post-title Otto Piene | Light Ballet | Sprüth Magers | 29.04.-17.06.2017

Otto Piene | Light Ballet | Sprüth Magers | 29.04.-17.06.2017

Otto Piene | Light Ballet | Sprüth Magers | 29.04.-17.06.2017

Otto Piene | Light Ballet | Sprüth Magers | 29.04.-17.06.2017

bis 17.06. | #1292ARTatBerlin | Sprüth Magers zeigt ab dem 29. April 2017 die Ausstellung “Light Ballet” des Künstlers Otto Piene.

Otto Pienes Umgang mit Licht entwickelte sich in den späten 1950er Jahren aus Experimenten mit Drucktechniken auf Leinwand: Dem Künstler dienten durchlöcherte Platten als Schablonen um Raster aus kleinen, erhabenen Pigmentpunkten auf die Oberfläche der Leinwand zu bringen. In seinen frühen Werken benutzte Piene diese perforierten ‘Rastersiebe’ als von Hand gehaltene Vorrichtungen, durch die das Licht einer Kerze schien. An die Stelle solch eher rudimentärer Mittel trat alsbald ein sehr viel komplexeres Instrumentarium: Bereits um 1960/61 versammelten sich Metallblenden, Scheiben, Motoren, Zeitschaltuhren und rotierendes elektrisches Licht, um in raumfüllenden Installationen zu Höchstformen aufzulaufen. Eine Auswahl dieser Werke wird in einer von Sprüth Magers gemeinsam mit dem Nachlass von Otto Piene konzipierten Ausstellung, der ersten Präsentation des Künstlers in der Galerie, zu sehen sein.

Piene gilt als Choreograf des Lichts – einem Medium, das er zunächst kraft seiner eigenen Hand und später mithilfe hochentwickelter mechanischer Vorrichtungen durch den Raum tanzen ließ. Die Größe und Komplexität seiner perforierten Blenden und Schablonen variierte stets: Bei manchen handelt es sich um wandgroße Apparaturen, während andere wiederum Kugeln oder Kuben geringeren Ausmaßes sind. Von einer einzigen Quelle ausgehend wird das Licht in einer Vielzahl von Lichtpunkten zerstreut, deren Durchmesser allein von der Entfernung der Birne zu den durchlöcherten Blenden abhängig ist. Das Licht scheint aus allen Richtungen zu kommen, während es sich von einer Wand zur nächsten bewegt und kontinuierlich an Intensität und Reichweite zu- oder abnimmt, wobei Zeitschaltuhren eingesetzt werden, um die verschiedenen Lichteffekte zu regulieren und eine Vielfalt an Szenarien zu erzeugen, deren Spektrum von fast völliger Dunkelheit bis hin zu einer Theatralik reicht, die an Lichtinszenierungen in Diskotheken erinnert.

Das Erleben für den Betrachter ist ein totales Eintauchen in Licht, das den gesamten Raum in Besitz nimmt und über den eigenen Körper wandert. Dieser Aspekt eines komplett angefüllten Raumes unterscheidet sich formal von der räumlichen Situation des Theaters und im Film, wobei Licht projiziert und von einem vorgegebenen Standort aus betrachtet wird, das Licht also auf das eine Ende des Raums beschränkt bleibt, während sich der Betrachter am anderen aufhält.

Piene benutzte die Formulierung ‚mit Licht malen’ und distanzierte sich damit von der gestischen Malerei der 1950er Jahre, um sich stattdessen einem technologisch fortschrittlicheren Umgang mit Licht zuzuwenden, welcher den Entwicklungen der Zeit entsprach. Die Lichtspektakel, mit denen Piene aus früherer Zeit vertraut war, hatte er im Krieg erlebt; sie hatten mit seinen Erfahrungen als sechszehnjähriger Flakhelfer zu tun, als er die lodernden Flammen von Bränden und die Scheinwerfer sah, die auf der Suche nach den Bombern der Alliierten den Nachthimmel erhellten. Dieses besondere Kapitel in der Geschichte der Technologie, insbesondere der Einsatz von Licht zur Kriegszeit, war Pienes Ausgangspunkt, von dem aus es darum ging, einen Neuanfang zu machen, bei dem das Licht Ursprung des Lebens statt Quelle der Zerstörung war. Dieses entsprach im Wesentlichen der Weltanschauung der 1957 mit Heinz Mack gegründeten Gruppe ZERO, die sich, um das Trauma des Zweiten Weltkriegs zu überwinden, als ‚Zone der Stille und echter Möglichkeiten für einen Neubeginn’ verstand, ‚die unvergleichliche Zone, in der der alte Zustand in den neuen übergeht’.

Otto Piene wurde 1928 im deutschen Laasphe geboren und starb 2014 in Berlin. Er lebte und arbeitete in Düsseldorf, Cambridge sowie Groton, Massachusetts. Retrospektiven seiner Werke wurden unter anderem im Museum am Ostwall, Dortmund (2008-2009), der Stadtgalerie Prag (2002) und im Kunstmuseum im Ehrenhof, Düsseldorf (1996) ausgerichtet. Zu seinen jüngsten Einzelausstellungen zählen unter anderem Präsentationen im LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster (2015), der Neuen Nationalgalerie, Berlin (2014), dem ZKM Museum Für Neue Kunst, Karlsruhe (2013), sowie dem MIT List Visual Arts Center, Cambridge (2011). Im Jahr 2014 war das Solomon R. Guggenheim Museum, New York, der Schauplatz einer umfassenden Retrospektive der Gruppe ZERO.

Vernissage: Freitag, 28. April 2017, 18:00 – 21:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 29. April – Samstag, 17. Juni 2017

Zu Sprüth Magers Berlin

 

Bildunterschrift: Otto Piene Lichtwand Mönchengladbach, 2013 (Hintergrund), Doppelzylinder, 1996 (linke Seite), Lichtkubus 30 cm, 2002 (rechte Seite) © Otto Piene Estate, Courtesy Sprüth Magers, Photography by: Günter Thorn

Ausstellungen Berliner Galerien: Otto Piene – Sprüth Magers | ART at Berlin 

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