bis 24.10. | #5160ARTatBerlin | Contemporary Fine Arts präsentiert ab Freitag, 11. September 2026 (Vernissage: 10.09.) die Ausstellung de sensu der Künstlerin Leiko Ikemura.
Contemporary Fine Arts präsentiert die zweite Einzelausstellung von Leiko Ikemura in der Berliner Galerie. Unter dem Titel de sensu werden neue Gemälde und Skulpturen der international renommierten Künstlerin gezeigt. Die Ausstellung widmet sich der Beziehung zwischen Wahrnehmung, Körper, Geist und Raum und fragt nach Formen der Welterfahrung jenseits des rein Visuellen.
Der lateinische Ausstellungstitel de sensu – „durch die Sinne“ – verweist auf die zentrale Bedeutung sinnlicher Wahrnehmung in Ikemuras neuem Werk. Anregungen zu Berührung, imaginären Klängen und Gerüchen erweitern das Sehen um eine synästhetische Dimension. Die Besucher*innen werden dazu eingeladen, den eigenen Körper nicht als bloßes Gegenüber der Kunst, sondern als Teil eines größeren räumlichen und sozialen Zusammenhangs wahrzunehmen.
Ausgangspunkt von Ikemuras Arbeiten ist ein Zustand der Ungewissheit. In einer von tiefgreifenden Veränderungen geprägten Gegenwart untersucht die Künstlerin Möglichkeiten der Neuorientierung. Die Sensibilisierung der Sinne erscheint dabei als ein Prozess des Suchens und Wiederentdeckens, der die Aufmerksamkeit auf die unmittelbare Umgebung und die eigene Wahrnehmung lenkt.
Ein wesentliches Element der Ausstellung bildet ihre räumliche Inszenierung. Drei grüne Figuren – Green Baby, Green Mom und Dear Spirit – strukturieren den Ausstellungsraum. Grüne Wände und Lichtakzente in Gelb und Dunkelblau erzeugen eine Atmosphäre des Übergangs, die an den Wechsel von Tag zu Nacht erinnert. Die Farb- und Lichtgestaltung verweist zugleich auf grundlegende Zyklen des Werdens und Vergehens. Die Figur in mamagirl erscheint innerhalb dieses Schwellenraums als stille und wachsame Präsenz.
Mit der neuen Skulptur Milk Lady führt Ikemura ihre Auseinandersetzung mit Fürsorge, Transformation und Erneuerung fort. Die Figur wird zum Sinnbild eines Austauschs von Energie und Nahrung und verweist auf die Weitergabe von Leben. Damit formuliert die Ausstellung die Vorstellung eines zyklischen, kreatürlichen Prozesses, der sich jenseits eines linearen Anfangs und Endes bewegt.
Seit den 1980er-Jahren beschäftigt sich Leiko Ikemura mit Fragen des Übergangs, der Transkulturalität und des kollektiven Bewusstseins jenseits nationaler und geschlechtlicher Zuschreibungen. Ihre interdisziplinäre Praxis umfasst leuchtende, häufig monumentale Gemälde ebenso wie Zeichnungen und Aquarelle sowie Skulpturen aus glasierter Terrakotta, Glas und Keramik. Die unterschiedlichen Medien verbindet eine Bildsprache, in der sich menschliche, tierische und mythische Formen überlagern.
Ikemuras häufig weiblich erscheinende Figuren bewegen sich zwischen unterschiedlichen Zuständen und Identitäten. Sie verbinden kindliche Unabhängigkeit und Widerständigkeit mit Fragilität und einer ätherischen Erscheinung. Als hybride Wesen zwischen Mensch und Tier scheinen sie mehreren Welten zugleich anzugehören. Ein zentrales Motiv ist Usagi, eine Figur, die Hasenohren mit einem menschlichen weiblichen Körper verbindet. Ikemura entwickelte das Sujet erstmals im Zusammenhang mit der Nuklearkatastrophe von Fukushima. Usagi steht seither für universelles Leiden, Widerstandsfähigkeit und die Möglichkeit von Erneuerung.
Ikemuras künstlerische Sprache entsteht aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher kultureller und kunsthistorischer Einflüsse. Zu ihren wichtigen Bezugspunkten zählen die ostasiatische Sansui-ga-Tradition, historische japanische Meister, der Surrealismus, die Nachkriegsabstraktion sowie die figurative Malerei der 1980er-Jahre. Diese vielfältigen Einflüsse verbindet die Künstlerin zu einer eigenständigen Bildsprache, die sich kontinuierlich zwischen Abstraktion und Figuration, Vertrautem und Fremdem, Menschlichem und Mythischem bewegt.
Leiko Ikemura wurde in Tsu in der japanischen Präfektur Mie geboren und lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte an der Osaka University of Foreign Studies sowie an der Universität der Schönen Künste in Sevilla, bevor sie sich in Europa niederließ. Von 1991 bis 2015 war sie Professorin für Malerei an der Universität der Künste Berlin.
Ihre Werke sind in zahlreichen bedeutenden internationalen Museumssammlungen vertreten, darunter im Centre Pompidou, Paris, im Nationalmuseum für moderne Kunst, Tokio, im Kunstmuseum Basel und im Museum Kunstpalast, Düsseldorf.
Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen zählen Motherscape, Albertina, Wien (2025); Das Meer in den Bergen, Kunstmuseum Chur (2025); Rising Light / Frozen Moment, Museum of Contemporary Art Tokyo (2024–2025); Floating Spheres, Kunsthalle Emden (2024); When Animals Become Art, The Feuerle Collection, Berlin (2023); año del usagi, Museo de Arte de Zapopan, Guadalajara, Mexiko (2023); Witty Witches, Georg-Kolbe-Museum, Berlin (2023); sowie Towards New Seas, Kunstmuseum Basel (2019).
2025 wurde Leiko Ikemura von der japanischen Regierung als „Person mit kulturellen Verdiensten“ ausgezeichnet. Die Ehrung würdigt ihren herausragenden Beitrag zur japanischen und internationalen Kunst- und Kulturlandschaft.
Vernissage: Donnerstag, 10. September 2026, 18 – 22 Uhr
Ausstellungsdaten: Freitag, 11. September bis Samstag, 24. Oktober 2026
Bildunterschrift Titel: Leiko Ikemura, Green Mom (Detail), 2025, Tempera & Öl auf Jute, 210,5 × 120,5 cm
Ausstellung Leiko Ikemura – CFA Berlin | Zeitgenössische Kunst – Contemporary Art | Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin
