bis 04.09. | #4741ARTatBerlin | Galerie feinart berlin zeigt ab 09. August 2025 eine Einzelausstellung des Künstlers Günter Schöllkopf.
Das grafische Werk von Günter Schöllkopf, geboren 1935 in Stuttgart, vermittelt den Eindruck eines neugierigen, politisch engagierten Künstlers und Denkers mit einer Begabung für Radierungen und einer sprudelnden Fantasie. Im Alter von zehn Jahren erhielt er Privatunterricht bei Max Ackermann, mit 22 schloss er sein Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart ab. Als er im Alter von 44 Jahren starb, hinterließ er insgesamt rund 1.000 Werke, die sich mit Themen aus Weltliteratur, Musik, Geschichte und Politik befassen.
Guenter Schoellkopf, Helden, 34.3 x 49cm, 1953, ©feinartberlin
In der Ausstellung zu sehen sind Blätter aus den Zyklen Zu Balzac, Don Quichote, François Villon, zu antiken Mythen und Märchen sowie drei seiner seltenen Gemälde. Hinter der Darstellung der Themen, denen die Zyklen gewidmet sind, lässt sich ein wucherndes Wurzelsystem von Bezügen entdecken, das alle Bilder, alle Figuren miteinander verbindet. Schöllkopf interessiert nicht die Bestätigung vorgegebener Ordnungen und Interpretationen, schon gar nicht deren Illustration. Vielmehr wollte er in seinen kaleidoskophaften, doppelbödigen Bildwelten kollektive Aussageverknüpfungen erreichen, die das Denken von Plus und Minus, von Autoritäten und Ideologien befreien.
Günter Schöllkopf — Louenge à la cour (Zu François Villon), Radierung, Druckplatte 24,8 x 29,6cm, 1958, 8/8 ©feinartberlin
Die frühen Zyklen wie Zu Balzac und Ost-West fertigte Schöllkopf im Alter von 17 Jahren, ein junger Mann voll Tatendrang, herausforderndem Geist, aufbegehrend gegen überkommene Strukturen und ringend mit inneren Widersprüchen. In der Druckgraphik und Zeichnung fand er seine Sprache und schuf damit seinem Wissen und Denken einen Bilderkosmos — insbesondere in der Radierung: „Ich bin ein Mann des Metalls“, schreibt er in seinen Tagebüchern (Sammlung Deutsches Literaturarchiv Marbach).
Günter Schöllkopf, Milchsee, 15.7 x 30.5 cm, ©feinartberlin
Schöllkopf, Ironiker und passionierter Pokerspieler, hatte einen Sinn für Eulenspiegeleien, Irrfahrten und Narrenspiele, die in seinen Graphiken in „berauschenden Kapriolen dahersprudeln und sich im späteren Werk ergießen in den breiten und gelassen dahinfließenden Strom seiner melancholisch-heiteren, sehnsuchtsvoll-ironischen, logisch-verrätselten Bilder aus dem Leben berühmter Männer und Frauen. Alle Einzelarbeiten zusammengenommen verdeutlichen Schöllkopfs Kulturanalyse und Kulturzertrümmerung. Seine Geschichten aus der Geschichte stellen die gewohnten Seh- und Denkweisen auf den Kopf (Idealismus), auf die Füße (Materialismus) und auf das Selbst (Wunschökonomie).“
„Ich bin ein Citoyen, ich schlage mich recht durch, ich esse und saufe, ich fliege und will alles.“ (Schöllkopf 1978)
Vernissage: Samstag, 09. August 2025, 18:00 – 21:00 Uhr | 19:00 Uhr offizielles Grußwort
Ausstellungsdaten: Samstag 09. August bis Donnerstag 04. September 2025
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Bildunterschrift Titelbild: Günter Schöllkopf, Mein Lebensbaum, 45 x 27cm, 1959, ©feinartberlin
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