post-title Kota Ezawa | OPUS III | 68 projects | 06.11.2021-08.01.2022

Kota Ezawa | OPUS III | 68 projects | 06.11.2021-08.01.2022

Kota Ezawa | OPUS III | 68 projects | 06.11.2021-08.01.2022

Kota Ezawa | OPUS III | 68 projects | 06.11.2021-08.01.2022

bis 08.01. | #3217ARTatBerlin | 68 projects zeigt ab 6. November 2021 die Ausstellung OPUS III mit Arbeiten des Künstlers Kota Ezawa.

OPUS ist ein Ausstellungsprojekt des deutsch-japanisch-amerikanischen Künstlers Kota Ezawa mit Stationen in New York, Frankfurt und Berlin. In einer installativen Videoprojektion, mehreren Aquarellen und Leuchtkästen sowie einer wandgebundenen Rauminstallation reflektiert der Künstler in OPUS III über Isolation und Teilhabe, über Einsamkeit und Trennung sowie über Krieg und Frieden und deren mittelbare und unmittelbare Auswirkungen auf Menschen, Bauwerke und Räume.

Der 1969 in Köln geborene Kota Ezawa ist dafür bekannt, dokumentarisches Bildmaterial – Nachrichten, Filmausschnitte, Werke anderer Künstler*innen oder Bilder, die in unserer Erinnerung gespeichert sind – in Aquarell-Animationen zu übersetzen und neu zu interpretieren. Ereignisse von historischer Tragweite stehen dabei gleichberechtigt neben Momenten der Popkultur. Überführt in zweidimensionale, im Wortsinn flache Bilder verdichten die Werke Ezawas komplexe visuelle Informationen auf ihre grundlegenden Elemente.

ART at Berlin - Courtesy 68 projects - Kota Ezawa-

Vom Künstler selbst als „bewegte Gemälde“ bezeichnet, verbinden sie eine Ästhetik des Handgemachten mit einer Bildsprache, die dem Comic oder der Pop Art entlehnt ist. „THERISEANDFALLOFTHEBERLINWALL“ ist eine Videoprojektion auf eine Mauer aus Betonsteinen, die einen Bogen vom Bau der Berliner Mauer im Sommer 1961 bis zum Mauerfall im Herbst 1989 spannt und um vier farbige Aquarelle mit Motiven der feiernden Menschen auf der Mauer im November 1989 ergänzt wird.

Für die Projektion greift Ezawa auf Bilder aus alten Wochenschauen und Fernsehnachrichten zurück, die er in Aquarelle übersetzt, animiert und mit Hilfe einer begleiten Tonspur zu einer komprimierten Erzählung verwebt. Die schwarz-weißen Bilder vom Mauerbau 1961 werden begleitet von Joseph Haydns Opus 76 Nr. 3, der Nationalhymne Deutschlands. Die getragene Melodie begleitet Bilder von Stacheldraht, Militärpatrouillen und den Versuchen der Ostberliner, in den Westen zu fliehen. Der Fall der Berliner Mauer 28 Jahre später wird dann in farbigen Bildern gezeigt, begleitet von einem Sample aus Pink Floyds „Another Brick in the Wall, Pt. 1“ und ergänzt um den triumphierenden Jubel, die Sprechchöre und das Klicken der vielen Meißel, die ab dem 9. November 1989 abertausende kleine Stückchen aus der bis zu diesem Tag unüberwindlich scheinenden Mauer schlagen. Die auf friedlichem Weg gewonnene Freiheit siegt über staatliche Gewalt und Unterdrückung.

ART at Berlin - Courtesy 68 projects - Kota Ezawa - Brandenburger Tor No 2 - 2020
Brandenburger Tor (Brandenburg Gate) No 2, 2020, Aquarell auf Papier, 42 x 56 cm

Der Leuchtkasten „Border Wall Prototypes“ zeigt in einem weiten Landschaftspanorama verschiedene Prototypen für die Mauer, mit denen sich die USA unter Donald Trump von ihrem südlichen Nachbarn Mexico abgrenzen wollten – die visuelle Ähnlichkeit einiger dieser Prototypen mit der Berliner Mauer istdabei nicht zu leugnen. Das Projekt wurde von Trumps Nachfolger Joe Biden im Mai 2021 allerdings auf Eis gelegt, und so bilden die Prototypen in Ezawas Bild auch keine geschlossene Mauer, sondern bleiben unvollendetes Flickwerk, aufgestellt nur zur Demonstrationszwecken. „Kabul“ dagegen konzentriert sich in Nahsicht auf die Mauer, die den Flughafen von Kabul begrenzt und bei Ezawa als beinahe nicht zu überwindendes Hindernis erscheint. Mehrere Personen – darunter auch ein Kind – versuchen, über die Mauer zu klettern. Es bleibt allerdings offen, ob die Überquerung der Mauer und damit die Flucht aus dem von den Taliban beherrschten Land auch gelingt – zumal wir nur zu gut wissen, dass nach der Machtergreifung der Taliban im August 2021 das Erreichen des Flughafens von Kabul keineswegs die erhoffte Rettung bedeutet hat.

ART at Berlin - Courtesy 68 projects - Kota Ezawa - Kabul 2021
Kabul, 2021, Leuchtkasten, 25,4 x 44,5 cm; Ed:. 5 + 2 AP

Kota Ezawas raumgreifende Installation „Merzbau“ schließlich, die eine Wandtapete mit mehreren Leuchtkästen vereint, kann auch als eine Auseinandersetzung mit den meist virtuellen Mauern gelesen werden, die wir seit dem Ausbruch von Corona errichten: das Vermeiden persönlicher Begegnungen, das Misstrauen gegenüber Fremden, der Rückzug ins Private. Die zugrundeliegenden Bilder ebenso wie der Titel des Werks beziehen sich auf die gleichnamige Installation, die Kurt Schwitters 1923 in seinem Atelier begonnen und bis 1937 in seiner gesamten Wohnung in Hannover sowie angrenzenden Räumen fertig gestellt hat. Kurt Schwitters „Merzbau“ wurde 1943 bei Luftangriffen durch die Alliierten zerstört – sieht man von einer Rekonstruktion im Sprengel Museum Hannover ab, existiert das Kunstwerk selbst nicht mehr, sondern ist nur noch vermittelt durch einige wenige Fotografien und Rekonstruktionen zugänglich.

Ein Schatten also, oder ein Gespenst, das in Kota Ezawas Installation wiederauflebt und doch auch hier letztlich im zweidimensionalen verharren muss. Zusammengenommen, so erklärt Ezawa, erzählen die Werke in Opus „eine Geschichte von Aufbau, Konstruktion, Verlust und Zerstörung: „Während sie sich auf Ereignisse konzentrieren, die in einem Land über einen Zeitraum von 66 Jahren stattfanden, dienen diese Darstellungen als universelle Symbole für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Grenzmauern und Avantgarde-Kunst“.

Kota Ezawa (*1969 in Köln) studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und dem San Francisco Art Institute, bevor er seinen M.F.A. von der Stanford-Universität erhielt. Die Werke von Kota Ezawa waren in zahlreichen Ausstellungen zu sehen, so beispielsweise im Georgia Museum of Art in Athens (2021), dem Museo ThyssenBornemisza in Madrid (2017), dem Chrysler Museum of Art in Norfolk (2015), dem Metropolitan Museum of Art in New York (2012) oder dem St. Louis Art Museum (2008). Werke von Kota Ezawa befinden sich in bedeutenden Sammlungen, so beispielsweise im MOMA, Museum of Modern Art, dem Metropolitan Museum of Art und dem Whitney Museum of American Art in (alle in New York), dem Art Institute of Chicago, dem Hirshhorn Museum and Sculpture Garden in Washington und dem J. Paul Getty Museum in Los Angeles, aber auch dem Musée d’art contemporain in Montréal, in der Nationalgalerie von Victoria, Australien oder im Niederländischen Institut für Medienkunst.

OPUS I Ryan Lee Gallery, New York
OPUS II Anita Beckers Galerie, Frankfurt am Main
OPUS III 68projects by Galerie Kornfeld, Berlin

Vernissage: Samstag, 6. November 2021, 12:00 – 20:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 6. November 2021 – Samstag, 8. Januar 2022

Zur Galerie

 

 

Ausstellung Kota Ezawa – 68 projects | Zeitgenössische Kunst Berlin Galerien | ART at Berlin

 

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