post-title Frank Stella | Sprüth Magers Berlin | 08.07.-03.09.2016

Frank Stella | Sprüth Magers Berlin | 08.07.-03.09.2016

Frank Stella | Sprüth Magers Berlin | 08.07.-03.09.2016

Frank Stella | Sprüth Magers Berlin | 08.07.-03.09.2016

bis 03.09. | #0624ARTatBerlin | Sprüth Magers Berlin zeigt aktuell die Ausstellung des US-amerikanischen Künstlers Frank Stella.

In Frank Stellas erster Ausstellung bei Sprüth Magers präsentiert die Galerie eine Auswahl von Werken aus der Polish Village und der Bali Serie.

Frank Stella entdeckte 1970 die visuelle Kultur polnischer Juden durch Maria und Kazimierz Piechotkas Buch Wooden Synagogues (1959). Nachdem er das Buch von seinem Freund, dem Architekten Richard Meier, erhalten hatte, begann Stella zu zeichnen und bis zum Herbst des Jahres 1970 entstanden 42 Skizzen. Zwischen 1971 und 1974 schuf er auf diesen Zeichnungen basierend mehr als 130 großformatige Werke, die verschiedene Entwicklungsstadien, wie Zeichnungen auf Millimeterpapier, Modelle und Maquetten durchliefen. Die Arbeit an der Polish Village Serie begann Stella kurz nach seiner Retrospektive im Museum of Modern Art (1970). Als jüngsten Künstler, dem eine solche Auszeichnung je zuteilgeworden war, stellte diese einen Einschnitt für Stella dar, der es ihm möglich machte, das bisher Erreichte einer kritischen Neubetrachtung zu unterziehen.

Die sowohl in formaler als auch technischer Hinsicht experimentellen, großformatigen Wandreliefs der Polish Village Serie stellen einen Wendepunkt in Frank Stellas Œuvre dar. Obwohl er die aus früheren Arbeiten bekannten geformten Leinwände beibehielt, wie beispielsweise in der vorausgegangenen Protractor Serie (196770), ersetzte Stella in den Polish Village Werken die flächigen Collagen durch Reliefs. Durch das neue Verfahren sah er sich veranlasst, die konventionellen Materialien Papier und Leinwand aufzugeben und stattdessen diverse neue Materialien mit immer unterschiedlicheren Texturen zu erforschen. In dieser Serie, die als sein erstes dreidimensionales Werk gelten kann, verfolgte Stella – in seinen eigenen Worten – das Ziel, eine ‚Malerei zu konstruieren’, die über die Grenzen des Zweidimensionalen weist. Stella schuf für gewöhnlich drei, gelegentlich auch vier, Variationen einer Arbeit, wobei erste Kompositionen als zweidimensionale Collagen entstanden und nachfolgende Varianten tiefere Relief-Elemente enthielten, die in den Raum hinausragten.

Erste Werke der Serie wurden beinahe unmittelbar nach ihrer Entstehung im Herbst 1971 in Ausstellungen in New York, Paris und London präsentiert. Das Publikum zeigte sich von den exotischen Titeln der Werke fasziniert, die auf Kleinstädte oder Dörfer wie Bogoria, Lanckorona, Odelsk oder Olkienniki verwiesen, in denen die Synagogen bis zum Zweiten Weltkrieg standen. Vor der Ausstellung Frank Stella and the Synagogues of Historic Poland (Frank Stella und die Holzsynagogen des historischen Polen) im POLIN Museum der Geschichte der polnischen Juden in Warschau (Februar – Juni 2016), waren Stellas Werke nie Seite an Seite mit Bildern der Gebäude, die ihn inspiriert hatten, gezeigt worden. Die in dem Buch der Piechotkas reproduzierten Fotografien und Zeichnungen von Synagogen waren in der Zeit zwischen den Weltkriegen zu Forschungszwecken entstanden, größtenteils am Institut für polnische Architektur (ZAP) an der Fakultät für Architektur der Technischen Universität Warschau.

Die in der Ausstellung bei Sprüth Magers präsentierten Reliefs und Collagen gewähren einen Einblick in aufeinanderfolgende Phasen von Stellas innovativem Umgang mit Technik und Materialien innerhalb der Serie. Odelsk I (1971), eine Collage aus Filz, Farbe, Leinwand und Holz, ist als Abfolge ineinandergreifender geometrischer Formen ausgeführt. Olkienniki III (1972) zeigt die technische Entwicklung der Werke innerhalb der Serie auf und veranschaulicht insbesondere den Schritt vom unnachgiebigen Material Holz zu biegsamerer Pappe. Stella entwickelte kastenähnliche Formen auf der Bildfläche und konstruierte tiefe Reliefs mit einer größeren Geschlossenheit von Formen und Farben. Je nach Farbauswahl wird der Eindruck von Bewegung im Raum und räumlicher Tiefe intensiviert oder abgeschwächt.

Mehr als 30 Jahre nach seiner Polish Village Arbeiten führte Stella seine Untersuchungen zum Verhältnis von Skulptur, Malerei und Architektur in der Bali Serie (2002 – 2009) fort. Von Margaret Meads und Gregory Batesons anthropologischen Studie über die Bevölkerung auf Bali (Indonesien) inspiriert, sind auch diese Werke Ausdruck der unerschöpflichen Möglichkeiten, die Stella in der Suche nach immer neuen Inspirationsquellen für sich erschließt. Aber sie belegen auch seine schier grenzenlose künstlerische Freiheit im Umgang mit kurvenförmigen Formen und dem innovativen Einsatz von Materialien. Trotz ihrer scheinbar leichtgewichtigen Eleganz schlängeln sie sich aggressiv durch den realen Raum und evozieren Segel oder Gerätschaften, die außer Kontrolle geraten sind. Sie sind Resultate der facettenreichen Auseinandersetzung Stellas mit den Konventionen sowohl des illusionistischen Bildraums als auch des realen Raumes, die von malerischen bis hin zu architektonischen oder plastischen Überlegungen reicht.

Text von Dr. Artur Tanikowski
POLIN Muzeum Historii Żydów Polskich
(Museum der Geschichte der polnischen Juden in Warschau)
Frank Stella (1936, Malden, Massachusetts, USA) lebt und arbeitet in New York. 2009 wurde er von Präsident Barack Obama mit der National Medal of Arts geehrt. Stellas Werke wurden in zahlreichen Einzelausstellungen präsentiert, unter anderem A Retrospective im Whitney Museum of American Art, New York, sowie dem Modern Art Museum of Fort Worth (2015–2016); POLIN Museum der Geschichte der polnischen Juden in Warschau (2016); Kunstmuseum Wolfsburg (2012); Metropolitan Museum of Art, New York (2007); Waddington Galleries, London (2000); Haus der Kunst, München (1996); Museum of Modern Art, New York (1988 und 1970); Kunsthalle Bielefeld (1977); Stedelijk Museum, Amsterdam (1970); sowie dem Solomon R. Guggenheim Museum, New York (1965). Seine Werke waren in wichtigen Gruppenausstellungen vertreten, unter anderem America is Hard to See, The Whitney Museum of American Art, New York (2015); Singular Forms (Sometimes Repeated) – Art from 1951 to the Present, Solomon R. Guggenheim Museum, New York (2004); Die Epoche der Moderne: Kunst im 20. Jahrhundert, Martin-Gropius-Bau, Berlin (1997); Individuals: A Selected History of Contemporary Art, 1945–1986, The Museum of Contemporary Art, Los Angeles (1986); Amerikanische Kunst des 20. Jahrhunderts, Kunstmuseum Bern und Museum Ludwig, Köln (1979); Three American Painters: Kenneth Noland, Jules Olitsky, Frank Stella, Fogg Art Museum, Cambridge, Massachusetts (1965); sowie Sixteen Americans, Museum of Modern Art, New York (1959).

Sprüth Magers präsentiert in Berlin zeitgleich die Einzelausstellung The School for Objects Criticized AE von Alexandre Singh, die bis zum 03. September 2016 verlängert wurde.

Ausstellungsdaten: Freitag, 08. Juli bis Samstag, 03. September 2016

Zu Sprüth Magers Berlin

 

Bildunterschrift: Frank Stella, Olkienniki III, 1972, Corrugated cardboard, felt, paint and wood, 241.3 x 213.4 cm, 95 x 84 inches, © 2016 Frank Stella / Artists Rights Society (ARS), New York – Courtesy the artist and Sprüth Magers

Ausstellung Frank Stella – Sprüth Magers Berlin – Kunst in Berlin ART at Berlin

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