post-title Morten Løbner Espersen | Die sieben Todsünden | Brutto Gusto | 12.09.-31.10.2015

Morten Løbner Espersen | Die sieben Todsünden | Brutto Gusto | 12.09.-31.10.2015

Morten Løbner Espersen | Die sieben Todsünden | Brutto Gusto | 12.09.-31.10.2015

Morten Løbner Espersen | Die sieben Todsünden | Brutto Gusto | 12.09.-31.10.2015

bis 31.10. | #0173ARTatBerlin | Galerie Brutto Gusto fine arts zeigt Morten Løbner Espersen mit der Ausstellung „Die sieben Todsünden“ vom 12. September bis zum 31. Oktober 2015.

Die Todsünde, die Morten Løbner Espersen am häufigsten begeht, in der er schwelgt, ist die der Völlerei, nämlich im Sinn der Maßlosigkeit. Denn sein Ansatz zur Keramik ist ganz und gar barock. Was ich damit meine, kann ich am besten erklären, indem ich sein Werk anhand von unterschiedlichen „Genres“ beschreibe, die er für sich entwickelt hat, um so seine barocke Praxis der Töpferkunst auszuloten. Zunächst fertigt er nüchterne Gefäße, minimalistische Behälter, die jedoch nur der Träger der exzessiven Glasuren sind. Er baut so die Haut seines Gefäßes mit multiplen Schichten auf, häufig in überschwänglichen Farben. Die vielen Schichten der Glasuren verlaufen auf dem sie tragenden Gefäß, sie verrinnen und lassen Falten, Blasen, Hügel und Löcher entstehen. Sie hinterlassen Spuren wie die Nacktschnecken. Manche Glasuren sind nahezu transparent, wenn sie sich über andere Glasuren ausbreiten, während andere dickflüssig sind und Licht und Farbe der von ihnen bedeckten Schichten absorbieren. Doch immer sind die Glasuren eindeutig materiell und schwer. Wir können sehen, wie sie sich über den Träger bewegen und ihn mit ihren Spuren überziehen.

Im zweiten Genre, dem sogenannten Horror vacui, zoomt er an die Haut heran: Die Glasuren, die bislang minimalistische Gefäße bedeckten, sind nicht mehr bloß eine Haut, die sich über ihren Träger spannt. Mit mikroskopischem Blick konzentriert sich Morten Løbner Espersen auf die Haut seiner Glasuren und macht diese Haut zur Form seines Gefäßes. Die Glasuren weigern sich, noch länger nur die Hülle eines Gefäßes zu sein: Sie machen sich an dem Gefäß zu schaffen und werden zu seiner Form. Diese barocke Transformation lässt sich am ehesten mit dem Blick eines Betrachters vergleichen, der die Falten eines Vorhangs entlang gleitet. Der Blick bleibt nicht stehen, er bewegt sich und besitzt keinen Fluchtpunkt. Subjekt und Objekt des Blicks verheddern sich vollends. In dieser endlosen Transformation spielen Proportion und Maßstab eine grundlegende Rolle. Der Blick ins Mikroskopische wird gegen den Blick ins Makroskopische getauscht. Befindet sich der Betrachter im Innern einer Falte, so ist sein Blickfeld ein völlig anderes, als wenn er diese Falte verlässt.

Das dritte Genre ist das Ergebnis eines noch weitergehenden Heranzoomens auf das grundlegendste materielle Bestandteil der Glasur: der Tropfenverlauf. Nur als Tropfenverlauf zeigt die Glasur ihre Materialität aufs Eindeutigste. Nur dann ist sie schwer. Doch der Tropfenverlauf wird auf ein Podest gehoben: Er wird umgekehrt; er steht anstatt zu hängen und sieht wie ein Pilz aus, könnte man sagen. Glasur ist zur Form befördert. Obgleich es noch Glasur gibt, die die Form des Trägers bedeckt, so ist es nunmehr die Materialität der Glasur in ihrer grundlegendsten Existenz, als Tropfenverlauf, die dem Träger Gestalt verleiht. Der Behälter ist von ihr verschlungen worden. (Ernst van Alphen, Amsterdam, July 2015)

Vernissage: Freitag, 11. September 2015, 18 – 21 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 12. September bis Samstag, 31. Oktober 2015

Zu Brutto Gusto fine arts

 

Bildunterschrift:

Morten Løbner Espersen – brutto gusto fine arts – Kunst in Berlin ART@Berlin

 

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