post-title Sophie Reinhold | Das kann das Leben kosten | CFA Berlin | 20.05.-20.06.2020

Sophie Reinhold | Das kann das Leben kosten | CFA Berlin | 20.05.-20.06.2020

Sophie Reinhold | Das kann das Leben kosten | CFA Berlin | 20.05.-20.06.2020

Sophie Reinhold | Das kann das Leben kosten | CFA Berlin | 20.05.-20.06.2020

bis 20.06. | #2735ARTatBerlin | Contemporary Fine Arts präsentiert ab 20. Mai 2020 die Ausstellung Das kann das Leben kosten mit collagierenden Werken der Künstlerin Sophie Reinhold.

Contemporary Fine Arts freut sich, mit „Das kann das Leben kosten“ die erste Ausstellung von Sophie Reinhold in der Galerie anzukündigen.

Ausgeführt in Öl und Marmormehl, besitzen Reinholds Arbeiten ein bestimmtes Bewusstsein und eine besondere Sensibilität für die Geschichte des Mediums Malerei. Mit der Hand näht Reinhold Leinwände zusammen, schneidet Formen aus den zuvor verputzten Leinwänden oder arbeitet mit Shaped Canvases.

Alles hier beginnt beim Material. Die Oberflächen – unmittelbar und verführerisch – haben einen ganz bestimmten Effekt. In ihrem matten Glanz begreifen diese Bilder das Erkennbare als Schleier des Geheimnisses. Schicht für Schicht trägt Reinhold auf ihre schablonierten und gefärbten Leinwände auf. Und unter dem, was sich leicht begreifen, leicht auflösen lässt, verbirgt sich stets noch etwas anderes. Die Bilder zeigen, wie man das eine durch das andere liest.

ART at Berlin - Courtesy of Contemporary Fine Arts - Sophie Reinhold
Sophie Reinhold

Es ist wie die Erzählerin aus Rachel Cusks` Trilogie, die einfach nur zuhört, wem sie begegnet, deren Monologe aber filtert, bis banale persönliche Erfahrungen tiefgreifend und bedeutsam werden. Stille spricht, indem sie etwas enthüllt. Ähnlich wie Cusk nimmt Reinhold einen neutralen Standpunkt ein, als wolle sie sagen: Du bist es, die oder der urteilt. Auch die Mischung aus Dokumentarischen und Fiktionalen der von Reinhold verehrten Agnes Varda kommt einem in den Sinn. Es gibt bei der Künstlerin eine ähnliche Auseinandersetzung mit dem, was sozial festgelegt wird. Auch wenn die Medien andere sein mögen, so ist bei der Herangehensweise von einer formalen Zurückhaltung geprägt, die die Textur betont und Bedeutung schafft, indem sie Dinge gegenüberstellt.

Was also sind diese Tiefenströmungen, die Geheimnisse, die diese Bilder erst allmählich preisgeben? Da sind Spuren von Reinholds Kindheit im Ostberlin vor dem Mauerfall, etwa in Form umfunktionierter Slogans aus der DDR-Propaganda – Gewöhne dich nicht daran und Das kann das Leben kosten. Da ist eine subtile Bezugnahme auf den späten Kapitalismus und sein Personal, abgedämpft und beizeiten aufgehoben in einer Form von Heiterkeit. Ein Mann scheint die Kontrolle über eine galoppierende Wurst auf Pferdebeinen zu verlieren, die er reitet. Ein Eiermann erscheint skeptisch und überdrüssig zwischen modernistischen Farbfeldern in R U concerned (Eiermann).

Reinholds Formalismus ist präzise und durchdacht. Ihre Arbeiten durchzieht durch die kontrollierte Palette eine gewisse Leichtigkeit. Griechische Mythologie ist hier eher atmosphärisch von Interesse, wegen der Art  und Weise wie sie mit dem Moralischen liebäugelt. Die Beschäftigung mit einer Figur wie Zirze ist offensichtlich: Die Tiere, die diese Gemälde bevölkern, wirken wie von dieser Zauberin verwandelte Archetypen. Durch einfache Formen dringt etwas Mythisches. Der Widder in Portrait of the Ram schaut den Betrachter in Mona Lisa-Manier wissend an und gleichzeitig durch ihn hindurch. Diese wissenden Augen und Blicke scheinen in einigen Bildern singulär auf.

Reinholds Methode ist in der Auseinandersetzung mit klassischen Freskotechniken und beim Experimentieren mit Carrara-Marmor entstanden – und postuliert dabei nicht zuletzt die Rückkehr zum Primat der Oberfläche. Denkt an: Höhlenmalereien. Denkt an: Allegorien. Die Lust am Material ist offensichtlich. Je ausgekleideter die Oberflächen, desto mehr kann man von sich einbringen. Und von seiner Sicht der Dinge.

Sophie Reinhold lebt und arbeitet in Berlin.

Eröffnung: Mittwoch, 20. Mai 2020, 10:00 – 18:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Mittwoch, 20. Mai – Samstag, 20. Juni 2020

Zu Contemporary Fine Arts

 

Bildunterschrift: Courtesy of Contemporary Fine Arts + Sophie Reinhold

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