post-title Hamid Sulaiman | Freedom Hospital | Galerie Crone | 09.04.-18-06.2016

Hamid Sulaiman | Freedom Hospital | Galerie Crone | 09.04.-18-06.2016

Hamid Sulaiman | Freedom Hospital | Galerie Crone | 09.04.-18-06.2016

Hamid Sulaiman | Freedom Hospital | Galerie Crone | 09.04.-18-06.2016

bis 18.06. | #0495ARTatBerlin | Galerie Crone präsentiert die erste Einzelausstellung des jungen syrischen Künstlers Hamid Sulaiman in Deutschland. Sie hat den Titel „Freedom Hospital“ und läuft bis 18. Juni 2016 im Erdgeschoss der Galerie Crone Berlin.

In der Ausstellung befasst sich Hamid Sulaiman mit dem seit nunmehr genau fünf Jahren andauernden Bürgerkrieg in seinem Heimatland Syrien. Er tut dies mit den Mitteln der Zeichnung und des Comics, unter direkter Bezugnahme auf YouTube-Footage, News-Feed-Images und eigene, persönliche Erlebnisse.
Hamid Sulaiman wurde 1986 in Damaskus geboren. Er wuchs dort auf und studierte an der staatlichen Hochschule Architektur und Kunst. 2011 beteiligte er sich an den Demonstrationen des arabischen Frühlings und engagierte sich im Widerstand gegen das Assad-Regime. Kurz darauf wurde er verhaftet und gefoltert, durch glückliche Umstände gelang ihm die Flucht, zuerst nach Deutschland, dann nach Frankreich.
Seither hat Hamid Sulaiman an mehreren Gruppenausstellungen in Frankreich, Österreich, Italien, Großbritannien und Deutschland teilgenommen. Insbesondere mit seinen eindringlichen, ausdrucksstarken Tuschzeichnungen machte er immer wieder auf sich aufmerksam. Das British Museum in London und mehrere renommierte Privatsammlungen erwarben seine Arbeiten.
Vor allem aber hat Hamid Sulaiman seit seiner Ankunft in Europa – also seit fast vier Jahren – an einem Comic gearbeitet. Auf 280 Blättern mit rund 1.120 Einzelzeichnungen erzählt er vom Leben der Menschen in Syrien, vom Alltag der Jugend im Bürgerkrieg, von der permanenten Bedrohung durch das Assad-Regime und die IS-Milizen. Er macht sichtbar, was hinter den Schlagzeilen, Newsbildern und Flüchtlingsdebatten meist nicht sichtbar ist: Wie es sich in diesem wahnwitzigen Bürgerkrieg lebt und stirbt, wie man mit der täglichen Gewalt zurechtkommt oder eben nicht, wovor die Syrer flüchten oder was sie erdulden, wenn sie bleiben.
Hamid Hamid Sulaimans Zeichnungen sind eine Parabel auf die Normalität des Abnormalen, ein Dokument unserer Zeit und Welt, das weit über die lokalen Ereignisse hinausdeutet, nicht nur weil die Ereignisse dies selbst tun. Indem Sulaiman auf YouTube- und Propaganda-Bilder zurückgreift, indem er sich auf die Erlebnisse seiner Freunde und seiner Familie bezieht, schafft er ein in doppelter Hinsicht authentisches und gleichzeitig auf doppelte Weise medial gespiegeltes Abbild der irrwitzigen realen Zustände unserer Jetztzeit – und damit vermutlich ein besonders wahrhaftiges.
Im Mittelpunkt von Hamid Sulaimans Comic steht die Friedensaktivistin Yasmin. Sie hat ein kleines, illegales Krankenhaus aufgemacht, in dem sie verwundete Oppositionelle, Bürgerrechtler und Untergrundkämpfer versorgt. In staatliche Spitäler können sie sich nicht begeben, weil sie dort sofort von Assads Spitzeln verraten und inhaftiert würden. Zur Verwundung kämen die Folter und häufig auch der Tod.
Yasmin betreibt ihr Krankenhaus zusammen mit ihrer ganzen Freundesclique. Im Personal und in der Patientenschar spiegeln sich die Widersprüchlichkeit, die Diversität und die Zerrissenheit der syrischen Gesellschaft. Es treffen Kurden auf Aleviten, westliche Journalisten auf muslimische Prediger, verwundete Kämpfer der Freien Syrischen Armee auf opportunistische Undercover-Agenten des Assad-Regimes. Sie alle kämpfen für irgendwas oder irgendwen, mal mehr überzeugt, mal weniger. Die Allianzen, das Vertrauen, die Beziehungen zueinander changieren ständig, über allem thronen stets die Bilder und die Realität unerbittlicher Gewalt.
Auch wenn Hamid Sulaiman betont, dass die Geschichte fiktiv ist, so erfasst sie doch stets, was ist, und nicht bloß, was sein könnte. Hamid Sulaiman verarbeitet in seinen Zeichnungen den Ist-Zustand seiner Heimat und die Erlebnisse geliebter Menschen. Dadurch vermittelt er ein eindrucksvolles Bild der politischen Situation und des alltäglichen Lebens in Syrien. Er verdichtet mit den Mitteln der Zeichnung und des Comics fünf Jahre Bürgerkrieg – die Gewalt, die Verwerfungen, die Katastrophen und das immerwährende Prinzip Hoffnung.
In der Berliner Galerie Crone werden die Original-Zeichnungen von Hamid Sulaimans „Freedom Hospital“ zum ersten Mal gezeigt. Ergänzt werden sie durch Skizzen und Studien, die zur Entwicklung und Erarbeitung des Comic dienten.

Vernissage: Freitag, 08. April 2016, 19:00 bis 21:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 09. April bis Samstag, 18. Juni 2016

Zur Galerie Crone

 

Bildunterschrift: Hamid Sulaiman Freedom Hospital, 2012-2016 Tusche auf Papier 42 x 59,4 cm

Ausstellung Hamid Sulaiman – Galerie Crone – Kunst in Berlin ART at Berlin

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