post-title Gülbin Ünlü | Almost Ünlü | Barbara Thumm | 02.05.–27.06.2026

Gülbin Ünlü | Almost Ünlü | Barbara Thumm | 02.05.–27.06.2026

Gülbin Ünlü | Almost Ünlü | Barbara Thumm | 02.05.–27.06.2026

Gülbin Ünlü | Almost Ünlü | Barbara Thumm | 02.05.–27.06.2026

bis 27.06. | #5060ARTatBerlin | Barbara Thumm präsentiert ab Samstag, 02. Mai 2026 die Ausstellung der Künstlerin Gülbin Ünlü.

Während Uranus im April seinen Transit in die Zwillinge abschließt und damit das Ende eines achtjährigen Zyklus des Umbruchs sowie den Beginn neuer Entwicklungen markiert, bereitet sich die in München ansässige Künstlerin Gülbin Ünlü auf ihr Berliner Debüt in der Galerie Barbara Thumm vor. Derzeit Stipendiatin der Villa Romana in Florenz, kommt die Künstlerin mit türkischen Wurzeln in die deutsche Kulturhauptstadt, um einen sorgfältig kuratierten Dialog zwischen ihrer institutionellen Ausstellungsgeschichte und ihren neuesten experimentellen Ansätzen zu präsentieren. Ihr Titel entwirft einen kognitiven Raum der Selbsterkennung; fast ein Eisbrecher-Motto zur Selbstvorstellung – ein cleveres Wortspiel, wenn man die Bedeutung ihres Nachnamens im Türkischen bedenkt: „berühmt, bekannt, angesehen…“

Ünlüs komplexe und einzigartige Praxis ist durch eine charakteristische „Mash-up“-Philosophie geprägt: ein nahtloser Dialog zwischen Malerei, Zeichnung, Fotografie und Klang. Anstatt sich an ein einzelnes Medium zu binden, nutzt sie eine vielschichtige Hybridtechnik, die Druckgrafik und Malerei zu fragmentierten Dimensionen und Strukturen verbindet. Dieser offene Ansatz fungiert als eine Form von Autonomie, indem er „Sampling“ und „Remixing“ einsetzt, um etablierte Sichtbarkeitsregime herauszufordern und verborgene, affektive sowie tiefere Erzählungen zu erforschen. Ihre Fähigkeit, klassische Techniken mit rohem, zeitgenössischem Ausdruck zu verbinden, hat ihr internationale Anerkennung eingebracht, mit jüngsten Präsentationen in der Pinakothek der Moderne, im Haus der Kunst sowie in der Berlinische Galerie.

Das Herzstück der Ausstellung ist eine ortsspezifische Weiterentwicklung ihrer Installation „Karanlık Işık“ (2024). Ursprünglich in einem Ready-made-Ausstellungsraum innerhalb der Gruppenausstellung „Carrying the Earth to the Sky“ während Various Others 2024 realisiert, verschmilzt sie nun mit den transparenten Elementen aus ihrer Einzelausstellung „Fragmentornament“ (2025) im Kunstverein Wilhelmshöhe. Dieser hängende Turm wird in seiner Materialität von Licht durchdrungen – ein fließender, instabiler Körper. Für den Galerieraum als „Remake, Remix oder Revisit“ konzipiert, nutzt das Werk Sublimationsdruck auf Fahnenstoff und verbindet zehn textile Elemente aus „Karanlık Işık“ mit den durchscheinenden Schichten der „Fragmente“.

Als sprachliches Oxymoron sowohl im Türkischen als auch im Deutschen stellt „Karanlık Işık“ („Dunkles Licht“) unterschwellige Ebenen der Selbstverortung in psychogeografischen Landschaften neu vor: Lässt sich Dunkelheit von Licht trennen? Während die ökologische Ökonomie prüft, ob Recycling oder Upcycling tragfähig ist, ragt dieser monumentale, vertikale Turm fast sechs Meter in die Höhe und lädt zu einer 360-Grad-Betrachtung ein. Durch das Stapeln transparenter Textilien entfernt sich Ünlü von einer objektzentrierten Inszenierung hin zu einer räumlichen Erfahrung, in der die Bewegung der Betrachtenden und ihre Beziehung zum Werk zu einem immateriellen Bestandteil werden. So wie der Turm eine Rundumsicht erfordert, verlangen auch die KI-Beiträge eine multidimensionale Lektüre: zugleich hochtechnologisch und unheimlich archaisch.

Über digitale Neuheit hinaus integriert Ünlü Künstliche Intelligenz organisch als Erweiterung künstlerischen Denkens und knüpft damit an einen „archivalischen Impuls“ im Sinne von Hal Foster an. In ihrem „Spekulativen Archiv“ fungiert KI als nicht-menschliche Zeugin, die historische Daten zu fiktionalen dokumentarischen Sequenzen verdichtet. Es handelt sich nicht um bloße Automatisierung, sondern um eine kollaborative Heimsuchung. Indem sie die Maschine dazu anregt, das Dorf ihrer Großmutter zu visualisieren, nutzt sie die inhärente Fremdheit der KI, um ein Science-Fiction-Element zu manifestieren: die Landung eines Aliens. Ihre Methode basiert auf der Erforschung archivischer Grundlagen, um spekulative Narrative und neue Formen der Bildproduktion zu erzeugen. In einer erschütternden Intervention generierte Ünlü Fotografien im Stil der 1930er-Jahre vom Dorf ihrer Großmutter, gestört durch ein surreales Sci-Fi-Element: Ein Alien landet – ein Begriff, der zugleich jemanden bezeichnet, der nicht „von hier(/dort)“ ist.

Ein Archiv von Dingen, die nie waren und sich doch immer so angefühlt haben. KI wirkt hier wie eine digitale Hellseherin oder Hellseher, ein synthetisches Medium, das eine Vergangenheit rekonstruiert, die sie oder er nie erlebt hat. Welches Alien ist gemeint: das außerirdische Wesen oder der soziale Außenseiter? Fremde, Besucher, Undokumentierte oder das Himmlische? Diese ungefilterten Bilder verbinden persönliches Erbe und familiäre Genealogien mit spekulativer Fiktion und hinterfragen die Verlässlichkeit fotografischer Dokumente sowie Selbstdefinition und Selbstwahrnehmung. In zwei Arbeiten aus ihrer Serie „Transit“ („Transit: Unlocked“, „Transit: Unheard“) verwischen Tinte, Öl und sogar Glitzer die Überlagerung von Privatem und Politischem. Durch den Einsatz von KI zur Erzeugung dieser fiktiven Dokumentationen erreicht Ünlü einen digitalen Verfremdungseffekt im Sinne von Bertolt Brecht: So wie Brecht im Theater verhinderte, dass das Publikum völlig in der Handlung aufgeht, unterbricht hier der KI-Glitch oder die Alienfigur die rein nostalgische Rezeption von Familiengeschichte. Es entsteht ein Moment des Innehaltens: Ist das eine Erinnerung, ein wiederkehrendes Trauma oder eine Kalkulation?

Indem sie authentisches Erbe mit algorithmischer Halluzination kollidieren lässt, inspirieren die Fehler und Outputs der KI zu Sci-Fi-Interventionen. Sowohl die Türkei als auch Deutschland sind von starken lokalen Kontexten geprägt, in denen unausgesprochene Geschichten von Militär, Krieg, Gewalt, Genozid und marginalisierten Gemeinschaften existieren; diese visuelle Darstellung von Verdrängung im migrantischen Erleben entfaltet daher eine besondere kontextuelle Resonanz.

UFO steht für „Unidentified Flying Object“, also ein nicht identifizierbares Flugobjekt. Es gibt wohl kaum einen passenderen Ort als Berlin für das Debüt dieser „fast berühmten“ Künstlerin. Gülbin Ünlüs erste Einzelausstellung „Almost ÜNLÜ“ reflektiert nicht nur die Geister der Hauptstadt, die Schatten des Kalten Krieges sowie der Nachkriegs- und Post-Truth-Ära, sondern auch die „Aliens und Entfremdungen“ einer Stadt, in der Ikonen wie Füruzan, Klaus Nomi, David Bowie und Grace Jones einst mit dem Wind im Kopf unterwegs waren.

Misal Adnan Yıldız

Vernissage: Samstag, 2. Mai 2026, 18:00–22:00 Uhr

Ausstellungsdaten : Samstag, 2. Mai bis Dienstag, 2 Juni 2026

Zur Galerie

 

 

Bildunterschrift Titel: Courtesy of Galerie Barbara Thumm.

Ausstellung Gülbin Ünlü – Galerie Barbara Thumm | Zeitgenössische Kunst in Berlin | Contemporary Art | Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin

 

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