bedingt zutrifft. Während die italienische Bewegung „arme“ Materialien einsetzte, um die Malerei zugunsten konzeptueller Installationen und Performances aufzulösen, hat Zatulovskaya die Malerei selbst nie aufgegeben. Gefundene Objekte dienen bei ihr als Bildträger für Gemälde, die im engen Dialog mit Textur, Form und Geschichte des Materials entstehen.
In ihrer künstlerischen Praxis bestimmt daher oft das Material das Bild. Rost, Risse und abgeplatzte Oberflächen werden zu integralen Bestandteilen des Motivs. Antike Fragmente evozieren antike Bildwelten, Holztafeln erinnern in Form und Oberfläche an die Ikonenmalerei. Häufig entsteht der Eindruck, das Bild habe bereits im Objekt existiert und müsse lediglich freigelegt werden. Dies entspricht ihrem Verständnis von Realismus – nicht im ideologischen, sondern im philosophischen Sinn: Die physische Realität des Bildträgers muss der Wahrheit des Bildes entsprechen.
Vernissage: Freitag, 16. Januar 2026, 19:00 Uhr
Ausstellungsdaten: Samstag, 17. Januar bis Samstag, 28. Februar 2026 – ACHTUNG: verlängert bis Freitag, 20. März 2026
Bildunterschrift: Irina Zatulovskaya, Three Figures in Red Shirts, 2007, oil on iron, 67 x 100 x 12 cm © the artist, Courtesy Galerie Volker Diehl, Berlin.
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