post-title Hitomi Uchikura + Takayuki Daikoku | Semjon Contemporary | ab 08.06.2018

Hitomi Uchikura + Takayuki Daikoku | Semjon Contemporary | ab 08.06.2018

Hitomi Uchikura + Takayuki Daikoku | Semjon Contemporary | ab 08.06.2018

Hitomi Uchikura + Takayuki Daikoku | Semjon Contemporary | ab 08.06.2018

bis (folgt) | #2045ARTatBerlin | Semjon Contemporary präsentiert ab 8. Juni 2018 zwei Ausstellungen mit Werken der Künstler Hitomi Uchikura und Takayuki Daikoku.

Gezeigt werden die Ausstellung “Lumière” von Hitomi Uchikura und eine Ausstellung mit Faltzeichnungen von Takayuki Daikoku.

ART-at-Berlin---Courtesy-of-Semjon-Contemporary---Takayuki-Daikoku-
Takayuki Daikoku vor dem Triptychon RGB

Takayuki Daikoku – Faltzeichnung

Im Frühjahr 2017 hat Takayuki Daikoku, den ich seit der Galeriegründung 2011 in meiner Galerie vertrete, in der thematische Ausstellung Penetrating Paper: Geschnitten – Gelocht – Gefaltet… eine neue Werkgruppe vorgestellt, die Faltzeichnung. Seitdem hat er sich verstärkt diesem neuen Arbeitsfeld gewidmet und einen ganzen Kosmos geschaffen, der in Zukunft sicherlich für weitere Überraschungen sorgen wird.

Nun kommt zum ersten Mal ein größeres Konvolut an Werken dieser jungen Schaffensphase zusammen. Erst kürzlich habe ich einige Blätter auf der Kunstmesse paper positions berlin Werken von Gil Shachar gegenübergestellt.

Das Hauptwerk aus dieser Werkgruppe ist das große Triptychon RGB in den Maßen 180 x 283 cm, das aus zahlreichen kleinen quadratischen Faltzeichnungen zusammengesetzt ist. Die Einladungskarte zeigt im Innenteil sein Ausmaß: Der Künstler steht davor und wird förmlich vom haptischen und texturierten Glanz umfangen.
Aus der Ferne wirkt die Arbeit wie eine mit Prägungen versehene, lackierte Ledertapete, die mit einem Rombengitter geprägt scheint. Die Gitterlinien sind die Knickkanten des Papiers, also das Sichtbare seiner Faltungen, und lassen dieses sich dreidimensional in den Raum heben, wobei jede der Triptychonbahnen eine eigene Gitterfarbe aufweist. Links sind die Gitterstege grün gefasst, in der Mitte rot und rechts blau. Die Farben lösen somit das Rätsel des kurzen Werktitels, RGB (red, green, blue), auf. Die Rombenflächen schillern ledrig glänzend, leicht metallisch, geschuldet dem Graphit, das der Künstler als letzten Arbeitsschritt aufgetragen hat. Doch ist nicht die ganze Oberfläche in dieser Weise gleichmäßig gestaltet. Vielmehr scheint im Zentrum jedes quadratischen Blattes Rot als Grundfarbe durch, das gelegentlich mit Grün ergänzt wird. Ein verwirrendes Wechselspiel zwischen Rot, Grün und dem metallischen Graphitschwarz entsteht, gerahmt von der Grundfarbe des Rombengitters und dramatisiert durch die Strukturen einer bei jedem Blatt individuellen biomorphen Form. Spätestens hier wird klar, dass es sich um ein Werk von Daikoku handelt, kennt man die Entwicklung seiner abstrakten und biomorphen Zeichnung. Die Feinheit der Graphitzeichnung ist dem Wesensmerkmal des großes Ganzen, dem Triptychon, strategisch geopfert, da der Künstler wohl in die noch nicht getrocknete Farbgrundierung seine biomorphen Motive vermutlich mit einem Bleistift eindrückt hat. Wird nun im getrockneten Zustand Graphit aufgetragen, mal intensiver, mal reduzierter, entsteht eine dunkle, oszillierende Farbhaut, die an schillernde Fischhaut oder an eine Ledertapete erinnert. Das Papier hat durch die Bearbeitung des Künstlers gänzlich seinen Charakter verloren und hat sich in ein neues Material verwandelt, das zu berühren und zu fühlen das genuine Interesse des Betrachters scheint. Wir sind ja nicht nur Augenmenschen, sondern haben auch noch andere Sinne. Da ist die Hand recht schnell versucht, den Werkstoff zu ergründen, so vielfach erlebt auf der paper positions berlin.

Es ist eigentlich folgerichtig, dass der Bildhauer Daikoku wie auch schon weitere Bildhauer/Künstler aus meinem Galerieprogramm wie Ursula Sax und Gil Shachar –um nur zwei zu nennen –, mit der Papierarbeit in den Raum geht.

Die Vielfalt seiner neuen Werkgruppe ist in RGB konzentriert. Sie zeigt sich zudem auf vielfältige Weise bei den einzelnen kleineren Blättern. Entweder treppen sie sich ab, formulieren eine Zick-Zack-Form, da die Faltungen horizontal ausgerichtet sind, es entstehen strenge orthogonale Gitter, oder es sind Faltungen innerhalb des Papierfeldes erfolgt, die nicht bis zu den Kanten durchgehen und eine ganz eigene ‘Landschaft’ von Erhebungen und Vertiefungen im Papier erzeugen.

Der Kosmos dieses neuen Arbeitsfeldes wird gerade durch den Künstler ausgelotet. Es ist erst der Anfang!

Die aktuelle Einzelausstellung von Takayuki Daikoku im Straßen-Salon wird im nebenliegenden Galerieraum begleitet von der Einzelausstellung Lumière von Hitomi Uchikura. Auch diese Künstlerin zeigt eine Werkgruppe, die auf Papier gründet. Ein anderer künstlerischer Ansatz ist zu erleben, und doch zeigen beide Künstler, wie sehr Papier als künstlerisches Material und Inspirationsquelle in der japanischen Kultur verhaftet ist.

Semjon H. N. Semjon
Mai 2018

ART-at-Berlin---Courtesy-of-Semjon-Contemporary---Hitomi-Uchikura--Detail
Hitomi Uchikura, Lumière (Detail)

Hitomi Uchikura – Lumière

Der Ausstellungstitel deutet es schon an: Lumière (französisch für Licht) muss ein wesentlicher Bestandteil der zu sehenden Werke sein, sei es in inhaltlicher Hinsicht oder auch auf der materiellen Ebene. Man könnte sofort an Lichtkunst denken – und liegt nicht ganz falsch.

Betritt man den Ausstellungsraum, so dürfte auf der linken Raumseite das große fünfteilige Kunstwerk installiert sein (je 200 x 114 cm) und ihm gegenüber eine Gruppe kleinformatiger Kunstwerke. Alle sind aus kräftigem Papier gefertigt. Die Künstlerin bedarf nur der bildnerischen Vision, eines Skalpells und der physischen Krafteinwirkung auf Papier und schon entstehen in tagelangen Arbeitssitzungen ihre papiernen Kunstwerke, die sie allesamt mit Lumière bezeichnet.
Es sind Gebilde, die vor der Wand in einem optischen Schwebezustand inszeniert sind, die ein Meer von kreisrunden Medaillons in unterschiedlicher Größe beherbergen, wobei die Negativräume zwischen den Scheiben freigeschnitten sind. Die Medaillons sind alle als konkave Scheiben mit Krafteinwirkung in den Papiergrund gedrückt und bilden somit ein Relief. Betrachtet man dieses Relief längere Zeit, erfolgt unvermittelt ein Umkehrungsprozess und die nach hinten gehenden, konkaven ‘Teller’ werden plötzlich zu konvexen, also uns entgegen kommenden plastischen Scheiben. Sie unterstreichen das Moment der Leichtigkeit, des Schwebens, das durch die Inszenierung vor dem Wandgrund bereits angelegt ist.
Es sind visuelle Umbrüche, die unvermittelt geschehen, aber keine Unruhe oder Chaos suggerieren. Im Gegenteil. Die Geballtheit der Formen, fein aufeinander abgestimmt, verleiten den Betrachter zum Innehalten. Das Kunstwerk wird zur Meditationsfläche, zum Meditationsrelief. Die negativen freigeschnittenen Zwischenräume erscheinen dunkel, geben sie den Blick frei nach hinten in den verschatteten Raum vor der Wand. Installiert die Künstlerin jedoch unterhalb der Papierbahn eine Lichtquelle, wird dieser Zwischenraum erleuchtet und verstärkt den Schwebezustand der konkaven oder konvexen Scheiben. Der hintere Raum beginnt zu leuchten. Lumière!

Bei den kleinen Formaten sind die Scheiben freigelegt und im Zentrum vor einer fast quadratischen Rückwand von 26 x 24 cm aus dem gleichen Material in unterschiedlichen Formationen arrangiert. Auch hier beeindruckt die Leichtigkeit des zum Objekt gewordenen Scheibenensembles und lässt diese ebenso elegant schweben.

Den Wandarbeiten ist eine biomorphe Skulptur auf einem Sockel im Raum zugeordnet. Obwohl sie fast 5 kg wiegt, dominiert auch hier der Eindruck von Leichtigkeit. Bright cell 2018-VIII ist ein zellenähnliches Gewerk von 20 x 28 x 26 cm, das aus Kameralinsen und Spiegeln besteht. Die sichtbare Oberfläche, in der die runden Glaslinsen eingelassen sind, besteht aus blauem Wildleder über einem stabilen tektonisch-organoiden Gerüst. Der Blick ins Innere dieser Zelle öffnet sich in die Unendlichkeit und saugt das Umgebungslicht hinein. Ein lichthelles Zentrum entsteht, das zu definieren unmöglich wird, denn die Integration von Spiegeln im Inneren multiplizieren die (Licht-)Räume ins Unendliche.
Bright Cell.

Lumière, der Titel der Ausstellung ist Programm. Alle Werke von Hitomi Uchikura zeichnen sich durch die Faszination von Licht und dem bildnerischen Spiel mit ihm aus.

Die aktuelle Einzelausstellung Lumière von Hitomi Uchikura wird im nebenliegenden Straßen-Salon begleitet von der Einzelausstellung Faltzeichnungen von Takayuki Daikoko. Auch dieser zeigt eine Werkgruppe, die auf Papier gründet. Ein ganz anderes künstlerisches Ergebnis ist sichtbar, ein anderer künstlerischer Ansatz ist zu erleben, und doch zeigen beide Künstler, wie sehr Papier als künstlerisches Material und Inspirationsquelle in der japanischen Kultur verhaftet ist.

Semjon H. N. Semjon
Mai 2018

 

Die Künstler werden zur Eröffnung am Freitag, 8. Juni. von 19 – 21:30 Uhr, anwesend sein. Beide Künstler kommen aus Japan angereist.

Musikalische Performances zu den Eröffnungen von Takushi Minagawa
20.00 Uhr: Takushi Minagawa
20.15 Uhr: Einführung in die Ausstellungen (Semjon)
20.25 Uhr: Takushi Minagawa

Vernissage: Freitag, 8. Juni 2018, 19:00 – 21:30 Uhr. Die Künstler sind anwesend. Programm siehe oben.

Ausstellungsdaten: Freitag, 8. Juni 2018 bis (Termin folgt)

Zu Semjon Contemporary

 

Ausstellung Hitomi Uchikura + Takayuki Daikoku – Semjon Contemporary | Zeitgenössische Kunst – Ausstellungen Berlin – Galerien Berlin – ART at Berlin

 

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