bis 04.04. | #4949ARTatBerlin | neugerriemschneider (Linienstrasse) zeigt ab 3. März 2026 (Vernissage: 28.02.) die Ausstellung Keep On des Künstlers Thilo Heinzmann.
Anknüpfend an die Veröffentlichung seiner neuesten Monografie präsentiert Thilo Heinzmann in Keep On, der vierten Einzelausstellung des Künstlers bei neugerriemschneider, ausgewählte Sandbilder. Bei diesen Arbeiten, den jüngsten Resultaten seiner Auseinandersetzung mit Komposition, Textur und Farbe, ist das Weiß der Grundfläche seiner Pigmentbilder in die komplementäre Nichtfarbe Schwarz invertiert. Sand und Glasstücke, subtraktive Gesten sowie pastoser Farbauftrag von Schwarz auf Schwarz erzeugen ein brillantes Zusammenspiel von Licht und Tiefe, das sich je nach Blickpunkt immer wieder neu und anders zeigt. Nach drei Jahrzehnten einer konzeptuellen malerischen Untersuchung entlang der Antagonismen und Synergien von Idee/Prozess, Chaos/Präzision und Überlieferung/Innovation bauen diese neuen Gemälde auf früheren Werkgruppen des Künstlers auf. In ihrer Reduktion und Strenge konzentrieren sie Hein manns Schaffen, in dem sich die einzelnen Elemente fortlaufend aufeinander beziehen und einander infrage stellen.
Heinzmanns malerische Praxis ist eine kontinuierliche Suche nach Neuem in einem Medium, das immer wieder als auserzählt dargestellt wird. Der Künstler befragt unter Anwendung sowohl traditioneller als auch unkonventioneller Techniken Materialien so divers wie Styropor, Pergament, Aluminium, Pressspan oder ungebundenes Pigment nach ihren Potenzialen und überführt die Ergebnisse als Vorschläge in den künstlerischen Diskurs. Das Kombinieren von Wiederholungen und nuancierten Abweichungen führt zu komplexen Bildfindungen, die von Neugier und Spiel genauso gelenkt sind wie von Regeln und Könnerschaft. Bildträger und Komposition verschmelzen zu einem Ganzen, dessen physische Präsenz auf Faktoren wie Materialität, Haptik und Lichtreflexion basiert. Letztere sind in den pastosen Elementen der Sandbilder komprimiert, die den Status quo in diesem veritablen Werkkomplex darstellen.
Mit den durchfurchten und zerklüfteten Farbschichten der Sandbilder verbindet sich der Zufall in Heinzmanns Werk mit Körperlichkeit. Diese steht in starkem Kontrast zu den mithilfe des Windes auf die Leinwand gebrachten feinen Farbpartikeln der Pigmentbilder. Demgegenüber wirkt der Sand unterschiedlicher Körnung stabilisierend, die Flüchtigkeit der Pigmente und ihre differenzierte Polychromie werden in eine schimmernde Textur übersetzt. Die verschiedenen Sandarten treten in Verbindung mit den von Heinzmann gebrochenen und behauenen Glasstücken, deren farbige und reflektierende Körper zwischen pastosen Farbmassen und Sandkörnern vermitteln. Die Schwünge, Linien und Kurven, die sowohl bei den Sand- als auch bei den Pigmentbildern mit Pinseln, Spachteln und Fingern in den noch frischen Bildgrund gezogen werden und als dynamische Konstanten das Auge lenken, haben ihren Ursprung wiederum in einer früheren Gruppe schwarzer Gemälde, den Anfang der 2010er Jahre begonnenen Tacmos. Im Unterschied zu diesen verzichtet der Künstler bei den Sandbildern auf eine schützende Acrylglashaube und erlaubt dem Schwarz, den Blick in die Tiefe des Bildraums zu ziehen und den Schwerpunkt auf die Wirkung des Lichts zu legen. Die unterschiedlichen Texturen der Nichtfarbe reflektieren dieses in vielerlei Nuancen. Darüber hinaus konzentriert das Schwarz die einzelnen Elemente der Komposition stärker als das Weiß, weshalb die Sandbilder strenger und kompakter wirken als die Pigmentbilder. In seinem kontinuierlichen Gespräch mit dem eigenen Werk, der Kunstgeschichte und den Betrachtenden, als das Heinzmann sein Schaffen sieht, verdichten die Gemälde dessen Strategien und erlauben einen Blick auf seine zukünftigen Entwicklungen.
Vernissage: Samstag, 28. Februar 2026, 18:00–21:00 Uhr
Ausstellungsdaten : Dienstag, 3. März bis Samstag, 4. April 2026
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Bildunterschrift Titel: Thilo Heinzmann, O.T., 2025. © Thilo Heinzmann / VG Bild-Kunst. Courtesy the artist and neugerriemschneider, Berlin. Photo: Roman März. oil, sand and glass on canvas, 135 × 145 × 4 cm
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