bis 31.10. | #5123ARTatBerlin | Barbara Thumm präsentiert ab Samstag, 12. September 2026 (Vernissage: 11.09.) die Ausstellung „Poems for Helicopter Blades“ der Künstlerin Fiona Banner aka The Vanity Press.
Fiona Banner alias The Vanity Press setzt sich mithilfe verschiedener Medien – darunter Zeichnung, Skulptur, Performance und bewegtes Bild – mit den Themen Geschlecht, Sprache und Konflikt auseinander. Durch eine spielerische Hinterfragung der Sprache reflektiert sie über die Bedeutung des „Körpers der Politik“ und die Politik des Körpers.
Der Zugang zur Ausstellung erfolgt über das Werk „The channel“. Dabei handelt es sich um eine verbale Beschreibung des Teppichs von Bayeux, den Banner als „den allerersten Kriegsfilm“ bezeichnet. Das Werk ist auf einem Hubschrauberrotorblatt geschrieben, das den Eingang teilt, und fungiert sowohl als Zugang zur Galerie als auch als mögliche Barriere.
„Poems for Helicopter Blades“ entfaltet sich durch eine Reihe neuer Video- und Klangskulpturen, die um Teile von Kampfflugzeugen herum konstruiert sind. „La Fin / Runway“ wird auf das Cockpitdach eines Jaguar-Flugzeugs projiziert, das Teil ihrer gefeierten Installation „Harrier and Jaguar“ aus dem Jahr 2010 war, bei der Kampfflugzeuge in den riesigen neoklassizistischen Galerien der Tate Britain ausgestellt wurden. Nach der Ausstellung wurden die Flugzeugteile eingeschmolzen und als Aluminiumbarren gelagert – hier sind sie als Skulpturen und Bilderrahmen neu gegossen zu sehen.
„La Fin / Runway“ greift auf Bilder aus Banners Fotoshooting für die „Vogue Korea“ aus dem Jahr 2021 zurück. In Zusammenarbeit mit der Fotografin Emma Summerton, mit der sie seit Langem zusammenarbeitet, zeigt der Film die Künstlerin selbst, ihre Tochter im Teenageralter sowie das Künstler- und Model Evangeline Ling, die als Militärflugzeuge posieren – als „Falcon“ und „Typhoon“, moderne Kampfflugzeuge, die heute auf der Weltbühne im Einsatz sind, aber auch als Naturgewalten: als Raubvogel und als gewaltiger, zunehmend zerstörerischer Wind. Die posierenden Mensch-Tier-Automaten suggerieren eine Verschmelzung mit der Natur und zugleich einen zarten, traurigen, euphorischen Verlust. „Falcon“ und „Typhoon“ verkörpern die Fantasie, die Werkzeuge des Konflikts zu entmachten, während sie ein unerfülltes Verlangen nach Intimität statt Entfremdung zum Ausdruck bringen.
Unter Verwendung einer fotografischen Ästhetik, die mit Haute Couture und der Modebranche assoziiert wird, erforscht „La Fin / Runway“ unser Bedürfnis, uns selbst durch Tropen des Luxus und des Territoriums vorzustellen – letztlich durch Konflikt.
Der grandiose Soundtrack ertönt aus dem „Speaker Fin“, einer hochglanzpolierten Heckflosse eines Harrier-Jets. Der von Banner und Freunden aufgenommene Track greift Elemente aus dem „Schwanensee“ auf und beschwört Natur und Fortpflanzung herauf. Er erinnert an den wandernden Charakter eines Magazins und beschwört Wind, Verführung und Gewalt herauf.
„Pas de Deux“, „Tip and Toe“ – Rotorblätter eines Gazelle-Hubschraubers – erinnern an Menschen, Tiere und Totems. Auf den Kopf gestellt scheinen die Blätter auf Zehenspitzen zu balancieren, vielleicht auf riesigen Beinen. Entworfen, um sich seitlich zu drehen, vollführen sie in vertikaler Richtung eine Art skulpturales Ballett.
Die beiden Skulpturen dienen gleichzeitig als Publikationen. Sie sind als Bücher unter eigenen ISBN-Nummern registriert, die der Künstler auf sie gemalt hat, und wurden dann unter dem Titel „Tipand Toe“ veröffentlicht – ein Verweis auf ihre und unsere Prekarität.
„Recto Verso / Books From Other“ ist eine Serie skulpturaler Gemälde – Texte auf aufgeschnittenen Rotorblättern.
„Elsewhere Vulva Volvo“ (2025) basiert auf einem Text/Gedicht von Banner, das mit der gemeinsamen Etymologie der beiden Wörter spielt. Als ironischer Blick auf die Kommodifizierung der Sprache versucht das Werk, das Wort neu zu geschlechtlichen und „die Verschwörung der linearen Vorstellung von Zeit und Raum“ umzuleiten.
„Flypast“ (2026), eine filigrane Fotogravur, untergräbt das absurde Ego militärischer Flugparaden, die Banner als „einen rohen Moment extremen Wetters; ein gewalttätiges Schwarmverhalten“ beschreibt und sie so zu einem von Vögeln inszenierten Naturphänomen macht.
Wie in vielen Werken von Banner wird das militärische Objekt seines funktionalen Zwecks entkleidet und einem Prozess der sprachlichen und materiellen Verschiebung unterzogen. Was bleibt, sind instabile Objekte, Klänge und Bilder, die zwischen Maschine und Skulptur, Waffe und Bild, Körper und Sprache gefangen sind.
Vernissage: Freitag, 11. September 2026, 18:00–21:00 Uhr
Ausstellungsdaten : Samstag, 12. September bis Samstag, 31. Oktober 2026
Zur Galerie
Bildunterschrift Titel: Fiona Banner aka The Vanity Press, Poems for Helicopter Blades, courtesy of the artist and Galerie Barbara Thumm.
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