post-title Jorinde Voigt | The Real Extent | König Galerie (Nave) | 21.02.–05.04.2020

Jorinde Voigt | The Real Extent | König Galerie (Nave) | 21.02.–05.04.2020

Jorinde Voigt | The Real Extent | König Galerie (Nave) | 21.02.–05.04.2020

Jorinde Voigt | The Real Extent | König Galerie (Nave) | 21.02.–05.04.2020

bis 05.04. | #2698ARTatBerlin | König Galerie (Nave) zeigt derzeit die Ausstellung THE REAL EXTENT mit Werken der Künstlerin Jorinde Voigt.

Die KÖNIG GALERIE präsentiert mit The Real Extent eine Ausstellung mit neuen Werken von Jorinde Voigt, die vom 21. Februar bis zum 5. April 2020 in der NAVE in St. Agnes Kirche zu sehen ist. Es ist bereits die vierte Einzelausstellung von Voigt in der Galerie. Die Werke in The Real Extent umfassen eine neue Serie von frei hängenden Arbeiten sowie neuere Arbeiten auf Papier und setzen die Untersuchungen der Künstlerin zum Prozess der Wahrnehmung fort.

Jorinde Voigts Zeichnungen und skulpturale Arbeiten entwickeln rigorose, eigenwillige Systeme, um darzustellen, wie sich die innere Welt der persönlichen Erfahrung, Emotion und Erinnerung mit den äußeren Verhältnissen überschneidet. Die fortlaufende Serie Immersive/Integral artikuliert ein sich ständig erweiterndes Formenlexikon: Notizen, schnell geschwungene Linien, gezackte Ausbrüche von Blattgold und rhythmische vertikale Striche. Ein immer wiederkehrendes Motiv in der Serie ist der Torus, ein mathematisches Objekt in der Form eines Donuts, das keine klare Grenze zwischen innen und außen aufweist. Für den französischen Psychoanalytiker Jacques Lacan veranschaulicht die Topologie dieser Form, dass das Unbewusste nicht nur ein inneres psychisches System, sondern von Natur aus intersubjektiv ist.

Der Torus ist zu einem zentralen Wahrnehmungsmodell in Voigts künstlerischer Praxis geworden und legt auf visuelle Art und Weise die Überzeugung der Künstlerin offen, dass wir als Menschen „immer im Kontext und in Kontakt“ mit der uns umgebenden Welt existieren. Die von Voigt entwickelte Formensprache sowie ihre Herangehensweise an Material und Prozess widersetzen sich vereinfachenden Binaritäten wie Vorstellungen vom Selbst und dem Anderen von Innerlichkeit und Äußerlichkeit zugunsten von polytemporalen und verschränkten Räumen. Der Torus ist die erste Form, die Voigt dem Papier anvertraut, ausgeführt in einem breiten, schwungvollen Strich, der oft aus der Mitte des Papiers herausstrahlt, als ob er einen Möglichkeitsraum oder einen Handlungsraum skizziert. Obwohl intuitiv und ausdrucksstark entwickelt sich Voigts Handschrift aus einem gleichwohl rigoros meditativen und beobachtenden Prozess. Sie beginnt damit, große Papierbögen in Farbe zu tauchen, um ihnen eine bestimmte Stimmung oder Haltung zu verleihen. In der Arbeit The Match steht eine amorphe, orgelartige Form im Zentrum der Komposition. Wie ein ruhiges, leuchtendes Meer strahlen von dieser zentralen Gestalt große Schwaden von Blattgold aus. Das Werk stellt zwei parallele, aber miteinander verbundene Bewegungsabläufe dar: den des Körpers der Künstlerin sowie die singuläre Geschwindigkeit der Materialien selbst. Fragmentierte Körperteile in blassblauer Farbe zeigen sich als die Spuren, an denen Voigt mit dem Papier in Kontakt kam, während sich schlanke, lachsfarbene Röhren in das Blickfeld hinein- und wieder aus ihm herausschlängeln und die Bewegung von einer Haltung zur anderen nachzeichnen. In ähnlicher Weise sehen wir in der Titelarbeit der Ausstellung The Real Extent eine Erfahrungskurve, die Spuren der Bewegung und der Anhäufung von Zeit durch eine Reihe von Hügeln, Tunneln, Spritzern, Blattgold und rhythmischen roten Schraffuren umfasst, die wiederum von einem zentralen weißen Torus aus Graphit vor einem satten blauen Hintergrund ausgehen oder diesen schneiden.

ART-at-Berlin---Koenig-Galerie---Jorinde-Voigt-2020---Photo-Roman-Maerz
Jorinde Voigt, The Real Extent, 2020, König Galerie NAVE, installation view, photo by Roman März

Filigrane bewegliche Arbeiten, die aus einer aufgehängten Messingkette gefertigt sind, unterbrechen diese übersprudelnde Installation von Arbeiten auf Papier. Die Struktur jedes Fibonacci-Modells wird durch die gleichnamige mathematische Gleichung bestimmt – eine Zahlenfolge, bei der jeweils die Summe zweier aufeinanderfolgender Zahlen die unmittelbar danach folgende Zahl ergibt. Diese ätherischen, schwebenden Mobiles fungieren als Denkformen von Wahrnehmungsmodellen: Flüchtig und instabil werden sie zu einem Mittel, um in der Unbeständigkeit eine Balance zu finden und durch ständige Neuorientierung ein Gleichgewicht zu erreichen. Zusammengenommen weisen diese beiden neuen Werkgruppen an die Grenzen unserer Erfahrung und an die Ränder unserer Wahrnehmungs- und Zeitkapazität: der Raum zwischen der Eins und der Null, dem Teil und dem Ganzen.

Jorinde Voigt wurde 1977 in Frankfurt am Main geboren. Sie absolvierte 2004 die Meisterklasse von Katharina Sieverding an der Universität der Künste in Berlin und lebt und arbeitet in Berlin.

Ihre letzten Einzelausstellungen waren im Hive Center for Contemporary Art, Peking (2019), im Horst Janssen-Museum, Oldenburg (2019), in der St. Matthäus-Kirche, Berlin (2018), in der Kunsthalle Nürnberg (2017), im Hamburger Bahnhof–Museum für Gegenwart, Berlin (2016), in der Kunsthalle Krems, Österreich (2015), im Museo d’Arte Contemporanea, Rom (2014) und in der Langen Foundation, Neuss (2013), zu sehen. Außerdem hat sie Werke zu mehreren Biennalen beigesteuert, darunter vor allem die Manifesta 11, Zürich (2016), die Biennale de Lyon (2017) und die Vienna Biennial for Change (2019). Eine Auswahl der Arbeiten von Jorinde Voigt wird in den kommenden Ausstellungen des Kunsthistorischen Museums Wien und des BOZAR, Centre for Fine Arts, Brüssel, zu sehen sein.

Werke von Jorinde Voigt sind in zahlreichen Sammlungen vertreten, unter anderem im Art Institute of Chicago, im Centre Pompidou, Paris, im Kunsthaus Zürich, im Morgan Library & Museum, New York, im Museum of Modern Art, New York, in der Pinakothek der Moderne, München, in der Staatlichen Graphischen Sammlung München und im Kupferstichkabinett, Berlin.

Ausstellungsdaten: Freitag, 21. Februar bis Sonntag, 5. April 2020

Zur König Galerie

 

Ausstellung Jorinde Voigt – König Galerie | Zeitgenössische Kunst in Berlin | Contemporary Art | Ausstellungen Berlin Galerien – ART at Berlin

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