bis 04.04. | #4944ARTatBerlin | Galerie Tammen zeigt ab Freitag, 13. Februar 2026 die Ausstellung Shimmer der Künstlerinnen Sue Hayward und Bettina Sellmann.
„Der gemeinsame Nenner dieser zwei eindrücklichen malerischen Positionen findet sich im Titel der Ausstellung wieder. Shimmer bedeutet im Englischen Schein bzw. Illusion, und genau darin liegt auch die inhaltliche Verbindung zwischen den Arbeiten beider Künstlerinnen. Shimmer weist auf ein changierendes Licht hin, wie die Reflektion des Mondes im Wasser. Das Wort lässt an Samt, Silber und Perlen denken, an eine Oberfläche, die mehr als nur Materie ist. Je nach Blickwinkel und Lichteinfall erscheint sie verschieden. Es geht um einen Zustand, der materiell nicht existiert.
Galerist Werner Tammen vor Arbeiten von Sue Hayward
Sue Hayward und Bettina Sellmann sind Malerinnen. Beide flirten mit vergangenen Bildwelten, mit einer meist von Männern gesetzten Symbolik von Schönheit und Macht. Wie ist es möglich, eine zeitgenössische Ausdrucksweise zu finden, die keine Wiederholung ist? Die jeweilige Handschrift ist einzigartig. In äußerst unterschiedlichen Techniken werden Transparenz und Transzendenz miteinander verschränkt. Es entstehen figurative Bildräume, die gespürte Realitäten darstellen.“
(Zitat Eröffnungsrede Dr. Helen Adkins in der Tammen Galerie am 13.2.2026)
Ausstellungsansicht – Galerist Tammen vor Arbeiten von Bettina Sellmann
„Bettina Sellmann hat in Frankfurt am Main bei Jörg Immendorff und Christa Näher studiert und ist Meisterschülerin von Thomas Bayrle. In wenigen Monaten erscheint eine 200-seitige Monografie bei DCV.
Arbeiten von Bettina Sellmann
Die Kompositionen werden auf liegenden, aufgezogenen Leinwänden mit gepinselten Strichen begonnen, mit Schüttungen von flüssig aufgelösten Pigmenten bearbeitet und immer wieder in unterschiedlichen Trocknungszuständen geneigt und gedreht. Der Prozess kann monatelang dauern; so fließt die Zeit aktiv mit durchsichtigen Überlagerungen in das Werk hinein. Sellmann zitiert aus großformatigen Porträts und Gruppenbildnissen von Anthonis van Dyck, Diego Velázquez oder auch Thomas Gainsborough. Diese Maler des Barocks und des Rokokos hatten es gewagt, Historienbilder anders darzustellen als in der akademischen Malerei üblich. Edel gekleidete Protagonistinnen aus der Oberschicht wurden nicht nur standesgemäß, sondern als emotionale Wesen dargestellt. Sensibilität und Repräsentation, psychologische Verfassung und Haltung sind bis heute eine Herausforderung an die Malerei.“
(Zitat Dr. Helen Adkins)
Arbeiten von Sue Hayward
„Haywards Musen sind intuitiv aus der Kunstgeschichte ins Heute gehoben. Das Gedankengut der Reformbewegungen um 1900 – die Traumwelten des Symbolismus, die Anmut der Präraffaeliten, die Eleganz des Jugendstils – werden mit philosophischen Erkenntnissen und wissenschaftlichen Erklärungsmustern verflochten. Max Plancks Quantenphysik wird ebenso wie das Oktaeder von Platon oder die Fibonacci-Sequenz, die Wachstumsmuster in der Natur ordnet, zitiert.
Eröffnungsrede Dr. Helen Adkins
Ausgeführt werden die Bilder mit großer Sorgfalt auf leichtem Sperrholz, transparenter Gaze und ausgeschnittener Leinwand. Dazu kommt eine sogenannte Malbutter aus Bienenwachs und Dammarharz, die mit Pigmenten und Ölfarbe gemischt wird. Gespachtelte Strukturen, Überlagerungen und Auslassungen werden über Monate bearbeitet. Zwischen Gazestoff und Holzgrund entsteht ein physischer und auch spiritueller Leerraum: Die Grenze zwischen Andeutung und Illusion ist nicht auszumachen. Dieser Bereich, in dem Licht und Schatten die gestalterische Rolle übernehmen, hinterfragt unsere Wahrnehmung von Realität, Materie und Energie. Robuste, taktile Flächen kontrastieren mit zarten, durchsichtigen Bereichen. Die Haut wird als Grenze des lebendigen, beinahe dreidimensionalen Körpers erlebt. Aus dem von der Künstlerin präzis ausgelotetem Wechselspiel der Ebenen wird eine Hymne an den Einklang von Mensch, Natur und Kosmos gesungen.“
(Zitat Dr. Helen Adkins)
Vernissage: Freitag, 13. Februar 2026, 19:00–22:00 Uhr
Ausstellungsdaten: Freitag, 13. Februar – Samstag, 4. April 2026
Zur Galerie
Bildunterschrift Titelbild: Sue Hayward „Enmeshed“, 2023, 90 x 90 crylm, Öl, Wachs, Dammar, Acryl auf Leinwand, Gaze, Holz
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