bis 09.08. | #5111ARTatBerlin | Galerie Creative Game präsentiert ab Freitag, 31. Juli 2026 die Ausstellung Der weibliche Blick mit Werken der Künstlerin Gisela Breitling.
Die Galerie widmet der Künstlerin Gisela Breitling eine Retrospektive. Eine Künstlerin, die ihrer Zeit voraus war. Breitlings Werk formulierte bereits seit den 1960er Jahren eine Perspektive, die heute unter dem Begriff „Female Gaze“ verhandelt wird: den Blick der Frau als Handelnde und Reflektierende.
Doch während dieser Begriff erst Jahrzehnte später zum kunsttheoretischen und gesellschaftlichen Diskurs wurde, entwickelte ihn Breitling in der Malerei konsequent und radikal eigenständig. Ihre Bilder zeigen Frauen nicht als Projektionsfläche, sondern als Bewusstseinsräume. Sie entziehen sich klassischen Rollenbildern ebenso wie kunsthistorischen Zuschreibungen und eröffnen eine neue, intime Bildsprache zwischen Renaissance-Anklängen und existenzieller Gegenwart.

Gisela_Breitling, Alice hinter den Spiegeln, 1979, Öl auf Leinwand, Artothek nbk, by courtesy of the gallery
Diese Ausstellung ist eine Neubewertung. Denn trotz internationaler Ausstellungen und ihr Einzug in hochrangige Sammlungen und Museen hat sich Gisela Breitling bewusst den Mechanismen des Kunstmarkts entzogen. Statt einer strategischen Karriere verfolgte sie eine künstlerische Haltung, die auf Autonomie und inhaltlicher Konsequenz beruhte.
Diese Entscheidung führte dazu, dass ihr Werk heute zwar in bedeutenden Sammlungen vertreten ist, aber nicht in dem Maße im Kanon verankert wurde, das seiner Relevanz entspricht.
Gerade hierin liegt die Dringlichkeit dieser Retrospektive: Gisela Breitling steht exemplarisch für eine Generation von Künstlerinnen, deren Bedeutung erst im Nachhinein sichtbar wird – nicht trotz, sondern wegen ihrer Unabhängigkeit vom Markt.

Gisela Breitling, Olympe de Gouges [No. 1 „Olympe de Gouges“ 1748-1793 –
„Déclaration des droits de la femme et de la citoyenne“ von 1791 – aus der
Selbst-Portrait-Serie „Drei historische Frauen“, by courtesy of Galerie Creative Game
Die Ausstellung stellt daher zwei zentrale Fragen: Wie verändert sich unser Blick auf Kunstgeschichte, wenn wir ihn aus der Perspektive jener lesen, die lange nicht gesehen wurden? Und welche künstlerischen Positionen gilt es heute neu zu entdecken, weil sie sich bewusst der Logik von Sichtbarkeit und Verwertbarkeit entzogen haben?
In einer Zeit, in der Fragen nach Autorinnenschaft, Blickregimen und Repräsentation aktueller sind denn je, erscheint Breitlings Werk nicht als historisches Dokument, sondern als überraschend gegenwärtige Position. Gisela Breitling neu zu sehen, heißt, die Gegenwart anders zu verstehen.
Vernissage: Freitag, 31. Juli 2026, ab 19 Uhr
Ausstellungsdaten: Samstag, 1. August + Sonntag, 2. August 2026 13 – 17 Uhr, Donnerstag, 6. August 2026, 13 – 17 Uhr, Samstag, 8. August + Sonntag, 9. August 2026, 13 – 17 Uhr
Finissage + Live Music: Freitag, 7. August 2026, ab 19 Uhr – Live Musik: Myles.Kooper
Bildunterschrift Titelbild: Gisela Breitling, Selbstporträt, 1976, Öl auf Leinwand, by courtesy of the gallery
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